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Bloß nicht zu langatmig
So gelingt die (Weihnachts-)Rede

Tipps fürs richtige Sprechen
Tipps fürs richtige Sprechen FOTO: AP
Düsseldorf (RP). Die Chefansprache gehört ebenso zum obligatorischen Programm einer Weihnachtsfeier wie das Festessen. Untersuchungen zeigen: Der Erfolg einer Rede hängt vor allem davon ab, ob der Redner die Sympathie des Auditoriums gewinnt. Von Ingo Vogel

Wichtig ist auch die Dramaturgie der Rede. Der Inhalt hingegen hat auf den Erfolg nur geringen Einfluss. Anders gesagt: Der Redner muss vor allem einen Draht zum Publikum finden und seine Inhalte gut verpacken. Was er sagt, ist zweitrangig.

Doch wie gewinnt ein Redner die Sympathie der Zuhörer? Er muss authentisch wirken und die Rede muss zu ihm passen. Unglaubwürdig wirkt es, wenn ein Erbsenzähler sich als Witzbold präsentiert. Oder wenn ein Einzelkämpfer sich verbal mit allen Anwesenden verbrüdert. Ein guter Redner nimmt seine Zuhörer mit auf eine Gedankenreise – zum Beispiel durchs vergangene Jahr.

Wer soll angesprochen werden?

Beim Konzipieren der Rede sollten man bedenken: Wer sitzt mir gegenüber? Sind die Zuhörer unterstellte Mitarbeiter, sollte die Rede anders konzipiert sein als wenn man vor gleichgestellten Kollegen spricht. Ebenfalls wichtig ist: Welche Beziehung besteht zwischen den Zuhörern? Arbeiten die Anwesenden im Alltag zusammen, dann haben sie gemeinsame Erfahrungen, auf die sich der Redner beziehen kann. Sehen sie sich hingegen nur ein Mal pro Jahr, müssen muss er auf andere Elemente zurückgreifen, um einen gemeinsamen Nenner zu finden. Etwa die Entwicklung in der Branche oder die Zahlungsmoral der Kunden.

Ein guter Redner kommuniziert mit seinen Zuhörern – unter anderem, indem er häufig Blickkontakt sucht. Deshalb sollte die Rede so frei wie möglich vorgetragen werden. Die Zuhörer sollten immer wieder persönlich angesprochen werden. Aber nicht, indem in jeden fünften Satz die Floskel "Meine sehr verehrten Damen und Herren" eingestreut wird. Der Redner sollte die Zuhörer lieber rhetorisch fragen: "Denken Sie auch manchmal...?" oder "Geht es Ihnen wie mir ...?" Außerdem sollten in die Rede Beispiele aus der Erfahrungswelt der Zuhörer integriert werden. Auch ein Schuss Humor und Selbstironie schadet nie.

Reden Sie maximal 15 Minuten

Je kürzer die Rede ist, umso besser ist sie meist. Eine Rede auf einer Weihnachtsfeier sollte nicht länger als zehn, maximal fünfzehn Minuten dauern. Der Vortrag sollte höchstens drei Kernbotschaften enthalten. Zum Beispiel: Die Arbeitsplätze sind sicher. Unser Unternehmen sieht einer rosigen Zukunft entgegen. Und: Dass es uns so gut geht, verdanken wir dem Einsatz aller Mitarbeiter.

Für das inhaltliche Planen einer Rede empfiehlt sich die Mindmapping-Methode. Dabei schreibt man in die Mitte eines Blatts das Thema oder den Anlass der Rede. Zum Beispiel: Weihnachtsfeier 2007 oder Strategie 2008. Ausgehend von diesem Zentrum zeichnet man Linien und notiert entlang dieser alles, was einem zum Thema einfällt. Zum Beispiel: "Ertragsentwicklung", "Dank an Mitarbeiter", "Neue Produkte". Entlang der Seitenarme der Linien notiert man alles, was einem hierzu wiederum einfällt. So bekommt man schnell einen Überblick über mögliche Inhalte der Rede. Und wenn es zu viel wird, können problemlos einige Seitenarme gestrichen werden.

Üben Sie laut

Besonders sorgfältig sollten der Beginn und Schluss der Rede geplant werden. Denn wie aufmerksam das Publikum zuhört, hängt weitgehend vom Einstieg ab. Gut ist es, mit einer Anekdote zu starten. Dabei sollte man kurze Sätze benutzen. Schachtelsätze sind schnell unverständlich. Sie beinhalten zudem die Gefahr, dass sich der Vortragende verheddert. Oft ist dann bei ungeübten Rednern auch der Rest der Rede gelaufen. Sie werden nervös und verhaspeln sich immer häufiger – bis das Publikum nur noch auf den nächsten Versprecher wartet. Wichtig ist auch eine aktive Sprache. Also: "Wir planen ..." statt "Unsere Planung sieht vor ...".

Sicherheit als Redner gewinnt man vor allem durch eine gute Vorbereitung. Hierzu sollte die Rede laut geübt werden. Insbesondere den Einstieg, das Ende sowie die Übergänge zwischen den einzelnen Passagen sollten man so lange proben, bis man sie im Schlaf aufsagen kann. Noch ein Tipp: Beim Durchgehen der Rede die Dauer stoppen. Dann merkt man wann es Zeit wird, das Büfett zu eröffnen.

 
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