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Profiler im Gespräch
Welcher Persönlichkeitstyp ist Ihr Kollege?

Hintergrund: Was der Chef alles darf – und was nicht
Hintergrund: Was der Chef alles darf – und was nicht FOTO: Shutterstock/ ollyy
Düsseldorf. Für welche Aufgabe eignet sich welcher Kollege am besten? Wie bekommt man den Störenfried in den Griff und warum ist er überhaupt so nervig? Psychologe und Profiler Jens Hoffmann erklärt die zehn wichtigsten Persönlichkeitstypen.  Von Susanne Hamann

"Die meisten Menschen haben zwei dominante Persönlichkeitstypen in sich", sagt der Kriminalpsychologe Jens Hoffmann. Zu wissen, welcher Typ der Kollege ist und welcher man selbst ist, kann für den Arbeitsalltag extrem hilfreich sein. Chefs können Aufgaben auch besser verteilen und Teams optimal zusammensetzen, wenn sie wissen, wie ihre Mitarbeiter ticken. "Die wichtigste Frage in der Analyse ist deshalb: Was tut jemand, was er nicht tun müsste?", sagt Hoffmann. Das sind die zehn dominantesten Persönlichkeitstypen: 

Strukturliebend-zwanghafte Persönlichkeit Menschen dieses Typs mögen, wie der Name schon sagt, klare Strukturen. Mit Uneindeutigkeit kommen sie schlecht zurecht und geraten dann schnell unter Stress. Ambivalenzen bringen sie aus dem Tritt, entsprechend können sie auch schlechter mit Emotionen umgehen. Sie mögen Formalitäten und machen sich deswegen gut in bürokratischen Jobs oder in Berufen, die viel mit Zahlen zu tun haben. 

Narzistische Persönlichkeit: Erzählt jemand sofort, ausdauernd und in allen Facetten, was er Tolles gemacht hat, handelt es sich vermutlich um einen narzisstischen Typ. "Sie brauchen sehr viel Aufmerksamkeit von den anderen und das Gefühl, dass sie etwas Besonderes sind." Wer mit diesem Typus zu tun hat, sollte ihm deshalb regelmäßig ein paar lobende Worte sagen. 

Dramatische Persönlichkeit: Man kann sich leicht vorstellen, dass der dramatische Typ sehr emotional ist. "Er ist entweder himmelhoch jauchzend oder total betrübt", sagt der Psychologe. "Dafür können sie Menschen schnell begeistern, denn sie haben oft gute Stimmung und erzählen gerne muntere Geschichten." Comedians seien häufig solche Typen. "Deswegen muss man aber auch gucken, dass sie ein Team nicht zu stark durcheinander wirbeln." Chefs müssen bei diesem Typ immer wieder für Struktur und Konzentration sorgen. 

Psychopathische Persönlichkeit: Wer den Namen dieses Typs hört, denkt meist an Serienmörder. Es stimmt jedoch nicht, dass es sich dabei immer um Verbrecher handelt, weiß Hoffmann. "Es sind vor allem Menschen, die keine echte emotionale Bindung zu anderen eingehen können, aber sehr gut darin sind, es vorzutäuschen." Menschen vom psychopathischen Typ erkennen genau, was ihr Gegenüber braucht und können ihm genau das vorspielen. "Deswegen sind sie hochmanipulativ", sagt der Profiler. Nur drei bis fünf Prozent der Bevölkerung fallen unter diesen Typus. Darunter sind allerdings relativ viele in Führungspositionen. "Der Grund ist, dass sie sich besser durchsetzen können als andere, und als begabte Manipulatoren fällt es ihnen leicht, die Fäden im Hintergrund zu ziehen." 

Wachsame Persönlichkeit: Wenig von sich selbst gibt der wachsame Typ preis. Menschen von diesem Schlag, sind zurückhaltend und haben auf alles ein Auge. Sie fragen sich immer wieder, ob ihr Gegenüber etwas gegen sie im Schilde führt. Deshalb braucht dieser Typ auch relativ lange, bis er Vertrauen aufbaut. "Im Extremfall werden diese Menschen paranoid", sagt Hoffmann.  

Boss-Persönlichkeit Wer einen natürlichen Hang zur Führungspersönlichkeit hat, stellt sich gerne schützend vor andere, legt viel Wert auf Hierarchien und kann andere Boss-Typen nicht gut um sich haben - zu viel Konkurrenz. 

Passiv-aggressive Persönlichkeit Der passiv-aggressive Typ, ist schwer zu greifen. Sie üben nie direkt Kritik und kritisieren doch gerne unterschwellig. "Sie entziehen sich gerne der Arbeit, verhalten sich destruktiv und können mit dieser Haltung ganze Teams zerstören", sagt Hoffmann. Warum, weiß allerdings keiner so genau. "Die beste Lösung für diesen Typ ist, zu versuchen, dass sie nicht dauernd alle frustrieren." Dafür müsse man ihnen am besten Aufgaben geben, die sich in kleine Arbeitsschritte einteilen lassen und die Fortschritte häufig abfragen. 

Anhängliche Persönlichkeit Wer diesem Typus angehört dem ist es wichtig gemocht zu werden. Anhängliche Typen möchten gefallen und tun auch einiges dafür. Der Vorteil: Sie tragen zur guten Stimmung bei und bieten gerne eine helfende Hand an. Der Nachteil: In Führungspositionen sind sie leicht überfordert, weil sie dann Entscheidungen treffen müssen, die sie unbeliebt machen. Trotzdem sind sie eine echte Bereicherung für ein Team, weil sie den Zusammenhalt stärken. Werden sie allerdings zu anhänglich, kann es auch anstrengend werden. Anbiedern und zu große Gefälligkeit können dann aufkommen. 

Schizoide Persönlichkeit Einzelgänger sind häufig schizoide Persönlichkeitstypen. Es handelt sich dabei um Menschen, die eher zurückgezogen leben und die schlecht Bindungen aufbauen können. Sie sind nicht anti-sozial, aber sie fühlen sich in Gesellschaft nicht wirklich wohl. Entsprechend passen sie gut in den IT-Bereich oder andere technische Berufe, in denen man sie einfach machen lassen kann. 

Borderline Persönlichkeit Dieser Typus ist nicht einfach zu nehmen, obwohl er sehr unterhaltsam sein kann. Die Boderline-Persönlichkeit ist innerlich zerrissen. In einem Moment ist das Gegenüber großartig, im nächsten das Allerletzte. Dieser Typus hat nicht die Fähigkeit Ambivalenzen auszuhalten. Er kann negative Eigenschaften nicht anerkennen und gleichzeitig sagen: "Ich mag den anderen trotzdem". Aus diesem Grund rastet er schnell unvermittelt aus, wenn ihm etwas nicht passt. "Dieser Typus wirkt aber zugleich sehr faszinierend, weil er sehr lebhaft ist, oft sexuell verführerisch und wie ein intensiver Lebemensch wirkt." Wegen seiner impulsiven Art kann er allerdings ganze Teams sprengen. "Deshalb ist es sehr wichtig, diesem Typus scharfe Grenzen zu ziehen", sagt Hoffmann. 

(ham)
 
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