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Viele Erfahrungen sammeln
Zeitarbeit kann die Karriere ankurbeln

Generation Praktikum und Leiharbeit: Zahlen aus 2008
Generation Praktikum und Leiharbeit: Zahlen aus 2008 FOTO: gms
Hofheim/Wiesbaden (RPO). Manchmal brauchen Firmen plötzlich ganz schnell Hilfe. Wenn beispielsweise Angestellte krank werden, in Elternzeit gehen oder das Unternehmen einen Großauftrag stemmen muss, greifen sie häufig auf Zeitarbeiter zurück. Und davon können beide Seiten profitieren.

"Ich erlebe in meiner Beratung oft, dass bei Arbeitssuchenden dubiose Ängste zum Thema Zeitarbeit herrschen", sagt Angelika Gulder, Karriereberaterin aus dem hessischen Hofheim. Dabei biete diese Beschäftigungsform durchaus Chancen: "Hier hat man die Möglichkeit, in kurzer Zeit viele Unternehmen kennenzulernen und sich auf dem Arbeitsmarkt zu orientieren", sagt die Diplom-Psychologin. So könne man ganz nebenbei herausfinden, welche Tätigkeiten einem liegen und welche Arbeitsplätze besonders attraktiv sind.

Von Vorteil sei außerdem, dass man durch den ständigen Kontakt zur Arbeitswelt am Ball bleibe und seine Chancen auf eine Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt erhöhe. "Zudem kommt es immer wieder vor, dass in einem Unternehmen während des Arbeitseinsatzes eine Stelle frei wird und der Zeitarbeiter übernommen wird", sagt Gulder.

Zeitarbeit eigne sich für Berufseinsteiger genauso wie für Leute, die ihren Job verloren haben, oder Mütter, die nach der Elternzeit einen Wiedereinstieg versuchen möchten. Auch Ute Bölke, Karriereberaterin aus Wiesbaden, empfiehlt Arbeitssuchenden, ihr Glück mit Zeitarbeit zu versuchen. "Leiharbeiter sind flexibel und daran gewöhnt, sich schnell in neue Sachverhalte einzuarbeiten - das macht sie zu interessanten Kandidaten für potenzielle Arbeitgeber", sagt sie.

Viele Zeitarbeitsagenturen schreiben Stellen aus, auf die man sich gezielt bewerben kann. Aber auch eine Initiativbewerbung hat durchaus Aussicht auf Erfolg. Ist man sich nicht sicher, ob man für den Vermittlungsbereich einer bestimmten Agentur überhaupt in Frage kommt, sollte man sich dort beraten lassen.

"Im Gespräch mit dem Vermittler kann man seine Kompetenzen darlegen und dann gemeinsam überlegen, ob ein Einsatz realistisch wäre", sagt Bölke. Manche Zeitarbeitsagenturen böten für ihre Angestellten auch E-Learning-Programme an, mit denen sie beispielsweise in gängigen Computeranwendungen weiterqualifiziert würden.

Unsicherheiten sollte man mit dem Berater bei der Agentur besprechen. "Es ist wichtig, dass man vorab deutlich kommuniziert, wenn man beispielsweise nur Teilzeit arbeiten kann", sagt Bölke. Wolle man in bestimmten Unternehmen nicht eingesetzt werden, könne man auch einen entsprechenden Sperrvermerk in seiner Akte eintragen lassen.

Stimmen alle Vorzeichen und hat die Agentur ein passendes Angebot auf Lager, wird der Arbeitnehmer direkt bei der Zeitarbeitsfirma angestellt. "Man erhält einen ganz normalen Arbeitsvertrag, den man wie jeden Vertrag gründlich lesen und prüfen sollte, bevor man ihn unterschreibt", sagt Gulder (siehe Infokasten). Darin werde beispielsweise vereinbart, was für eine Tätigkeit der Arbeitnehmer ausführen wird, in welchem Umkreis vom Wohnort er eingesetzt wird und welchen Lohn er erhält.

Die meisten Zeitarbeitsfirmen orientierten sich heutzutage bei der Bezahlung ihrer Mitarbeiter an Tarifverträgen. "Die Höhe der Vergütung richtet sich nach der bei Vertragsabschluss vereinbarten Qualifikationsstufe des Arbeitnehmers. Diese Einstufung entspricht allerdings nicht immer dem tatsächlich vorhandenen Qualifikationsniveau eines Bewerbers. Man sollte daher genau darauf achten, wie man von der Agentur eingestuft wird", rät Gulder.

Verdienst meist niedriger

Der Verdienst eines Zeitarbeiters liegt dabei trotzdem oft niedriger als die Löhne seiner Kollegen in der Entleiherfirma. "Das liegt daran, dass die Zeitarbeitsagentur einen Teil des Honorars einbehält, um ihre Kosten für die Arbeitnehmerüberlassung zu decken. Der Rest wird an den Arbeitnehmer ausgezahlt", erklärt Bölke.

"Wenn man arbeitssuchend ist, ist Zeitarbeit für eine gewisse Zeit eine gute Zwischenlösung", findet Angelika Gulder. Sie empfiehlt, während der verschiedenen Arbeitseinsätze alle Möglichkeiten zur Weiterqualifikation in den Betrieben zu nutzen und sich zu gegebener Zeit auch als Bewerber für freie Stellen ins Gespräch zu bringen. "Wichtig ist allerdings, dass man sich parallel zur Beschäftigung als Zeitarbeiter auch weiter nach anderen Stellen umschaut. Denn schließlich gibt es keine Garantie dafür, dass man über ein Zeitarbeitsengagement einen festen Job bekommt", sagt Gulder.

(DDP)
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