Analyse
Metabolic Balance – Was ist dran an der Wunder-Diät?

Metabolic Balance – funktioniert die Wunder-Diät wirklich?
FOTO: shutterstock/ ollyy
Düsseldorf. Metabolic Balance nennt sich ein Konzept, in dem die Analyse der individuellen Stoffwechselwerte den Schlüssel zum Erfolg darstellen soll. Bekannt wurde sie als Wunderdiät bei der schnell viele Kilos verschwinden. Was aber ist dran an der Abnehmkur? Von Tanja Walter

Metabolic Balance heißt das Abnehmwunder, dem immer mehr Deutsche folgen. Wer mit jemandem spricht, der damit abgenommen hat, hört meistens unglaubliche Werte wie 23 Kilo Gewichtsverlust in drei Monaten. Außerdem wollen viele mit der Umstellung ihres Essverhaltens Diabetes, Bluthochdruck und anderen Erkranungen etwas entgegen setzen. Aber wie alltagstauglich ist das Metabolic-Konzept?

Erster Schritt: Blutanalyse

Am Anfang des Programms, steht eine intensive Analyse der Blutwerte. Sie deckt über rund 36 verschiedene Werte auf, zeigt, ob der Patient Grunderkrankungen hat, ob es Blutwerte gibt, die auf Vitamin- oder Mineralstoffmangel hinweisen und zudem, wie es um die Blutfettwerte, Hormone und Verdauungsenzyme des Abnehmwilligen steht. Diese Messwerte sollen Rückschlüsse auf den Stoffwechsel zulassen, den das Metabolic Programm wieder ins Gleichgewicht bringen will.

So funktioniert Metabolic Balance

Entsprechend seiner Werte wird für jeden eine individuelle Tabelle mit Lebensmitteln erstellt, die während der Diät gegessen werden dürfen. Wo der eine beispielsweise Tomate essen darf, muss der andere etwa ab Beginn der Diät darauf verzichten. Manchem wird der Verzehr von Pangasius angeraten, anderen hingegen der von Rotbarsch. Zudem gibt es für jede individuelle Mengenangaben von Gemüse und Protein, die zwischen Mittag- und Abendessen variieren. Entwickelt hat es der deutsche Arzt Wolf Funfack im Jahr 2002. Seitdem verkauft er nach dem Franchising-Prinzip Lizenzen an Berater in der ganzen Welt.

Metabolic Balance hat vier verschiedene Phasen

Das Ernährungsprogramm, das stark an eine Low-Carb-Diät erinnert und insgesamt damit wirkungsvoll und gesund ist, arbeitet mit einem vier Phasen-Prinzip: Es beginnt mit einer zweitägigen Vorbereitungsphase, die eine Darmreinigung mit Abführmitteln enthält. Darauf folgt eine vierzehntägige Umstellungsphase. In dieser Zeit dürfen nur vorgeschriebene Nahrungsmittel in grammgenauen Mengen gegessen werden. Daran schließt sich eine Umstellungs- und schließlich die Erhaltungsphase an. Auch Promis wie die amerikanische Schauspielerin Jennifer Aniston haben das hinter sich und folgten neben den vorgegebenen Ernährungsweisen auch anderen Grundsätzen.

Schritt zwei: Essensregeln beachten

Zu denen zählt die nachvollziehbare Maßgabe, täglich nicht mehr als drei Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Außerdem sollte jedes Essen mit der Aufnahme von Eiweiß starten. Das kann eine handvoll Nüsse sein oder ein Löffel Sahne pur. Dadurch wird erreicht, dass der Körper zunächst Verdauungsenzyme auf den Weg bringt, die die Eiweiße spalten. Werden erst danach die Kohlehydrate aufgenommen, setzt die Insulinproduktion zeitlich versetzt ein und Heißhungerattacken bleiben aus. Denn Feind Nummer eins ist ein schwankender Insulinspiegel, der durch die Aufnahme von Kohlehydraten und deren Umwandlung in Glukose entsteht.

Im Alltag ist ein wechselhafter Insulinpegel vor allem durch Heißhungerattacken zu bemerken. Ein probates Mittel, dessen sich Metabolic Balance bedient, ist darum die Empfehlung, nach dem Essen und auch nachmittags je einen Apfel zu essen. Der hält den Blutzuckerspiegel konstant und schwemmt durch seine Pektine Schadstoffe aus dem Körper.

Nach dem Essen gilt es, eine fünfstündige Pause einzuhalten, in der natürlich fleißig getrunken werden darf. Das entspricht einer gesunden Essenspause, auf die auch andere Diäten setzen. Dass es allerdings genau fünf Stunden sein müssen, entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage, bemängeln die Kritiker. Die letzte Mahlzeit sollte gegen 21 Uhr eingenommen werden. Bis danhin sollte man auch mindestens zwei Liter Wasser getrunken haben. Problematisch kann der strikte Rhythmus vor allem für Familienmenschen oder Berufstätige werden, die ihre Zeit nicht flexibel genug einteilen, oder essen können wann sie wollen.

Schritt drei: Untypische Mahlzeiten zubereiten

Gewöhnungsbedürftig ist für viele nicht nur das andere Essverhalten, sondern auch die Art der Nahrungsmittel. Kuhmilchprodukte werden bei Metabolic Balance gegen Ziegenmilch oder Schafsmilchprodukte ausgetauscht. Das heißt also Feta statt Gouda und Ziegenjoghurt statt der gewohnten Milchspeise aus dem Discounter. Eine typische Ernährung beginnt dabei morgens mit einem Roggenvollkornbrot, mittags gibt es zum Beispiel Putensteak mit Gemüse und abends Spiegeleier mit Spinat.

Disziplin zahlt sich aus, denn tatsächlich verlieren die Diätjünger von Metabolic Balance jede Menge Gewicht. Andererseits sagen Kritiker, dass solche Erfolge bei bei jeder Ernährungsumstellung erreicht würden, die auf die Aufnahme von viel Eiweiß und Gemüse und dem Verzicht auf Fett und Kohlehydrate setze.

Empfehlung von Lebensmitteln bleibt ein Rätsel

Fachleute halten das Prinzip aus wissenschaftlicher Sicht für nicht belegt, denn wie der  Ernährungszuschnitt auf den individuellen Stoffwechsel genau funktioniert ist ein Geheimnis.  Im Kreuzfeuer steht auch der nur einmal durchgeführte Bluttest. Von dem nämlich lässt sich nicht ablesen, ob Werte eventuell nur zufällig wegen oder wegen besonderer Umstände von der Norm abweichen. Lediglich der Blick auf die Blutzuckerwerte liefere seriöse Ergebnisse. Manche Experten fürchten außerdem, eine mögliche falsche Interpretation der Blutergebnisse, wenn sie nicht durch einen Arzt im Gesamtkontext ausgewertet werden.

Größtes Manko für viele ist der Preis des Diätprogramms: zwischen 200 und 500 Euro muss man berappen, um einen individuellen Ernährungsplan sein eigen nennen zu können, und um  die Begleitung durch einen Metabolic-Balance-Berater zu erhalten. Es sind Ernährungswissenschaftler, die den Patienten durch das Programm lotsen oder auch Ärzte und Heilpraktiker. Während Verbraucherschützer wegen der hohen Kosten warnen, erklären Verfechter von Metabolic, dass auch die Teilnahme an Programmen wie Weight Watchers  kostspielig ist und viele Ernährungsumstellungen am teuren Reformhaus oder Biomarkt nicht vorbei führen.

Gemeinsam ist Metabolic Balance fast nicht zu schaffen

In Sachen Alltagstauglichkeit liegt das größte Problem in den unterschiedlichen Lebensmittellisten. Paare, die gemeinsam abnehmen wollen, müssen versuchen sich auf die Lebensmittel zu konzentrieren, die beide essen dürfen, oder zwei verschiedene Mahlzeiten gleichzeitig zubereiten. Da keine Fertigprodukte mehr gegessen werden können, nimmt die Zubereitung der Speisen zudem einige Zeit in Anspruch, die nicht jeder zweimal täglich aufbringen kann.

Auf der anderen Seite hat die Diät tatsächlich positiven Einfluss auf die Gesundheit. Erkankungen, die durch Übergewicht verursacht werden, wie etwa Bluthochdruck, können teils stark reguliert werden. Auch Allergien, die den Stoffwechsel belasten, sollen verschwinden, wenn der Organismus durch die richtige Ernährung beziehungsweise das Weglassen von  problematischen Lebensmittel entlastet wird.

Kurzum: Pluspunkt der Wunderdiät ist, dass sie tatsächlich der Gesundheit zuträglich ist. Pasta und Stulle jedoch sind dann für immer tabu.

(wat)
 
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