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Interview
Nicht schon wieder Kaffee – jetzt wird über Kakao gesprochen!

Interview - Können wir endlich mal über Kakao statt Kaffee reden?
Kakao ist doch für Kinder – aber nicht nur. FOTO: EPA / Andrew Gombert
Düsseldorf. Schluss mit Barista, Arabica und Milchschaum – es wird Zeit, endlich über Kakao zu sprechen. Zum Beispiel mit Arne Homborg (38). Der Kakao- und Schokoladen-Unternehmer hält nichts von Instant-Pulver und weiß, wie der Löffel in der Tasse stehenbleibt. Von Sebastian Dalkowski

Darf ich Ihnen von einem traumatischen Kakao-Erlebnis erzählen?

Arne Homborg Gerne.

Kürzlich frühstückte ich in einem Hotel. Die Kellnerin fragte, ob ich Kaffee oder Tee trinken wolle. Als ich "Kakao" antwortete, kicherte sie.

Wer Arne Homborg einen Kakao serviert, sollte sich lieber sehr viel Mühe geben und auf keinen Fall Instant-Pulver benutzen. FOTO: privat

Die Leute rechnen tatsächlich mit Kaffee oder Tee, aber diese Reaktion ist schon etwas merkwürdig.

Werden Kakao-Trinker gemobbt?

Die Nachfrage nach Kakao ist jedenfalls nicht so groß. Die Auswahl im Café an Kaffee und Tee ist größer als an heißer Schokolade. Das kann man Diskriminierung nennen.

Liegt das daran, dass Kakao als Kindergetränk gilt?

Das ist gut möglich. Die Gesellschaft geht einfach davon aus, dass man irgendwann auf Kaffee umsteigt.

Warum wird um Kaffee so ein Gewese gemacht, aber nicht um Kakao?

Das könnte damit zu tun haben, dass man keine Kakaomaschine braucht. Man braucht einfach heiße Milch und Kakaopulver. Das ist alles. Beim Kaffee gibt es aber auch mehr Auswahl, weil die Herstellung nicht so aufwändig ist. Da wird nach dem Rösten einfach die Bohne gemahlen. Beim Kakao ist der Aufwand viel höher. Die Bohne müssen Sie nicht nur mahlen, sondern auch schälen und reinigen. Deshalb gibt es im Gegensatz zum Kaffee kaum kleine Anbieter.

Was ist die denkbar schlechteste Art, einen Kakao zuzubereiten?

Dafür brauchen Sie Instant-Kakaopulver wie Nesquick oder Kaba. Die haben kaum noch etwas mit Kakao zu tun. Ich würde dazu raten, richtige Schokolade in heiße Milch einzurühren und köcheln zu lassen. Oder nehmen Sie echtes Kakaopulver. Da verrühren Sie Kakao mit Zucker im Verhältnis 3:1, das vermengen Sie mit ein bisschen lauwarmer Milch und geben es dann in den Topf mit der heißen Milch. Sonst klumpt es.

Vollmilch?

Ja. Kakao besteht sowieso zu großen Teilen aus Fett. Da rettet es Sie auch nicht, wenn Sie fettarme Milch nehmen. Und Fett ist ein Geschmacksträger.

Was haben Sie gegen Instant-Pulver?

Da ist jede Menge Zucker drin. Generell ist es der billigste Kakao, der dafür verarbeitet wird. Darunter leidet der Geschmack.

Ich benutze ein etwas teureres Instant-Pulver aus der Schweiz, Caotina.

Bulletproof Coffee: So wird er gemacht FOTO: Anne Peters

Das ist auch nicht so der Riesenhit. Die Instant-Pulver, die Sie im Supermarkt bekommen, sind in der Regel alle übersüßt.

Ich dachte, ich hätte jetzt endlich ein gutes Pulver gefunden.

Das ist wie mit Autos. Sie können einen Fiat Punto fahren und Sie können einen Maybach fahren. Und dazwischen ist viel.

Finden Sie Instant-Pulver einfach nur langweilig oder geht das Richtung ekelhaft?

Ihr Schweizer Pulver würde ich in die Kategorie "langweilig" packen, Nesquick und Co gehen schon Richtung ekelhaft.

Woran erkenne ich ein gutes Kakaopulver?

Das ist wie bei allen Lebensmitteln: am Geschmack. Am Preis können Sie sich nicht immer orientieren. Da gibt es auch welche, die zu teuer sind.

Wo kann ich denn guten Kakao kaufen außer auf Ihrer Website? Es gibt ja keine Kakaoläden wie es Kaffeeläden gibt.

Da gibt es flächendeckend nur Hussel und Arko, die sicher auch gute Trinkschokolade haben. Oder Sie gucken im Schokoladengeschäft. Reine Kakao-Geschäfte werden Sie nicht finden.

Für Sie kommt nur Kuhmilch in Frage, oder?

Kamelmilch ist hier nicht so verbreitet.

Aber Sojamilch, Hafermilch, Reismilch, Dinkelmilch, Mandelmilch...

Ich habe keinen Grund, andere Milch zu nehmen. Da würde ich noch eher Wasser nehmen. Aber ich achte schon darauf, dass es frische Milch vom Bauern ist und nicht aus dem Supermarkt.

Was halten Sie von Sahne auf dem Kakao?

Aaaahh – schwere deutsche Unsitte! Wenn ich mir im Café eine heiße Schokolade bestelle, sage ich direkt: "Bitte keine Sahne."

Warum denn nicht?

Das braucht kein Mensch.

Ich wäre ungern der Kellner, der Ihre Bestellung im Café aufnimmt.

Zum Kakao ist ja auf der Karte meist keine weitere Info vorhanden, während ich beim Kaffee die Marken sehe. Was in der Hälfte der Fälle dazu führt, dass ich keinen Kaffee nehme. Beim Tee ist es das gleiche. Es kommt also vor, dass ich Kaffee und Tee von vorneherein ausschließe und sowieso Kakao nehmen muss. Aber dann stelle ich mich darauf ein, einen Kakao zu bekommen, der nicht der Hit ist. Wenn er aus dem Automaten kommt, ist es in der Regel Wasser mit Milchpulver und Kakaopulver.

Bekommen Sie auch mal guten Kakao serviert?

Gelegentlich.

Warum ist die Kaffee- und Teeauswahl im Café größer?

Es bestellen eben nicht so viele Leute Kakao. Es heißt ja auch Café und nicht Cacao.

Gibt es eigentlich Kakaomaschinen wie es Kaffeemaschinen gibt?

Was manchmal als Kakaomaschine angeboten wird, ist nichts anderes als ein Warmhaltebehälter mit einem Rührwerk. Einen Topf Milch erhitzen und Kakao einrühren kann man auch selbst. Natürlich gibt es die Kakaomaschinen, die mit Wasser und Milchpulver arbeiten. Aber davon würde ich abraten.

Kakao kann man nicht so brühen wie Kaffee, oder?

Kann man schon, aber es schmeckt anders. Probieren Sie es aus. Einfach mal Kakao statt Kaffee in den Filter. Es ist deutlicher laffer, was daran liegt, dass im Kaffee viel mehr wasserlösliche Stoffe sind als im Kakao.

Hätten Sie noch einen Angebertipp bei der Kakaozubereitung?

Wenn Sie den Kakao machen wollen wie in Italien, geben Sie Stärke dazu. Dann steht der Löffel in der Tasse.

Kaffee ist ja auch deshalb beliebter, weil Koffein drin ist. Hat Kakao eine Wirkung?

Auch in Kakao ist Koffein. Eine Tasse gefilterter Kaffee hat 50 bis 175 Milligramm Koffein. Eine Tasse Kakao bis 25 Milligramm. Außerdem ist Theobromin drin. Das wirkt wie Koffein, nur ohne die Nebenwirkungen von Koffein.

Meinen Sie, eine Tasse Kakao pro Tag ist schon gesundheitsschädigend?

Dann wäre ich bereits tot. Ich esse pro Tag 100 Gramm Schokolade und mehr. Meistens ist nicht der Kakao das Problem, sondern der Zucker.

Wenn Sie sich entscheiden müssten – Tee, Kaffee oder Kakao?

Wenn es um den Geschmack geht, dann heiße Schokolade. Aber das kann ich nicht immer trinken, weil es eine relativ kräftige Angelegenheit ist. Morgens um sechs bekomme ich das noch nicht runter.

Kakao ist das erste, was ich morgens mache.

Was Sie benutzen, ist ja auch Instant-Pulver und kein Kakao.

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