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Umwelt
Plastikmüll in Makrelen und Kabeljau nachgewiesen

Plastik in Kabeljau und Makrelen in der Ost- und Nordsee nachgewiesen
Plastikreste verschmutzen die Meere. Von Fischen wird der Müll oft mit Nahrung verwechselt. FOTO: Petra Hutner / marine-litter-conference-berlin
Bremerhaven. Landet Plastikmüll, der ins Meer gelangt ist, später auf dem Teller? Einer wissenschaftlichen Studie zufolge können viele Speisefische kleine Plastikreste nicht von ihrer natürlichen Nahrung unterscheiden. Forscher haben nun in den Mägen von Makrelen und Kabeljau Plastikpartikel nachgewiesen. 

Plastik verrottet nicht. Für die Meere wird das zum Problem. Winzige Plastikreste schweben im Wasser und landen im Magen vieler Tiere - auch in den Mägen von Makrele, Kabeljau und anderen Speisefischen. Das haben Biologen vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven nun in einer Studie an Fischen aus Nord- und Ostsee nachweisen können. Was passiert, wenn wir diese Fische verzehren? Ob eine Gefahr für den Menschen besteht, können die Forscher zurzeit noch nicht abschätzen.

Im Meer lassen Wind, Wellen und Licht Kunststoff in nur wenige Millimeter große Partikel zerfallen. Forscher nennen diese Reste Mikroplastik. Gefunden wurden sie schon in allen Weltmeeren, wo sie nicht nur Seevögel, Wale und Lebewesen am Meeresboden bedrohen. Zwei neue Studien von AWI-Wissenschaftlern haben gezeigt, dass auch Fische in Nord- und Ostsee sowie Meeresschnecken die Plastikteile fressen.

Für die erste Studie untersuchten die Biologen Mageninhalt und Verdauungstrakt von 290 Makrelen, Flundern, Heringen, Dorschen und Klieschen. Dabei stellten sie fest, dass die Makrele deutlich häufiger Mikroplastik verschluckt als in Bodennähe lebende Fische wie Flunder oder Kliesche. Heringe scheinen dagegen zu bestimmten Jahreszeiten gar keine Plastikreste aufzunehmen.

Makrelen verwechseln Plastik mit Beute

"Die Ursache dafür liegt vermutlich im Fressverhalten der Fische", teilte Studienleiter Gunnar Gerdts mit. Die Makrele habe die Plastikreste mit Beute verwechselt, während die anderen Fische diese bei der Futtersuche zufällig mitgefressen hätten. Mikroplastik treibe oft in hoher Dichte an der Wasseroberfläche und ähnele damit frisch geschlüpften Seenadeln, auf die Makrelen Jagd machen.

Ob die verschluckten Plastikreste die Fische krank machen, darauf haben die Forscher in der Studie keine Hinweise gefunden. Auch die Folgen für den Menschen, wenn er diese Fische verzehrt, lassen sich schwer abschätzen. "Viele Partikel finden sich in den Verdauungsorganen", sagt AWI-Experte Lars Gutow. Vor dem Verzehr nehme man aber die Fische aus. Denkbar sei jedoch, dass sich im Fischdarm schädliche Chemikalien aus dem Kunststoff lösen und dadurch in den Körper des Tieres gelangen könnten. "Wir sind mit der Erforschung der Effekte noch ganz am Anfang", betonte Gutow.

Im Labor hat Gutow untersucht, ob Pflanzenfresser wie die Gemeine Strandschnecke Mikroplastik bei der Futtersuche aufnehmen. Diese frisst unter anderem Blasentang, auf dessen klebriger Oberfläche Plastikfragmente besonders gut haften. Im Labor prüften die Wissenschaftler erst, wie viele Partikel sich auf den Algen festsetzten. Dann verfütterten sie Algen mit fluoreszierenden Plastikteilen an die Schnecken, die diese einfach mitfraßen.
Allerdings schieden die Schnecken diese nahezu vollständig wieder aus.

(kl / dpa)
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