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Forscher warnen
NDR-Sendung findet Plastikfasern in Bier und Mineralwasser

In diesen Bier- und Wassersorten schwimmen Plastikpartikel
Verschiedene Biersorten namhafter Brauereien sind stark mit mikroskopisch kleinen Plastikpartikeln belastet. FOTO: kazoka / Shutterstock.com
Hamburg. Ein schönes kühles Bier zum Feierabend ist vielen Deutschen heilig. Jetzt schlagen Forscher jedoch Alarm: Medienberichten zufolge sind viele Biersorten verunreinigt, darunter auch namhafte. Erschreckend, kurz vor der kommenden Hitzewelle: Auch Mineralwasser ist von der Verschmutzung betroffen.

Mineralwässer und Biere sind teilweise mit mikroskopisch kleinen Fasern aus Plastik verunreinigt. Dies haben Recherchen des NDR Wirtschafts- und Verbrauchermagazins "Markt" ergeben. Es besteht der Verdacht, dass die Fasern von Textilien aus sogenanntem Fleece-Material stammen.

Die Plastikfasern lösen sich beim Waschen und gelangen über das Abwasser in die Umwelt, da sie von den Kläranlagen vermutlich nicht vollständig ausgefiltert werden. Dort verteilen sie sich und können im Zusammenhang mit der Produktion in die Getränke gelangen. Da die meisten der Partikel unter einen Millimeter lang sind, lassen sie sich mit dem bloßen Auge nicht erkennen, sie werden aber beim Genuß der Getränke in den Körper aufgenommen.

7,3 Plastikfasern im Wasser – 78,8 im Bier

Bei den analysierten Mineralwässern und Bieren handelt es sich um die in Deutschland meistverkauften Marken. Alle enthielten Mikroplastik. Unter den Mineralwassersorten schnitt die Marke von Aldi am schlechtesten ab. In den Produkten Saskiaquelle von Lidl, Elitess von Penny und Quellbrunn von Aldi konnten die Wissenschaftler mindestens vier Plastikfasern pro Liter. Am schlechtesten schnitt das Produkt des Discounters Aldi ab mit sieben Fasern pro Liter. Diese Zahlen sind jedoch gering im Vergleich zu den Funden in den verschiedenen Biersorten:

In den Pilssorten von Veltins und Krombacher fanden die Forscher jeweils 42 Mikropartikel pro Liter, im Warsteiner sogar 47. Im Weißbier der Münchner Paulaner Brauerei fanden sich demnach 70 Plastikpartikel pro Maß. Spitzenreiter ist dem NDR-Bericht zufolge jedoch die friesische Brauerei Jever: Hier fanden die Forscher im Pils 79 Mikropartikel pro Liter.

Durchgeführt wurde die Untersuchung von Professor Gerd Liebezeit von der Laboranalyse-Firma MarChemConsult. Grenzwerte wurden bislang nicht festgelegt. Wissenschaftler weisen jedoch darauf hin, dass möglichst wenige von den Mikrofasern in Lebensmitteln enthalten sein sollte.

Mikrofasern verschmutzen auch die Luft

Verunreinigungen mit Mikroplastik sind ein generelles Umweltproblem. "Wir haben das synthetische Material weiträumig festgestellt, nicht nur in Lebensmitteln, sondern auch in der Luft", so Professor Gerd Liebezeit.

"Mikroplastik stellt auch für uns Menschen früher oder später eine Gefahr dar", so Professor  Stephan Pflugmacher Lima, Ökotoxikologe vom Institut für Ökologie der Technischen Universität Berlin. Seine Experimente mit Muscheln haben gezeigt, dass solche Mikroplastik-Fasern sich im Gewebe anreichern. In hohen Konzentrationen könne dies sogar zum Tod der Tiere führen.

Sowohl das Bundesumweltministerium als auch das Bundesministerium für Ernährung erklärten auf "Markt"-Anfrage, für die Problematik nicht zuständig zu sein - und verwiesen jeweils auf das andere Ressort. Der Deutsche Brauer-Bund verweist auf eigene Untersuchungen, die nachweisen würden, dass sich kein Mikroplastik im Bier und in dem zum Brauen verwendeten Wasser finden lasse. Die Mineralwasser-Hersteller äußerten sich ähnlich.

Ihre genauen Untersuchungsmethoden legten sie gegenüber dem NDR nicht offen.

(ham)
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