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Diät-Serie: Teil 14
Abnehmen mit dem Psychologen

Hintergrund: Diese Tricks helfen der Psyche beim Abnehmen
Hintergrund: Diese Tricks helfen der Psyche beim Abnehmen
Düsseldorf. Mit dem Psychologen abnehmen, das klingt bekloppt. Fern ab jeder Diät können jedoch mit Hilfe der Psychotherapie die Pfunde zum Purzeln gebracht werden. Wie das funktioniert, erfahren Sie hier. Von Tanja Walter

Zum Psychologen gehen Depressive oder Angstpatienten, so ein gängiges Vorurteil. Doch auch beim Abnehmen sitzen neben Ernährungswissenschaftlern, Sportmedizinern und Bewegungstherapeuten oft Psychologen mit am Tisch. Das gilt für schwer Übergewichtige in jedem Fall. Denn sie schaffen es aus eigener Kraft kaum, ihrer Kilos wieder Herr zu werden. Es kann aber auch den Menschen helfen, die nur einige Pfunde zu viel mit sich herumtragen.

Der Grund dafür liegt auf der Hand. Essen tun die meisten nicht nur weil sie Hunger haben. Essen ist verknüpft mit Emotionen, Gewohnheiten, Traditionen und Stimmungen. Törtchen mampfen oder Käseecken schlemmen, befriedigt nicht nur das körperliche Bedürfnis der Nahrungsaufnahme, sondern kompensiert bei manchen das Alleinsein, bei anderen den Stress und beim nächsten den Appetit. Es repräsentiert eine kleine Ecke Schwäche im Menschen, obwohl dieser durchaus willensstark, erfolgreich und zielstrebig sein kann.

Abnehmen, aber richtig - Wichtige Kontakte in Düsseldorf FOTO: DAK

Wie man die Psyche auf seine Seite bringt

Der Übergewichtige ist Opfer seines Essverhaltens und wird später zum Opfer seiner Hormonproduktion. Denn wenn das Hormon Leptin beim Normalgewichtigen längst an den Hypothalamus im Hirn meldet, dass die Fettzellen gefüllt und er satt ist, passiert beim Übergewichtigen erst mal nichts. Er reagiert nämlich unempfindlicher auf das Leptin.

Aus dieser Falle zu entkommen ist alles andere als einfach und bedarf einer neuen Naturgewalt: der Psyche. Halbherzig absolvierte Diätprogramme bewirken nach dem Abbruch der Gewichtsreduktion meist den gefürchteten Jojo-Effekt. Damit das nicht passiert, bedarf es eines gewaltigen Umbruchs. "Es nutzt nicht, sich eine Diät aufzuerlegen", sagt Dr. Andreas Šoljan, Psychologe und Vorstandsmitglied des Deutschen Psychotherapeutenverbands Nordrhein. "Es muss eine Ernährungsumstellung her, Sport und man muss sich körperlich wie psychisch wohl fühlen", sagt er aus Erfahrung. Denn Šoljan versucht im Patientenschulungsprogramm "AdiPosiFit" auf diese Weise über die Verhaltenstherapie als einen von mehreren Bausteinen stark übergewichtigen Menschen zu helfen. Funktionieren tut das allerdings auch bei normal Übergewichtigen.

In der Psychotherapie geht es zum Beispiel darum, wie man mit Stress umgeht, denn das ist einer vieler Störfaktoren, die für Abnehmwillige das Projekt "Gewichtsreduktion" ins Wanken bringen können. Šoljan gibt dazu ein Beispiel, das viele kennen: "Wenn ich vor dem Fernseher sitze, dann scheine ich kognitiv zu entspannen. In Wirklichkeit mache ich allerdings etwas, was mich gar nicht entspannt." Was für den modernen Menschen zur Falle wird, ist ein Mechanismus, der unseren Vorfahren in der Steinzeit das Leben gerettet hat: Beim Anblick des Säbelzahntigers schüttete der Körper Stresshormone aus, die den Steinzeitmenschen in die Lage versetzte von jetzt auf gleich alle Kräfte zu mobilisieren und um sein Leben zu laufen. Der moderne Mensch aber liegt indessen auf der Couch herum und wird so seinen Adrenalinüberschuss , den Arbeitsstress hervorgerufen hat, nicht los.

Essen statt Laufen – ein falsches Signal

Zu diesem Fehlverhalten gesellt sich dann das nächste. Statt mit Bewegung für einen körperlichen Ausgleich zu sorgen, greift er in die Naschschublade und gönnt sich noch einen leckeren Schokoriegel, als Belohnung für die harte Arbeit. Das Problem potenziert sich dadurch und es gibt dem Körper ein irriges Signal. Der Evolution nach wäre Laufen die richtige Reaktion, aber der Mensch isst stattdessen. So bringt er sich bei, in Momenten des Stresses, der Anspannung, der Trauer oder Ohnmacht mit Essen zu reagieren.

Jetzt wird deutlich, dass das, was auf den ersten Blick nicht viel mit dem Abnehmen zu tun hatte, doch sehr eng damit verknüpft ist. Es ist ein Baustein in einem Mosaik falscher Verhaltensweisen. "Wir müssen achtsamer mit uns umgehen und mehr bei uns selber bleiben", fasst Šoljan zusammen. Durch die falschen Verhaltensweisen sorgen manche dafür, dass ihr Stresslevel immer höher wird und Essen zu einem starken Mechanismus mit Suchtcharakter.

Mit der Lupe Richtung Abnehmen unterwegs

In der Psychotherapie kann man lernen, solche Schwachstellen in seinem eigenen Leben aufzuspüren. "Statt einsam zu sein und zu essen, könnte man sich verabreden und miteinander sprechen. Das wäre die angemessene Reaktion, mit der das Grundproblem zu lösen wäre", sagt der Düsseldorfer Psychotherapeut. Statt sich selbst vermeintlich durch Essattacken zu belohnen, könnte man zu einem schönen Buch greifen und sich auf diese Weise etwas Gutes tun. Denn oft essen wir aus Gewohnheit oder Geselligkeit, weil es gut schmeckt oder wir uns trösten wollen. Solche Automatismen will die Psychotherapie aufspüren und in richtige Bahnen lenken.

"In der Therapie lernen die Menschen den Mut zu haben, das zu verspüren, was sie wirklich möchten um so glücklicher zu sein", so der Düsseldorfer Psychotherapeut. Wegweisend kommt eine portugiesische Studie daher, die ein Jahr lang rund 240 Frauen begleitete. Die Hälfte von ihnen erhielt Informationen über gesunde Ernährung, Stress-Management und den Hinweis auf ihren Körper zu achten. Die andere Gruppe wurde tiefergehend psychologisch betreut und beschäftigte sich intensiv mit ihrem Selbstbild. Die Probandinnen lernten Entspannungsübungen und machten Erfahrungen zur Selbstwahrnehmung. Ein Jahr später zeigten sich in dieser Gruppe deutliche Fortschritte. Die Frauen hatten durchschnittlich rund sieben Prozent abgenommen, sie konnten sich beim Essen besser selber beherrschen und konnten ihren Körper besser beurteilen.

Was für adipöse Menschen im Gesamtkonzept "AdiPsoiFit" zur Verfügung steht, müssen sich Abnehmwillige mit einem BMI unterhalb von 40 allerdings selbst zusammenstellen. "Die Verhaltenstherapie kann dann ein Baustein eines persönlichen Coachings sein", sagt Andreas Šoljan. Durch sie lernt der Betroffene wieder Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten zu haben, etwas verändern zu können. Gelingt das, verschafft ihm das ein gutes Gefühl, das sogar Euphorie auslösen kann. In Verbindung mit richtiger Ernährung und Sport ist genau dies das Gesamtpaket, das die Kilos zum Purzeln bringen kann.

(wat)
 
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