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Neuer Diättrend
Pegan-Diät – Wenn Fleischfresser auf Pflanzenliebhaber trifft

Pegan-Diät – Wenn Paleo auf vegan
Der neue Pegan-Trend will die Vorteile veganer Ernährung mit Paleo vereinen. FOTO: Shutterstock/Lightspring
Düsseldorf . Fleisch-verliebte Paleo-Anhänger und vollkommen tierfrei lebende Veganer gemeinsam an einen Tisch zu bringen – ein aussichtloses Unterfangen. Nicht aber, folgt man dem neuesten Ernährungstrend "pegan", der beide Ernährungsformen miteinander mischt. Wie sich das vertragen soll, lesen Sie hier. Von Tanja Walter

Gegensätzlicher kann eine Ernährung nicht sein: Die einen sehen in Fleisch einen grundlegenden Hauptbestandteil ihrer Ernährung und die anderen verzichten nicht nur auf Steak und Co, sondern selbst auf Eier und Honig als weitere tierische Produkte. Kaum vorstellbar ist es, diese beiden grundsätzlich gegeneinander laufenden Ernährungsformen zusammenzubringen. Der amerikanische Erfinder der neuen Pegan-Welle, Dr. Mark Hyman aber hat das getan. Er legte beide Ernährungsstile wie Abziehbildchen übereinander und mischte das, was sie an Vorzügen zu bieten haben zu einer neuen Ernährungsweise: der Pegan-Diät.

So funktioniert die Paleo-Diät

Bei ihr stehen möglichst unbehandelte und natürlich Nahrungsmittel im Vordergrund. Während das sicherlich auch jeder Veganer noch unterschreiben kann, wird die zweite Kernbotschaft ihm womöglich auf den Magen schlagen: Fleisch ist in Maßen erlaubt, um Mangelerscheinungen vorzubeugen. Ein weiterer Vorteil, den die amerikanischen Diät-Erfinder sehen: Paleo-Anhänger verpassen ihre tägliche Portion Körner nicht und Veganer kommen zu einer ausreichenden Menge an Proteinen.

Wer das isst, der kombiniere die gesündesten Eigenschaften zweier populärer Ernährungsideen. Die positiven Folgen sollen auf der Waage sichtbar werden. Neben der Gewichtsreduktion sinkt der Cholesterinspiegel und die Herzgesundheit verbessere sich.

Das funktioniert über gemeinsame Schnittmengen. Beide Ernährungsformen, die vegane ebenso wie Paleo konzentrieren sich hauptsächlich auf Obst und Gemüse. Denn sie sind prall voll mit Vitaminen und Mineralstoffen, die unser Körper braucht, um gesund zu bleiben. Aus diesem Grund machen pflanzliche Nahrungsmittel bei der Pegan-Diät 75 Prozent der insgesamt aufgenommenen Nahrung aus. Ergänzt wird das durch rund 25 Prozent tierischem Eiweiß und hochwertigen Fetten.

So viel Paleo ist drin

Fleisch liefert Eiweiß, so wissen es die Paleo-Anhänger. Aus diesem Grund kommt den Peganern genau das auch in den Topf. Allerdings nur solches, mit dem Label "organic". Wenn schon Fleisch, dann bitte nur von Kühen, die ausschließlich Gras gefressen haben und die ohne Antibiotika-Gaben durchs Leben gegangen sind. Findet das Beachtung, dürfen Huhn, Rindfleisch, Fisch und Eier auf den Tisch und machen in Summe 25 Prozent der täglichen Nahrungsmenge aus.

So lecker kann vegane Küche sein FOTO: Attila Hildmann/Vegan for fit

Fett – aber richtig

Fett und Fett sind nicht dasselbe. Wer sich also gesund ernähren möchte, der berücksichtigt das schon lange und meidet industriell hergestellte Fette, die gehärtet sind ebenso wie raffinierte Öle und Fette, die mehrfach ungesättigte Fettsäuren enthalten. Butter also kommt zum Beispiel nicht aufs Brot weil sie den Cholesterinspiegel in die Höhe treibt und das das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Gefäßverkalkung fördern kann.

Fette hingegen, die einfach ungesättigte Fettsäuren besitzen, können sich positiv auf den Cholesterinspiegel auswirken. Sie stecken zum Beispiel in Oliven, Nüssen, Kokosnüssen oder Avocados. Paleo-Anhänger greifen nur zu diesen Fetten. Ihr Nachteil liegt in der hohen Energiedichte, die sie besitzen. Eine Hand voll Nüsse ist gesund, mehr aber schlägt sich auf den Hüften nieder. Auch in der veganen Ernährung spielen diese Öle die Hauptrolle. Aus diesem Grund findet man sie als Schnittmenge in der Pegan-Diät. Einzige Ausnahme: Erdnüsse.

Der Gewinner unter den Fetten sind die, die mehrfach ungesättigte Fettsäuren enthalten. Denn sie kann der menschliche Körper nicht selbst herstellen, sind aber für viele Stoffwechselabläufe wichtig und stecken in fettem Fisch, wie Lachs oder Hering und in einigen pflanzlichen Ölen. Der Gedanke an fetten Fisch, dürfte einem Veganer ganz gründlich den Appetit verderben. In die Pegan-Ernährung gehört er dennoch aus diesem Grund hinein.

Hülsenfrüchte – die pflanzlichen Proteinlieferanten

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Ein Nährstoff-Kraftwerk und eine gute Quelle für fleischloses Protein liegt hingegen in Hülsenfrüchten wie kleinen Bohnen, Linsen und Co. SIe sind darum in kleiner Portion erlaubt. Soja-Lebensmittel hingegen punkten in der hippen, neuen Ernährungsform nicht. Der Grund: Sie sind oft genmanipuliert und können eine hormonelle Wirkung entfalten, die ähnlich dem des weiblichen Geschlechtshormons Östrogens sind.

Hoch im Kurs liegen jedoch beim Veganer Getreide, die viel Vitamin B enthalten. Der pegane Trend setzt jedoch ausschließlich auf glutenfrei . Amarant, Buchweizen oder Hirse sind erlaubt, ebenso wie auch Quinoa. Auf die Frühstücksstulle, müssen Peganer also ebenso verzichten wie Paleo-Freunde. Statt dessen steht schon morgens ein gesunder Salat vor ihnen oder alternativ ein Chai-Pudding aus Nussmilch mit Mandeln und Beeren.

Zucker auf der Streichliste

Auf die Streichliste der Peganer gehört raffinierter Zucker. Er sollte äußerst sparsam verwendet werden, weil er Fettleibigkeit und anderer Erkrankungen triggert. Wer auf Süßes trotzdem nicht verzichten möchte, der findet im Netz Anleitung zu süßen Schlemmereien wie veganem Paleo-Millionaires Shortbread. Es kommt ganz ohne Weizen aus – ist also für Zöliakie-Kranke geeignet und verzichtet vollkommen auf raffinierten Zucker. Der schlanken Linie dürfte es dennoch nicht zuträglich sein, denn es steckt jede Menge Ahornsirup darin und auch der fällt ernährungsphysiologisch unter die Zuckerarten.

Milch hat weder im veganen, noch in der Ernährung nach Paleoprinzipien keinen Platz und findet darum auch bei der peganen Ernährung keinen Platz.

Manche Ernährungsexperten sehen in dieser neuen Diät nicht mehr als einen modifizierten Paleo-Speiseplan. Andere hingegen schwören auf die Vorteile, die von dieser Ernährungsweise ausgehen sollen. So sinke der Cholesterinspiegel und das Risiko an Diabetes zu erkranken. Ganz nebenher sollen die Pfunde purzeln, weil rund 40 Prozent der aufgenommenen Kalorien aus Eiweiß stamme und das der Muskelmasse hilft, überschüssige Kalorien und Fett zu verbrennen.

Kritiker hat der neue Pegan-Trend allerdings jetzt schon viele. Eigentlich stecke nichts weiter dahinter als bereits bekannte gesunde Ernährungsüberzeugungen der letzten Jahre, die nun mit einem neuen Namen versehen neue Anhänger anlocken sollen.

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