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E-Mails nach Feierabend verbieten?
NRW plant Anti-Stress-Verordnung
Tipps, wie man einem Burnout vorbeugen kann
Tipps, wie man einem Burnout vorbeugen kann FOTO: gms
Düsseldorf. Arbeitsminister Guntram Schneider will eine bundesweite Regelung für "gesunde Arbeit". E-Mails und Anrufe nach Feierabend und im Urlaub soll es dann nicht mehr geben. Die Arbeitgeber sind skeptisch. Von Detlev Hüwel

NRW strebt im Kampf gegen beruflichen Stress gemeinsam mit anderen Bundesländern eine Regelung an. "Die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit droht immer mehr zu verwischen, was zu erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen führt", sagte Arbeitsminister Guntram Schneider.

Der SPD-Politiker, der früher DGB-Landeschef war, begrüßt den Vorstoß der IG Metall, die inzwischen einen Entwurf für eine "Anti-Stress-Verordnung" vorgelegt hat. Darin heißt es: "Das Arbeitspensum ist so zu gestalten, dass es bei menschengerechter Gestaltung der Arbeit auf Dauer eines Arbeitslebens ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erbracht werden kann." Schneider selbst kritisiert insbesondere "die dauernde Erreichbarkeit und Verfügbarkeit von Arbeitnehmern", die nach Feierabend und sogar im Urlaub dienstliche E-Mails und Anrufe bekämen.

Dass die Arbeits- und Sozialminister der Länder über die Parteigrenzen hinweg auf eine bundesweite Lösung drängen, verwundere ihn nicht, sagte Schneider: "Schließlich geht es um viel Geld." Die Zahl der Erkrankungen infolge von beruflichem Stress habe "sprunghaft zugenommen". Laut Deutscher Rentenversicherung wurden 2012 mehr als 70 000 Menschen frühverrentet. 41 Prozent gaben als Grund psychische Erkrankungen wie Depressionen und Burnout an; elf Jahre zuvor habe der Anteil bei 24 Prozent gelegen.

Die IG Metall sieht es so: Arbeits- und Zeitdruck seien allgegenwärtig, Restrukturierungen würden zum Dauerzustand, prekäre Beschäftigung mit all ihren Unsicherheiten verdränge reguläre Arbeitsverhältnisse – "und viele Beschäftigte klagen über schlechtes Betriebsklima und defizitäres Führungsverhalten".

Aufseiten der SPD-regierten Länder sind neben NRW vor allem Brandenburg, Bremen und Hamburg im Gespräch über eine bundesweite Anti-Stress-Regelung. Alleingänge werde es nicht geben, betonte Schneider. Er gehe davon aus, dass Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) mit den Ländern reden wird, zumal sie eine Initiative für mehr psychischen Schutz am Arbeitsplatz angekündigt habe. Der Minister räumt ein, dass es "keinen Königsweg" gebe, weil die Betriebe unterschiedlich strukturiert seien. Das Thema dulde aber keinen Aufschub: "Noch in diesem Jahr muss etwas geschehen."

Demgegenüber sieht der Verband Unternehmer NRW keine Notwendigkeit für zusätzliche Regelungen. Es gehöre schon jetzt zur Verantwortung der Unternehmen, negativen Stress am Arbeitsplatz zu vermeiden, sagte der Hauptgeschäftsführer der Organisation, Luitwin Mallmann. Es gebe aber auch positiven Stress. Wer das alles regulieren wolle, "schüttet das Kind mit dem Bade aus".

Gleichwohl will der Verband am Runden Tisch teilnehmen, zu dem der Arbeitsminister geladen hat. Schneider will in Kürze der Öffentlichkeit eine "Allianz" gegen Stress am Arbeitsplatz vorstellen. Das Gremium, dem Gewerkschafter, Arbeitgeber, Krankenkassen, Rentenversicherungsträger und Berufsgenossenschaften angehören, soll Vorschläge "für gesündere Arbeit" machen. Schneider: "Wenn die Menschen länger im Erwerbsprozess bleiben sollen, dann müssen sie auch länger gesund bleiben."

Quelle: RP/csi
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