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Wie sich schon Azubis absichern können

Berufsunfähig zu werden, daran denkt beim Ausbildungsstart niemand. Dennoch tut Vorsorge Not. Von Monika Hillemacher

Während der Ausbildung ist das Einkommen in der Regel noch nicht besonders hoch. Handy, Computer, Auto, die erste kleine Wohnung - da ist die Ausbildungsvergütung schnell weg. Für Vorsorge bleibt meist nichts mehr übrig. Das gilt erst recht, wenn es um komplizierte Dinge wie schon(BU) geht. Mögliche Gründe dafür gibt es viele - Allergien, Unfall, Krankheit, psychischer Druck - und die Konsequenz ist gravierend: Schluss mit Ausbildung und eigenem Einkommen.

Trotzdem ist die private BU-Versicherung bei Auszubildenden unpopulär. "Jugendliche können sich schwer vorstellen, so schwer zu erkranken oder einen Unfall zu haben, dass sie berufsunfähig werden", erklärt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV). Der zweite Grund sind die Kosten. Verbraucherschützer halten die Versicherung dennoch für notwendig. Denn seit Abschaffung der staatlichen Berufsunfähigkeitsrente bietet sie die einzige Chance, bei Verlust der eigenen Arbeitskraft den Lebensunterhalt abzusichern.

Die Beiträge hängen wesentlich vom Ausbildungsberuf ab und schwanken erheblich. Ein 17-jähriger Büroazubi, Nichtraucher, Realschulabschluss, zahlt im günstigsten Fall pro Monat um die zwölf Euro. Angehende Krankenschwestern, Maler oder Dachdecker müssen mit 70 bis 80 Euro pro Monat deutlich mehr Geld investieren, um sich den Anspruch auf monatlich 1000 Euro BU-Rente zu sichern. "Das Risiko der Gesundheitsgefährdung ist bei Handwerksberufen am größten, ein Dachdecker wird zum Beispiel in die höchste Stufe vier eingruppiert", erläutert der Präsident des Bundesverbands der Versicherungsberater, Stefan Albers.

Die Assekuranzen plädieren für den frühen BU-Abschluss. "Je jünger und gesünder man beim Abschluss ist, desto günstiger ist der Versicherungsschutz", heißt es beim Gesamtverband der Versicherungswirtschaft. Umgekehrt bedeutet das: je älter, desto teurer. Wer bereits unter Gesundheitsstörungen leidet, muss mit Zuschlägen oder sogar Ablehnung rechnen. Eine über Versicherungsberater oder Versicherungsmakler gestellte anonyme Risikovoranfrage kann Aufschluss geben.

Um die Kosten am Anfang niedrig zu halten, sollten Azubis auf Einsteigertarife achten. Sie sind meist in den ersten fünf Jahren günstiger, danach steigt der Beitrag. Ähnlich funktionieren Sofortrabatte. Beide Varianten können über die gesamte Vertragslaufzeit gerechnet etwas teurer sein, helfen aber über die finanziell enge Zeit hinweg. Die Tarife bieten Albers zufolge von Anfang an vollen Versicherungsschutz. Eine weitere Sparoption ist die jährliche Zahlung.

Der Vertrag sollte bis zum Beginn der Altersrente laufen. Weil sich bis dahin vieles verändert, ist vor der Unterschrift ein Blick in die Zukunft sinnvoll. Was passiert bei Familiengründung, Karrieresprung, Job im Ausland oder bei Selbstständigkeit? Die sogenannte Nachversicherungsgarantie erlaubt es, den Schutz nach Ende der Ausbildung an das Gehalt und an die Wechselfälle des Lebens anzupassen - ohne gesundheitliche Nachprüfung. Die Klausel sollte von Anfang im Vertrag stehen.

Bei Azubis, die ins Beamtenverhältnis übernommen werden, sollte der Vertrag eine "Dienstunfähigkeitsklausel" enthalten, so der BdV. Im schlimmsten Fall könnte die Versicherung sonst die Zahlung verweigern mit dem Argument, dienstunfähig bedeute nicht berufsunfähig. Grundsätzlich wichtig ist der Verzicht auf die "abstrakte Verweisung". Ist das nicht der Fall, kann der Versicherungsnehmer im Ernstfall möglicherweise angehalten werden, einen anderen Beruf auszuüben. Das führt dazu, dass die Versicherung nicht zahlen muss. Deshalb sind Vertragskonditionen wichtig. Tabu sind für Azubis Abschlüsse gegen Erwerbsunfähigkeit. Sie scheinen billiger, springen aber nur ein, wenn jemand überhaupt keiner Beschäftigung mehr nachgehen kann, so der BdV.

Quelle: RP
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