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Zahl der Spender sinkend
Deutschland hinkt bei Organspende deutlich hinterher

Deutschland hinkt 2016 bei Organspenden hinterher
Europaweit sind mehr Menschen als in Deutschland bereit, nach ihrem Tod Organe zu spenden. FOTO: dpa
Frankfurt. Die Zahl der Organspender und der gespendeten Organe sind im 2016 erneut um rund drei Prozent zurückggegangen, sagte der Medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Axel Rahmel.

Er bezog sich auf die Statistik von Januar bis Oktober. Die Zahl der Organspender war zwischen 2010 und 2013 um ein Drittel auf einen Tiefststand zurückgegangen und bleibt seitdem auf niedrigem Niveau. 2015 spendeten 877 Bundesbürger ihre Organe. Insgesamt kamen damit in der Bundesrepublik 10,8 Spender auf eine Million Einwohner.

EU-Schnitt fast doppelt so hoch

Der Durchschnitt in der Europäischen Union (EU) liegt bei 19,5 Spendern, in den USA bei 25. Spitzenreiter ist seit Jahren Spanien, das im vergangenen Jahr auf eine Rekordquote von 39,7 Spendern kam. Die Anzahl der gespendeten Organe in der Bundesrepublik lag 2015 bei 2.900 Organen.

So läuft eine Organspende ab. FOTO: dpa

Als Gründe für das Spendertief nannte Rahmel nicht nur das durch Skandale gesunkene Vertrauen in die Transplantationsmedizin. Umfragen zeigten vielmehr, dass die theoretische Bereitschaft zur Organspende wachse. Verantwortlich seien auch die Strukturen in vielen deutschen Krankenhäusern, die der Organspende nicht förderlich seien. So gebe es zwar mittlerweile mehr als 1.600 Transplantationsbeauftragte in den 1.300 potenziellen Entnahmekliniken. Sie seien aber teilweise für diese Aufgaben nicht freigestellt und müssten ihre Fortbildungen aus eigener Tasche bezahlen. Zudem führe der hohe wirtschaftliche und personelle Druck dazu, dass die Kliniken das schwierige Thema Organspende vernachlässigten.

Patienten verhindern indirekt Organspende

Rahmel bezeichnete auch die wachsende Zahl von Patientenverfügungen als Herausforderung für die Organspende. So legten viele Bürger in ihren Verfügungen fest, dass sie im Fall schwerster Erkrankungen keine intensivmedizinische Behandlung wollten. Damit schlössen sie aber indirekt eine Organspende aus - und das, obwohl sie sich möglicherweise zugleich per Organspendeausweis zur Spende bereit erklärt hätten.

(bur/KNA)
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