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Sind Vegetarier doch Unmenschen?
Pflanzen wehren sich, wenn sie gegessen werden

Studie: Pflanzen hören, wenn sie von Raupen gefressen werden
Den amerikanischen Forschern zufolge können Pflanzen es wahrnehmen, wenn sie von Insekten gefressen werden. FOTO: shutterstock/ nico99
Columbia. "Ich esse nichts, was Gefühle hat." - Mit diesem Argument erklären viele Vegetarier, warum sie auf Fleisch verzichten. Doch was, wenn das Salatblatt auch Gefühle hätte? Amerikanische Forscher haben herausgefunden, dass Pflanzen "hören" können, wenn sie von Raupen gefressen werden - und sich sogar gegen den drohenden Tod wehren. Von Laura Sandgathe

Bislang galten Tiere als Lebewesen mit Gefühlen, Pflanzen dagegen nicht. Deshalb verzichten Vegetarier auf Huhn, Schwein oder Rind; Veganer verbannen alle tierischen Produkte von ihrem Speiseplan. Bei Salat, Karotte oder Apfel greifen sie dagegen zu - schließlich wird beim Verzehr von Obst und Gemüse keinem Lebewesen Leid zugefügt. Oder?

Eine amerikanische Studie legt nahe, dass diese Einschätzung falsch ist. Forscher am "Bond Life Sciences Center and Division of Plant Sciences" der Universität von Missouri haben untersucht, wie die Pflanze "Arabidopsis Thaliana", im Volksmund bekannt unter der Bezeichnung Schotenkresse oder Gänserauke, auf die Kaugeräusche von Raupen reagiert. Ihre Studie wurde in der Fachzeitschrift "Oecologia" veröffentlicht.

Veganer sehen jünger aus FOTO: Justyna Krzyzanowska

Tatsächlich ergaben die Untersuchungen, dass die Schotenkresse eine Reaktion zeigt, wenn sie Kaugeräusche von Raupen "hört". Die Pflanzen nehmen die feinen Vibrationen, die entstehen, wenn die Raupen kauen, wahr. Außerdem können die Pflanzen unterscheiden, ob das Insekt kaut oder ob es fliegt oder Geräusche macht, so die Forscher.

Darüber hinaus fanden die Wissenschaftler heraus, dass sich der Stoffwechsel der Pflanzen ändert, wenn sie die Kaugeräusche der Raupen wahrnehmen. Die Schotenkresse beginnt, chemische Stoffe zu produzieren, die ihre Blätter für die Raupen ungenießbar machen sollen. Den Forschern zufolge will die Pflanze nicht gefressen werden, sie wehrt sich. Wie Menschen und Tiere, haben demnach auch Pflanzen einen biologisch verankerten Überlebenswillen. 

Bedeutet das nun also, dass das Salatblatt Todesqualen erleidet, wenn es verspeist wird?  Die Studie der Forscher aus Columbia legt das nahe. Jedoch müssten die Ergebnisse von weiteren Studien bestätigt werden, um als erwiesen zu gelten. Sollten sie sich bestätigen, hätten Vegetarier und Veganer womöglich ein Problem. Denn dann wäre nicht mehr viel übrig, das sie ohne schlechtes Gewissen essen könnten.

(lsa)
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