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Diät-Serie: Teil 10
Was Diät-Pulver wirklich taugen

Diät: Was Diät-Pulver wirklich taugen
Diät-Pulver gibt es viele, der Geschmack variiert von Schoko bis Erdbeere. Sie sollen helfen, schnell und einfach abzunehmen. Doch stimmt das auch? FOTO: shutterstock/ Deymos Photo
Düsseldorf. Anrühren, trinken, abnehmen. Das Prinzip der so genannten Formula-Diäten scheint einfach zu sein. Kein aufwändiges Abwiegen von Zutaten, keine langes Kochen, Abnehmen ohne Hungergefühl – das alles hört sich prima an. Doch halten die Trinkdiäten, was sie versprechen? Von Tanja Walter

Das Glück rieselt aus einer Dose: Dezent gefärbtes Pulver wird mit Wasser oder Milch angerührt zu einem Diätdrink, einer Suppe oder Creme. Es soll für die Zeit der Diät eine oder gleich mehrere Mahlzeiten täglich ersetzen. Bis zu vier Mal wird gemixt, gerührt und geschüttelt. So kommen pro Drink zwischen 200 und 400 Kilokalorien ins Glas. Am Tag dürfen es nicht mehr als 800 bis 1.200 Kilokalorien sein, die mit dieser Diätform im Magen landen. Das schreibt der Gesetzgeber so vor, ebenso wie den Anteil an Kohlehydraten, Fett und Proteinen.

Gesetzgeber will Todesfällen vorbeugen

Diese Vorsorgemaßnahme greift, weil eine Unterversorgung mit Eiweißen schlimmste Folgen haben kann. In den 70er Jahren führten Nulldiäten zu einigen Todesfällen. Bekommt der Organismus nämlich nicht genügend Proteine, deckt er seinen Bedarf daran aus der Muskelmasse und den Organen. Damit eine Unterversorgung weiterhin ausgeschlossen ist, müssen in Formula-Drinks vorgeschriebene Mindestmengen an Vitaminen, Eisen und Calcium enthalten sein.

Die Gefahren von Pulver-Diäten

"Zu einer Mangelernährung kann es also nicht kommen, vorausgesetzt, man hält sich genau an die Rezeptangaben, die der Hersteller auf die Packung schreibt", sagt Angela Clausen, Ernährungswissenschaftlerin bei der Verbraucherzentrale NRW. Problematisch könne es bei Produkten werden, die über den Direktvertrieb an die Abnehmwilligen kommen. "Gehört haben wir schon von Tipps, die Nahrungseinheiten nicht mit Milch, sondern andern Flüssigkeiten anzurühren", fährt sie fort. Wer sich darauf einlässt, riskiert in eine Mangelernährung zu rutschen.

Schneller Erfolg beim Abnehmen

Ursprünglich entwickelt wurde die Pulverdiät für stark übergewichtige Menschen mit einem Body-Mass-Index von über 30. Über die Anwendung in Kliniken oder Ernährungsberatungsstellen eroberte sie den breiten Abnehm-Markt. Vornehmlich Apotheken, aber auch Supermärkte füllen ihre Regale mit den großen Wunderdosen, die das Portemonnaie mit zwölf bis 18 Euro allerdings deutlich mehr belasten als ein Einkaufswagen voller Salat, Gemüse und Obst.

Wer zu auf eine Formula-Diät setzt, der kann bis zu drei Wochen die Küche kalt lassen und aus dem Schüttelbecher leben. Möglich ist aber auch, nur einzelne Mahlzeiten durch das Getränk zu ersetzen und die andern in gewohnter Form zu sich zu nehmen. Bei richtiger Anwendung sollen pro Woche zwei bis fünf Kilos von den Hüften schmelzen, verspricht die Werbung. Ganz falsch ist das nicht, weiß Angela Clausen: "Mit Formula-Diäten nimmt man in den ersten Tagen sehr schnell ab. Das ist ein Anfangseffekt, den die Hersteller wünschen. Denn so fühlen sich viele motiviert, später erneut zu dem Produkt zu greifen. Wenn dann später die Pfunde nicht mehr so einfach purzeln, schreiben viele Diätwillige sich das selber zu."

Das kritisieren Ernährungsexperten

Fachleute halten den alleinigen Einsatz von Formula-Produkten zur Gewichtsreduktion für wenig sinnvoll. "Es fehlt meist das generelle Verhaltensänderungskonzept, auch wenn die Hersteller zunehmend auf Internetseiten auch weiterführende Ernährungstipps anbieten", sagt die Verbraucherschützerin. Eine Diät sollte immer in ein Gesamtkonzept aus Ernährungsumstellung, ausreichend Bewegung, Schlaf und Entspannung eingebettet sein. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung sieht das Abnehmprogramm per Pulver aus diesen Gründen kritisch. Eine vollwertige Ernährung erlernten die Diätwilligen damit nicht. Damit kann es im Anschluss an die Gewichtsreduktion dann zum genau gegenteiligen Effekt kommen. Da der Körper sich an die niedrige Kalorienzufuhr gewöhnt hat, fährt er den Stoffwechsel herunter. Greifen die Erschlankten nun wieder normal zu, rächt sich das mit dem gefürchteten Jojo-Effekt.

Kritiker sehen während der Abnehmphase zudem das Risiko für Heißhungerattacken. Zwar sorgt der starke Eiweißgehalt der Pulverkur dafür, dass eigentlich kein Hungergefühl entsteht, doch kann nach Auffassung von Ernährungswissenschaftlerin Clausen die eintönige Art der Mahlzeiten zu Heißhungerattacken führen. Nach mehrwöchigem Breifasten könne da die Lust darauf, endlich wieder mal was richtig zu beißen unglaublich groß werden.

Verstopfung und Allergiegefahr

Ein weiteres Problem, das nach Erfahrung von Ernährungsexperten dazu kommen kann: Die Drinks enthalten nur relativ wenig Ballaststoffe. "Bei einer Menge von nur zehn Gramm am Tag kann es leicht zu Verstopfungen kommen, wenn man nicht genug dazu trinkt", sagt Clausen. Sie rät außerdem vor allem Allergikern dazu, vorab einen genauen Blick auf die Inhaltsstoffe zu werfen. Es könnten Farb –oder Verdickungsmittel oder Zusatzstoffe enthalten sein, die nicht jeder verträgt. Gleich verhält es sich bei möglichen Reaktionen auf enthaltene Eiweißstoffe, die aus Milch oder Sojaprodukten sein können.

Geeignet erscheinen die Diätdrinks jedoch für adipöse Menschen, die aufgrund einer Operation möglichst schnell Gewicht verlieren müssen. Auch für Menschen, die zu Beginn einer Ernährungsumstellung eine schnelle Gewichtsabnahme als Motivationsfaktor brauchen, könne aber eine Formula-Diät sinnvoll sein.

>> Die Gefahren von Pulver-Diäten im Überblick

(wat)
 
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