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Hilfsmittel
Warum aus guten Vorsätzen oft nichts wird

Am Jahresende ist es Zeit für eine Inventur. War das Jahr im Job erfolgreich? Wo soll es 2016 hingehen? Solche Gedanken enden aber oft als gute Vorsätze, die schnell verpuffen. Warum? Ganz einfach: Viele setzen sich die falschen Ziele. Von Tobias Schormann

Der Jahreswechsel ist eine gute Gelegenheit, um Bilanz im Job zu ziehen. Viele fragen sich dann: Wo stehe ich, und wohin will ich? Leider ist es alle Jahre wieder dasselbe Spiel. Erst kommt die Zeit der guten Vorsätze. Und ein paar Wochen später ist alles wieder beim Alten. Typische Fehler im Überblick:

1. Äpfel mit Birnen vergleichen Der Kollege verdient mehr Geld? Die Mitarbeiterin aus der Nachbarabteilung darf das neue Projekt leiten? Meistens gilt: "Wer sich mit den anderen vergleicht, hat schon verloren", erklärt Tom Diesbrock, Neuorientierungs-Coach und Psychologe aus Hamburg. Denn dabei gehe es selten um konkrete Dinge. So sagt man nicht etwa, "Ich möchte wie der Kollege im April einen Marathon schaffen." Das wäre eine gute Motivation. Oft stelle man vielmehr schwammige Vergleiche an, die einen nur schlecht aussehen lassen, erläutert Diesbrock. Der Hauptmotor dafür sei Neid. Das führe nur dazu, dass man passiv bleibe und sich mies fühle.

"Andere zu kopieren funktioniert außerdem nicht", sagt Karrierecoach Theo Bergauer, der ein Buch zum Thema Souveränität geschrieben hat. "Das wirkt nicht authentisch. Da muss man sich immer fragen: Passt das zu mir?" Man könne höchstens gute Eigenschaften anderer adaptieren. "Zum Beispiel von Sportlern lernen, einmal öfter aufzustehen als hinzufallen."

Beschäftigte sollten sich also in erster Linie auf sich selbst besinnen und darauf schauen, in welchen Punkten es für sie beruflich vorangehen kann. Dazu ist es wichtig, zunächst die eigenen Potenziale zu analysieren, erklärt die Karriereberaterin Hanne Bergen. "Ich frage mich also: Was kann ich? Und was ist mein Ding?", sagt sie. Dann folgt die Frage: Wie arbeite ich derzeit? So erkennen Berufstätige, in welchen Bereichen für sie noch Luft nach oben ist.

2. Statusdenken Erfolg im Beruf bedeutet für viele vor allem: eine Gehaltserhöhung oder eine Beförderung. Dabei ist eigentlich jedem Beschäftigten klar: Geld allein macht nicht glücklich. Und mehr Verantwortung ist keineswegs gleichbedeutend mit mehr Spaß bei der Arbeit. Der Motivationseffekt einer Gehaltserhöhung hält nur etwa drei Monate an, sagt Bergen. Dagegen ist es für Mitarbeiter mit Kind unbezahlbar, mehr Zeit für die Familie zu haben - etwa durch einen Home-Office-Tag pro Woche.

3. Höher, schneller, weiter Im Beruf muss es immer vorangehen. Oder? Nicht unbedingt. Hanne Bergen kennt ein Beispiel aus ihrer Beratungspraxis: Ein Altenpfleger wurde zum Pflegedienstleiter befördert - und ging später freiwillig wieder zurück auf seinen alten Posten. Er wollte lieber direkt mit Patienten arbeiten. So ein Gedanke ist heute keineswegs mehr so ungewöhnlich. Die Generation Y, zu der die heutigen Berufseinsteiger gehören, sei viel zögerlicher, Führungspositionen anzunehmen, erklärt Bergen.

Auf der anderen Seite finde sich so mancher Berufstätige nach Jahren des vermeintlichen Vorankommens in einer Sackgasse wieder, ergänzt Diesbrock. So wollen manche unbedingt eine Führungsposition erreichen, weil das in ihren Augen einfach der nächste logische Karriereschritt ist - dabei liege ihnen die enge Zusammenarbeit mit anderen gar nicht.

4. Träume sind Schäume Wichtig ist es, Ziele konkret und realistisch zu planen. Ich möchte mehr Freiheit und Eigenständigkeit im Beruf, bleibt schnell einfach nur ein frommer Wunsch, wenn nicht ganz klar ist, was das genau bedeutet und wie sich solche vage formulierten Ziele verwirklichen lassen, erklärt Bergauer. "Das muss man in sehr kleine Schritte unterteilen", ergänzt Bergen. Wer etwa einen Tag pro Woche im Home-Office arbeiten möchte, sollte sich Zwischenziele setzen. Schritt eins wäre es, Argumente zu sammeln: Machen andere das auch? Die nächste Station auf dem Weg zum Karriereziel ist ein Gespräch mit dem Vorgesetzten. Und eventuell wäre es ein Etappenziel, zunächst einen halben Tag von zu Hause aus zu arbeiten.

Es bringt außerdem nichts, immer nur auf all dem herumzureiten, das einen nervt im Job. Wichtig ist auch, zu formulieren, was man stattdessen möchte.

Quelle: RP
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