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Flexible Arbeitszeiten sind im Trend
"Morgen komm' ich später rein"

Flexible Arbeitszeiten sind im Trend: "Morgen komm' ich später rein"
Die Funktionen zum Einkauf im Internet werden immer umfangreicher. FOTO: djd, ddp
Berlin/Gummersbach (RPO). Der klassische Arbeitstag von 9 bis 17 Uhr - der war einmal. "Heute haben wir feste und flexible Arbeitszeitmodelle sowie die sogenannte Vertrauensarbeitszeit", sagt Karl-Friedrich Raible, Arbeitszeitexperte beim Beratungsunternehmen Kienbaum Consultants in Gummersbach.

Das bedeutet aber nicht, dass Arbeitnehmer kommen und gehen können, wie sie wollen: "Man geht zwar weg von der Arbeitszeiterfassung - doch die Stechkarte ist dort sinnvoll, wo sehr viele Leute sind und Missbrauch nicht auszuschließen ist." Das Verständnis von Arbeit aber ändert sich. Zunehmend wird nicht mehr die Anwesenheit kontrolliert, sondern, ob vorgegebene Ziele in klar abgegrenzten Projekten erfüllt werden: "Das neue Prinzip ist, nicht mehr Zeit zu messen, sondern Ergebnisse", sagt Markus Albers, Politologe und Autor des Buches "Morgen komm' ich später rein."

Ergebnisse zählen, nicht die Stundenzahl

Es werde nicht mehr überprüft, wer morgens die ersten und abends die letzten sind oder wie lange sie Mittagspause machen. Gleichzeitig könnten sich Faulenzer schlechter verstecken. "Denn die Ergebnisse zählen, nicht die Show." Allerdings hängt diese Arbeit in Projekten stark von den Arbeitstypologien ab, wie Karl-Friedrich Raible sie nennt. "Es kommt darauf an, wie autonom ich arbeiten kann." Wer etwa im Team ein Auto zusammenbaue, könne sich kaum seine Zeit selbst einteilen.

Auch Ärzte, Fluglotsen oder Bauarbeiter müssen zu bestimmten Zeiten ihren Dienst verrichten. "Die flexiblen Modelle eignen sich für jeden, der hauptsächlich am Computer arbeitet", sagt Alberts. Diese Form der mobilen Arbeit nennt Albers "Easy Economy". "Sie befreit den Arbeitnehmer fast komplett von Anwesenheitspflicht und Schreibtischzwang."

Flexible Jobs, flexible Zeiten

Die Grundtypologien, betont Raible, seien dieselben geblieben. Und für die große Masse, die Prozesse abarbeitet, werde sich nicht viel ändern. "Aber je flexibler die Arbeitswelt wird, umso weniger brauche ich feste Arbeitszeiten." Und die Anzahl derer, die frei arbeiten, werde zunehmen. "So wird jede Arbeit ein kleiner Projektauftrag, man befindet sich in einem permanenten Workflow."

Oft wird dafür ein "Arbeitszeitkonto" geführt. "Das funktioniert wie beim Girokonto: Mal hat man mehr, mal weniger Zeit, mal ist das Konto überzogen", sagt Raible. Auch das Bundesarbeitsministerium kennt die verschiedenen Arbeitszeitmodelle, die von unterschiedlichen Teilzeit-Angeboten über Jobsharing, also die Aufteilung eines Job auf zwei Mitarbeiter, bis hin zu einem "Teilzeit Invest"-Modell reichen, bei dem Vollzeit gearbeitet wird und am Ende freie Zeit steht.

Literatur: Markus Albers: Morgen komm' ich später rein, Campus, ISBN 978-3-593-38652-2, 18,90 Euro.

(tmn)
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