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Ernährung
Wie man Milch von glücklichen Kühen kauft

Zehn ungewöhnliche Fakten zu Milch
Zehn ungewöhnliche Fakten zu Milch FOTO: dpa, Sebastian Kahnert
Düsseldorf. Biomilch, Weidemilch, Heumilch - Molkereien und Supermärkte lassen sich immer neue Sorten einfallen. Doch Verbraucherschützer raten den Kunden, solchen Begriffen nicht blind zu trauen. Von Lisa Kreuzmann

Wer ab heute im Supermarkt einen Liter H-Milch in den Einkaufswagen legt, muss dafür an der Kasse zehn Cent mehr bezahlen als in den vorangegangenen Tagen. Der Milchindustrie-Verband hatte die "moderate Preissteigerung" für den 1. November angekündigt. Angesichts des Preisverfalls der vergangenen Monate und eines Durchschnittspreises von zuletzt 53 Cent hatten zahlreiche Landwirte vor einer existenzbedrohenden Lage gewarnt. Auch die Bauern sollen von der Preissteigerung profitieren, so der Verband.

In Irmgards Bauernladen in Korschenbroich bestimmt Landwirt Willi Bertrams den Preis dagegen selbst. Der Liter Milch kostet dort aktuell 90 Cent - frische Rohmilch, nicht erhitzt, nicht konserviert. Wer seine Milch direkt beim Bauern kauft, so die Überlegung, sorgt damit nicht nur für eine nachhaltige Produktion und das Wohl der Tiere, sondern auch dafür, dass der Bauer seinen Betrieb halten kann.

Im Supermarkt sieht das anders aus. Schuld an den zuletzt drastisch gesunkenen Preisen ist das Überangebot. Denn wegen des Russland-Embargos und der sinkenden chinesischen Nachfrage nach westlichem Milchpulver sind lukrative Absatzmärkte weggebrochen.

Hersteller locken mit neuen Begriffen

Die Molkereien mussten im hart umkämpften Geschäft zunehmend kreativer werden, um trotzdem höhere Preise durchzusetzen. Neben konventioneller Milch und Biomilch locken immer mehr Hersteller auch mit wohlklingenden Zusätzen wie Weidemilch, Alpenmilch oder Heumilch. Die Verpackungen zeigen grasende Kühe, Alpenpanorama, Heimatglück. Die Verbraucherzentrale NRW rät dazu, den Begriffen nicht blind zu trauen. "Die Kunden sollten sich genau anschauen, welche Kriterien dahinter stecken", sagt Doris Gräfe, die den Milchmarkt im Blick behält, "die Branche ändert sich ständig." Entsprechend undurchsichtig seien die Produkte.

Die Begriffe Alpenmilch und Landmilch etwa sind gesetzlich nicht geschützt - was die Milch nicht per se schlechter machen muss. Eine Studie der Uni Kassel zeigt jedoch, dass etwa die Alpenmilch von Weihenstephan sowie die "Alpenfrische Vollmilch" von Bärenmarke entgegen der Werbung nicht allein mit Gras und Heu aus der Bergregion erzeugt worden sein kann. Die Kühe haben also auch viel Kraftfutter gefressen - Mais und Getreide. Das Verhältnis von Getreidefutter zu Grünfutter ist wichtig, da Studien zufolge, ein hoher Anteil an frischem Grün für einen höheren Anteil an Omega-3-Fettsäuren in der Milch sorgt.

Doch auch die sogenannte Weidemilch muss nicht von der grasenden Kuh stammen. Eine Einigung auf einheitliche Standards zwischen den Verbraucherzentralen und der Milchindustrie scheiterte bisher, da die Erzeuger keine Kontrollen zulassen und gentechnikfreies Futter nicht zusagen wollten.

Bei der Heumilch ist vieles klarer

Klarer ist die Lage beim Siegel Heumilch. Seit März ist diese in der EU als "garantiert traditionelle Spezialität" eingetragen. Das Spezielle liegt vor allem in der Fütterung, nicht jedoch in der Haltung. Heumilchkühe dürfen keine vergorenen Lebensmittel fressen. Das betrifft das Silage-Futter - also Gras, Mais, Klee -, das mittels luftdichter Verpackung zwar für den Winter haltbar gemacht wurde, jedoch während der Lagerung nachgärt und sauer wird. Das saure Futter schadet dem Geschmack der Milch zwar nicht, die Gärstoffe stören jedoch bei der Käseproduktion.

Die Heumilch soll außerdem weniger Keime enthalten und so bekömmlicher sein. Der hohe Grünfutter-Anteil sorgt einer Studie der Universität für Bodenkultur in Wien zufolge für einen erhöhten Fettsäure-Gehalt. Den wies die Uni Kassel aber auch in Biomilch nach. Die Verbraucherzentrale rät deshalb zu regionaler Biomilch, die gesünder sein soll, nachhaltiger erwirtschaftet und die heimischen Bauern unterstützt.

"Wir haben keine schlechte Milch auf dem Markt", sagt Agrarökonom Johannes Simons. Es gebe besondere Milch wie etwa Heumilch oder Weidemilch und ein Teil der Milch werde auch ohne Gentechnikfutter erzeugt. Aber Fragen nach Tierhaltung und Umweltschutz so kompliziert, dass kein Käufer alles richtig machen könne. Für den Verbraucher ginge es letztendlich um das Gefühl, zumindest etwas zu machen.

Quelle: RP
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