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Zahlen der Techniker Krankenkasse
So verteilt sich Übergewicht und Adipositas in NRW

NRW: So verteilt sich Übergewicht und Adipositas in der Region
Jeder Zweite in NRW ist übergewichtig. FOTO: dpa, Waltraud Grubitzsch
Düsseldorf . Krankhaftes Übergewicht wird auch in NRW immer mehr zu einer Volkskrankheit. Laut aktuellen Zahlen der Techniker Krankenkasse geht der Trend vom normalen Übergewicht hin zu Adipositas. Soziale Brennpunkte und ländliche Regionen sind besonders betroffen. Ein Überblick. Von Susanne Hamann und Dana Schülbe

Laut Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) waren im Jahr 2013 insgesamt 52,1 Prozent der Menschen in NRW nach eigenen Angaben übergewichtig. Damit hat sich der Wert gegenüber 2005 leicht verbessert, damals gaben 52,2 Prozent der Menschen an, übergewichtig zu sein.

Eine deutliche Veränderung ist dagegen bei den krankhaft Übergewichtigen zu verzeichnen: Während im Jahr 2005 insgesamt 13,1 Prozent an Adipositas erkrankt waren, stieg ihr Anteil im Jahr 2013 auf 16 Prozent. Das berichtet die TK und beruft sich auf den Mikrozensus des Statistischen Landesamtes NRW.

Was Sie über den BMI wissen müssen

Ob eine Person als übergewichtig oder adipös gilt, wird durch den sogenannten BMI, den Body-Mass-Index (Körpermaßindex), bestimmt. Er setzt das Körpergewicht ins Verhältnis zur Körpergröße. Übergewicht tritt ab einem BMI von 25 auf, ab einem BMI von 30 wird von Adipositas gesprochen. Eine 1,70 Meter große Person beispielsweise würde bei einem BMI von 30 zirka 90 Kilo auf die Waage bringen.

Die wichtigsten Fragen zum Body-Mass-Index FOTO: shutterstock/ Seanika

Deutliche regionale Unterschiede in NRW

Auffällig ist jedoch die Verteilung der Menschen mit Übergewicht in NRW. Im Kreis Siegen-Wittgenstein etwa lebten 2013 mit 55,8 Prozent die meisten von normalem Übergewicht Betroffenen in NRW. Damit nahm die Zahl im Vergleich zu 2005 leicht ab. Der Anteil adipöser Bürger nahm dort dagegen zu: 2005 waren es noch 13,1 Prozent im Jahr 2013 dagegen 16 Prozent.

Sowohl bei den Übergewichtigen (2,5 Prozent) als auch bei den adipösen Menschen (6,2 Prozent) hat im selben Jahresvergleich am stärksten der Kreis Düren zugelegt. Dort waren im Jahr 2013 insgesamt 53 Prozent übergewichtig und 19 Prozent adipös.

Teils sehr starke Unterschiede sind zwischen den Städten in NRW zu verzeichnen. Die schlankeste Stadt ist laut der TK-Umfrage Bonn. Dort verringerten sich seit 2005 nicht nur die Zahlen der Übergewichtigen und der adipösen Menschen. Die Stadt weist auch im NRW-Vergleich die niedrigsten Werte auf: Waren im Jahr 2005 noch 46,4 Prozent der Bonner übergewichtig, traf das 2013 nur noch auf 39,2 Prozent zu. Die Zahl der Adipositas-Betroffenen sank um ein Prozent von 10,6 Prozent auf 9,6 Prozent.

Zum Vergleich: Die Stadt Duisburg gehört zu den Spitzenreitern der Städte mit übergewichtigen Einwohnern (normales Übergewicht 2013: 54,8 Prozent der Einwohner, Adipositas: 14,4 Prozent). Ähnliches gilt für Mönchengladbach und Leverkusen. Nur die Städte Köln und Düsseldorf kommen mit rund 47 und 48 Prozent normal Übergewichtiger und rund 14 Prozent adipöser Menschen 2013 noch an Bonn heran.

Einen Überblick über die Zahlen zum Thema Übergewicht und Adipositas in NRW bekommen Sie in dieser Karte:

Adipositas – eines der größten Probleme der Zukunft

Wenig verwunderlich findet diese Zahlen der Chefarzt des Adipostaszentrums Düsseldorf, Dr. Matthias Schlensak. "Diese regionalen Unterschiede lassen sich leicht durch sozio-ökonomische Faktoren erklären", sagt er. "In Bonn leben sehr viele junge Studenten. Die sind sportlich und insgesamt eher ernährungsbewusst. Städte wie Duisburg, die große soziale Brennpunkte haben, tendieren immer eher zu Übergewicht und Adipositas." In Studien bislang nicht ausreichend belegt oder erklärt, aber in der Medizin durchaus bekannt sei zudem, dass auch Menschen in ländlichen Gebieten eher zu Übergewicht neigen.

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"Insgesamt deckt sich der Trend dieser Daten für NRW auch mit anderen wissenschaftlichen Studien, die besagen, dass Deutschland jedes Jahr um 200 Gramm dicker wird", weiß Schlensak. "Mit den Jahren gehen dadurch immer mehr Menschen in den BMI-Bereich von Adipositas über. Mediziner merken das schon jetzt, nur den Menschen auf der Straße fällt es nicht so sehr auf." Der Grund dafür liegt für den Experten darin, dass man sich im Alltag an den Anblick von Übergewicht gewöhnt hat.

Die ärztlichen Praxen verzeichnen dagegen einen deutlichen Anstieg von Patienten, die wegen den gesundheitlichen Auswirkungen von krankhaftem Übergewicht zu ihnen kommen. "Adipositas wird in Deutschland schon sehr bald der Hauptgrund für Diabetes Typ 2 sein, der Grund für eine steigende Zahl von Patienten mit Herz- und Gefäßkrankheiten sowie für Lebertransplantationen, die wegen einer Fettleber-Zirrhose durchgeführt werden müssen." 

Aus diesem Grund rät der Chirurg: "Es ist wichtig, rechtzeitig einzugreifen, wenn sich stärkeres Übergewicht abzeichnet, denn Adipositas ist eine Krankheit, die, wenn sie sich einmal eingestellt hat, nicht mehr loszukriegen ist."

 
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