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Achtung in der Erkältungszeit
Diese Bakterien haften auf Ihrem Handy

Laborbilder: So verkeimt sind Handyoberflächen
Laborbilder: So verkeimt sind Handyoberflächen FOTO: University of Surrey
Marburg. Erst Nase putzen, dann schnell die Nachricht auf dem Handy weitertippen - so oder so ähnlich wird das Handy schnell zur fiesen Keimschleuder. Nur jeder Vierte reinigt es regelmäßig. Neben dem sichtbaren Schleier tummelt sich ein dichter Bakterienfilm auf dem Display. Aber ist der nur ekelig oder wirklich gesundheitsschädlich? Von Tanja Walter

Von der Chipstüte wandern die Finger in den Mund und dann aufs Display. Fett und Schmier landen auf dem Handydisplay, wenn wir darauf herumwischen und tippen. Und damit weit mehr Bakterien, als uns lieb sind. "Manche Handys sind kontaminiert mit Pilzen und Schimmelpilzen, andere mit Durchfallerregern und Grippeviren", sagt Professor Reinier Mutters, Mikrobiologe des Universitätsklinikums Marburg. Sie wandern von Rolltreppen, Einkaufswagen, Pfandflaschenautomaten oder Türklinken über die Finger auf den Touchscreen.

Kratzer sind mehr als ein Schönheitsmangel

Besonders leicht haben es die Erreger, wenn die Touchscreen-Oberflächen kleine Kratzer oder Unebenheiten aufweisen. Sie reichen Keimen, Pilzen und Bakterien als Versteck und Nährboden und halten sich nach Informationen des TÜV Rheinland bei Raumtemperatur mehrere Tage, Sporen von Pilzen sogar mehrere Monate. "Gesunden Menschen bereiten die Keime normalerweise keine Probleme. Erhöhte Infektionsgefahr besteht aber für Menschen mit schwachem Immunsystem oder bei Erkältungswellen", sagt Dr. Wiete Schramm, Ärztin bei TÜV Rheinland.

Manchmal leben darum auf einem Handy-Display mehr Keime als auf einer Toilettentüre. Welche genau, das haben Studenten der Universität Surrey in Großbritannien unter die Lupe genommen. Sie machten in Petrischalen sichtbar, wie bewegt das Leben auf einer solch glatten Oberfläche bereits nach nur drei Tagen ist.

Aus dem Nasenloch direkt aufs Display

Im Schnitt waren die Bakterien, die sie fanden zwar harmlos, doch für einen heftigen Ekelanfall reichten die Bilder dennoch aus. "Jedes Telefon erzählt eine Geschichte. Die ökologische Nische des Körpers für das Bakterium Staphylococcus aureus sind zum Beispiel die Nasenlöcher", sagt Dr. Simon Park, Molekularbiologe der Universität Surrey. Ein flüchtiger Griff ans Riechorgan reicht aus, um ihn beim Tippen anschließend auf das Smartphone zu übertragen. Er kann eitrige Furunkeln aus der Haut sprießen lassen. Neben solchen Erregern machten die Forscher auch Bodenbakterien wie den Bacillus mycoides sichtbar.

Hier lauern mehr Keime als auf dem Klo

Andere Untersuchungen brachten Rachenkeime wie Streptokokken ans Licht. Etwa 20 Prozent der Menschen tragen diesen Erreger spazieren, ohne selbst von ihm krank zu werden. Macht das Immunsystem jedoch schlapp, kann sich der Erreger ausbreiten und Erkrankungen wie Mandelentzündung, Harnwegsinfekte, Wundrose oder eine Blutvergiftung verursachen. "Diese Erreger werden meist durch Berührung des Mundes oder der Wangen später auf das Display übertragen", sagt der Marburger Mikrobiologe Reinier Mutters. Er selbst fand bei Untersuchungen zwischen zehn und 500 Keime auf Handy-Oberflächen.

Gefährliche Keime auf Klinikhandys

"Wie stark ein Gerät kontaminiert ist, hängt außerdem davon ab, vom wem es wo und wie genutzt wird", erklärt er. Dabei ist das unerwünschte Eigenleben auf der Handyoberfläche maßgeblich in erster Linie eine Frage der Handhygiene. "Manche Geräte sind extrem kontaminiert. Vor allem solche, die in Krankenhäusern genutzt werden, aber auch die privaten Handys von Ärzten", sagt der Hygieneexperte. Was auf klinisch genutzten Mobilgeräten kreucht und fleucht, ist in zahlreichen Studien untersucht. Neben harmlosen Erregern wie verschiedenen Bazillus-Arten wurde vermehrt Staphylococcus aureus und Pseudomonas-Erreger gefunden, die besonders bei immungeschwächten Menschen Lungenentzündungen oder Wundinfektionen verursachen können.

Daneben spürten Forscher der Alexandria University in Ägypten bei einer Studie im Jahr 2015 vermehrt MRSA-Keime auf, also Methicillin-resistente Staphylokokken-Erreger. Sie kamen aufgrund der Ergebnisse zu folgendem Fazit: "Die Verwendung von Mobiltelefonen in Krankenhäusern stellt ein Risiko für die Übertragung einer Vielzahl bakterieller Erreger, einschließlich multiresistenter Keime dar."

Auch eine Untersuchung aus dem Jahr 2009 kommt zu dem Ergebnis, dass Handys von Ärzten und Pflegern Brutstätten für diverse Bakterien sein können. Auf den untersuchten Geräten fand man neben Erregern harmloser Hautirritationen auch solche, die tödliche Erkrankungen auslösen können. Auf jedem achten Gerät fanden die Wissenschaftler Keime, denen nicht einmal Antibiotika als schärfste medikamentöse Waffe etwas anhaben können. 

Jeder Achte reinigt das Smartphone nie

Die meisten juckt das wenig. Eine Umfrage des Branchenverbandes BITKOM aus dem Jahr 2013 ergab, dass jeder Achte sein Mobilfunkgerät nie reinigt und knapp die Hälfte der Mobilnutzer es lediglich "gelegentlich und flüchtig" per Abwischen an der Kleidung erledigt. Wenn auch das Risiko schwerer Infektionen über ein normales Gebrauchshandy laut Reiniers Mutters überschaubar ist, mag das drastische Umfrageergebnis dennoch einen Ekelanfall auslösen.

Darum raten Hygieneexperten neben dem gewissenhaften Händewaschen zu einer regelmäßigen Reinigung der Handy-Oberfläche. "Mit normalen Brillenputztüchern oder feuchten Mikrofasertüchern lassen sich die glatten Oberflächen gut reinigen", sagt Mutters. Bei Geräten, die in Risikobereichen wie Krankenhäusern und Kliniken genutzt werden, rät er zur Desinfektion. Auch, wenn das Schlieren auf dem Display verursachen kann.

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