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Sprechstunde
ADHS im Seniorenheim

Diese Aufmerksamkeitsstörung betrifft nicht nur Kinder. Auch Ältere können darunter leiden. Bei Medikamenten muss man vorsichtig sein.

Unsere Leserin Iris R. aus Krefeld fragt: "Ich habe viel über ADHS gelesen. Ich glaube, mein Vater leidet darunter. Er ist alt und liegt im Heim. Kann man ihm noch helfen? Und kann er überhaupt ADHS haben?

Jürgen Vieten ADHS bedeutet Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätssyndrom. Das ist eine Krankheit, die sich überwiegend im Vorderhirn abspielt. Es gibt Störungen im Haushalt der Botenstoffe Serotonin und Dopamin. Die Menschen können von klein an ihre Aufmerksamkeit nicht länger dorthin richten, wohin sie wollen, ähnlich einem Scheinwerfer, den man nicht dahinhalten kann, wo man Licht haben möchte. Gleichzeitig können sie nicht lange ruhig sitzen ("Zappelphilipp"), haben immer etwas in den Händen, fallen anderen Leuten ins Wort, sind impulsiv und Störenfriede in der Schule.

Im Erwachsenenalter treffen sie dann selbst wichtigste Entscheidungen (etwa Arbeitsplatzwechsel), ohne lange zu überlegen. Geraten sie unter Druck und Stress, fühlen sie sich schnell überfordert. Sie haben auch oft Schwierigkeiten im Straßenverkehr. Es gelingt ihnen kaum, sich zu organisieren, ihr Zimmer in Ordnung zu halten, Termine zu koordinieren. Da ihnen vieles daneben geht, sind sie ihren Fähigkeiten gegenüber negativ eingestellt und haben weniger Selbstbewusstsein; sie denken: "Das misslingt mir sowieso!"

Sie entwickeln häufig Depressionen, Angst- und Suchterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen. In den Gefängnissen schätzt man die Zahl auf gut 30 Prozent der Insassen. Betroffen sind etwa fünf bis sechs Prozent der Kinder, aber gut drei Prozent der Erwachsenen, da die Krankheit sich nach der Pubertät teilweise oder ganz zurückziehen kann.

Eine Behandlung mit den Medikamenten Methylphenidat (bekannt unter dem Namen Ritalin) oder Atomoxitin, manchmal auch mit einzelnen Antidepressiva ist oft erfolgreich. Zusätzliche Verbesserungen erzielt man durch spezielle Verhaltenstherapie (etwa derjenigen nach Steven Safren).

Da man früher wenig über ADHS wusste, sind viele ältere Menschen krank, ohne dass sie es wissen. Zu diesen gesellen sich jetzt auch behandelte Patienten, die an die Heime neue Anforderungen stellen werden. Über diese Thematik gibt es noch wenig Informationen. Es ist wichtig, dass die Pflegekräfte und die in den Heimen arbeitenden Ärzte für diese Aufgabe sensibilisiert werden. Setzt man beispielsweise Methylphenidat erstmals bei älteren Menschen ein, muss man noch intensiver auf Nebenwirkungen achten (beispielsweise Herzprobleme). Eine Selbsttherapie ist also ausgeschlossen, weil sie gefährlich werden kann.

Quelle: RP
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