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Frühjahrskur
Sechs Kilo weniger durch Fasten mit Früchten?

Früchtediät zum Abnehmen: Gesund oder schädlich?
Eine Woche Fastenkur mit Früchten und Fruchtgemüse soll vier Kilo leichter machen. FOTO: Shutterstock/Pixelbliss
Mönchengladbach/Wettenberg. Das Fasten ist als Frühjahrskur für den Körper beliebt. Verlockend süß und leicht präsentiert sich eine Früchtekur. Sie soll den Körper konzentriert mit Vitalstoffen versorgen, das Blut reinigen und gefährlichen Volkskrankheiten vorbeugen. Wie das funktionieren soll und was die Kur kann, lesen Sie hier. Von Tanja Walter

Leckere Smoothies, frische Dips, Gemüsesuppen und Fruchtsorbets – nach Fastenkur und Enthaltsamkeit hört sich das nicht an. Dennoch soll eine spezielle Früchtekur in Kombination mit Bewegung bei Frauen pro Fastenwoche zwischen zwei und fünf Kilos purzeln lassen, bei Männern sogar vier bis sechs. Wer nach der Fastenwoche weiter in erster Linie auf Obst und frisches Gemüse setzt, soll den Erfolg sogar noch ausbauen können, versprechen Diplom-Oecotrophologe und Fastencoach Ralf Moll und Ernährungsberaterin Gisela Held.

So funktioniert das Früchtefasten

Und so funktioniert das Programm, das die beiden in ihrem Buch "Früchtefasten" vorstellen: Morgens und mittags kommen Früchte auf den Teller. Papayas sind erlaubt, Ananas, Bananen, aber auch Trauben. Am Abend locken leicht gedünstete Fruchtgemüse, wie Paprika, Zucchini und Tomaten oder Rohkost wie Zucchiniröllchen mit Kressecreme oder Gemüsespieße mit Avocado-Dip zu Tisch. Erlaubt ist alles, was über der Erde wächst. Dadurch, dass sowohl das überwiegend exotische Obst als auch das Gemüse sehr wasser- und enzymreich sind, kann der Körper sie leicht verdauen. Das klingt nach Entlastung.

In Summe mampft man so täglich eine Kalorienmenge von 500 bis 600 Kilokalorien. So wenig also, dass die Fastenwoche einen Abnehmerfolg garantieren mag. Soweit, so verlockend. Doch kann diese Kur das erfüllen, was sie verspricht?

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Was das Fasten bringen kann

Obst und Gemüse zu essen, ist nachweislich gesund. Denn es enthält viele Vitamine und Ballaststoffe, aber im Vergleich zu anderen Lebensmitteln weniger Energie. Wie sinnvoll ist es aber sich nur darauf zu stürzen? Hans-Helmut Martin, Oecotrophologe beim Verband für Unabhängige Gesundheitsberatung (UGB) hält es für sinnvoll, hin und wieder einmal die Pausentaste zu drücken oder die Finger von gewissen Nahrungs- und Genussmitteln zu lassen. "Wir leben im ständigen Überfluss", da kann das Fasten im Allgemeinen eine Entlastung von dem ständigen zu viel bringen", sagt er.

Macht Obst auch satt?

Von Obst und Gemüse dauerhaft satt zu werden ist allerdings nicht ganz einfach. "Wenn man reichlich Obst und Gemüse isst, füllt sich der Magen, und es tritt durch die Magendehnung ein Sättigungsgefühl ein. Allerdings hält dies nicht so lange an", merkt Professor Sabine Ellinger vom Fachbereich Oecotrophologie der Hochschule Niederrhein kritisch an. Da man aber auch nach einer viertel Ananas, einer halben Papaya, einer Kiwi und 60 Gramm Heidelbeeren verglichen mit einer normalen Mittagsmahlzeit wenig Energie aufnimmt, arbeitet man zwar an den Speckröllchen, schiebt jedoch auch schnell wieder Hunger.

Zudem sei eine bedarfsgerechte Zufuhr aller lebenswichtiger Nährstoffe nicht gegeben, wenn man eine solche Fastenkur über eine längere Zeit macht. Denn bei manchen Nährstoffen wie beispielweise beim Vitamin B1, gibt es keine Körperspeicher, so dass ein Mangel nach relativ kurzer Zeit auftreten kann. Länger als drei Wochen solle man eine solche Fastenkur darum nicht machen, rät die Ernährungsspezialistin. Mau sieht es mit der Aufnahme von Vitamin B12 aus, denn das findet sich prkatisch ausschließlich in Fleisch und tierischen Produkten. Allerdings geht der Organismus mit seinem Vitamin B12-Bestand  sehr ökonomisch um, so dass sich ein Vitamin B12 Mangel bei einer Vitamin B12-freien Ernährung erst nach Jahren zeigt."Vitamin B1 nimmt man über Früchte und Gemüse nur in relativ geringen Mengen zu sich. Auch Zink befindet sich, ähnlich wie auch Vitamin D, in nennenswerten Mengen vielmehr in tierischen Lebensmitteln", so Ellinger.

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Kann man mit der Früchtekur sechs Kilo und mehr in einer Woche abnehmen?

Sein Gewicht innerhalb einer Woche derart zu reduzieren, scheint verlockend, aber beinahe unrealistisch. Manche Ernährungsexperten Zweifel daran, dass das gelingen kann. Zum Vergleich: Sportredakteur Gianni Costa schaffte beim Abnehmprogramm der Rheinischen Post "Fit in 28 Tagen" mit einer Ernährungsumstellung und hartem sportlichen Training in vier Wochen eine Gewichtsreduktion von 6,9 Kilogramm.

Hans-Helmut Martin vom Verein für Unabhängige Gesundheitsberatung ist selbst Fastenbegleiter und hält es für möglich: "Etwa die Hälfte ist allerdings Wasser. Man sollte nicht frustriert sein, wenn man nach der Kur schnell wieder Wasser einlagert und ein bis zwei Kilo zunimmt." Der Abnehmerfolg schmälert sich dadurch also in jedem Falle.

Das leistet die Früchtekur für die Gesundheit

Da jedoch der Gewichtsverlust beim ehrlich gemeinten Fasten ohnehin nur ein Nebeneffekt ist und eher Vorteile wie die Entschlackung und Entgiftung angeführt werden, sollte das den Fastenwilligen nicht von seinem Vorhaben abbringen. Den Körper nämlich mit Früchten und Grünem auf Sparflamme zu setzen, verspricht gesundheitliche Erfolge. "Pflanzenstoffe sorgen dafür, dass Ihr Stoffwechsel richtig in Schwung kommt. Sie helfen Ihnen, Ihre Säuren loszuwerden", so versprechen Moll und Held. Blutfette und Blutdruck sollen sich wieder normalisieren. Das beuge Herz-Kreislauf-Krankheiten vor.

Nicht ganz einig ist sich die Fachwelt allerdings in Sachen Entschlackung, denn so richtig definiert scheint dieser Begriff nicht zu sein. An sich hält Prof. Sabine Ellinger das Versprechen vom Entschlacken für einen Mythos, der ernährungswissenschaftlich nicht haltbar ist. "Beim gesunden Menschen gibt es keine Schlacken oder Ablagerungen", sagt sie. Allerdings gäbe es sehr wohl Cholesterinablagerungen in den Gefäßen. Zudem erwähnt sie Ablagerungen, die bei Gicht zu schmerzhaften Auslösern werden können. Auch der Oecotrophologe des UGB ist vorsichtig mit der Verwendung des Begriffs "Schlacken". Wohl aber erwähnt auch er Untersuchungen, die unter den Einflüssen des Fastens den Rückgang von Cholesterin-Fett- Eiweiß-Komplexen in den Blutgefäßen und dem Bindegewebe festhalten.

Power für die Zellen aus Obst und Gemüse

Weitere positive Gesundheitswirkung sollen die bewusst aufgenommenen sekundären Pflanzenstoffe bescheren. Sie sind als krebsschützend, antibakteriell, cholesterinsenkend, leberstärkend, herzschützend, entzündungshemmend und antioxidativ bekannt. "Zellschäden werden beim Früchtefasten ausgemerzt", schreiben Ralf Moll und Gisela Held.

Das bestätigen die Ernährungsexperten: "Obst und Gemüse haben eine Reihe präventiver Wirkungen, die sich unter anderem auf die sekundären Pflanzenstoffe zurückführen lassen", sagt die Forscherin aus Mönchengladbach. Martin hält den Verzicht auf tierische Lebensmittel für hilfreich in Bezug auf Arthritis oder Rheuma.

Einer der großen Vorteile: Die Fastenkur ist so angelegt, dass sie sich auch mit dem Job verträgt. Das ist alles andere als selbstverständlich, weiß Hans-Helmut Martin. "Bei einer strikten Fastenkur ohne Nahrungsaufnahme bemerkt man schnell, dass man mehr Pausen benötigt." Doch mittags den Griffel für eine Stunde fallen zu lassen und es insgesamt etwas ruhiger anzugehen, lässt sich meist nicht mit dem Job vereinbaren, bemerkt er. Wer seinen Urlaub jedoch nicht mit einer Fastenkur verbringen möchte, für den ist das Früchtefasten eine Light-Alternative zur weit strikten klassischen Fastenkur mit dem Verzicht auf feste Nahrung.

Die Mankos: Die Fastenkur eignet sich nicht für Allergiker, die bestimmte Obstsorten nicht vertragen. Auch kann nach Einschätzung Ellingers die große Menge an aufgenommenem Fruchtzucker manchen öfter auf die Toilette treiben als ihm lieb ist. "Der Darm verfügt nur über eine begrenzte Aufnahmemöglichkeit für diesen Zucker." Ist das Limit erreicht, zeigt sich das in Bauchkrämpfen, Blähungen und Durchfall. Wie bei allen vorübergehenden Ernährungsumstellungen hält auch hier der Fastenerfolg nur dann an, wenn man nicht wieder in alte Ernährungsmuster zurückverfällt. Auch nach der Obstwoche raten Moll und Held, einige Anregungen in den Alltag hinüberzuretten. Doch die Erfahrungen zeigen, dass das nicht jedem gelingt.

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