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Raumfahrt
Stuttgarter Forscher schicken Algen ins All - auch als Snack

Stuttgart: Forscher schicken Algen ins Weltall - auch als Snack
FOTO: Daniel Naupold
Stuttgart. Japaner haben Algen längst als gesunde Delikatesse in ihren Speiseplan integriert. Nun soll das Meeresgemüse auch die Raumfahrt revolutionieren. Zukünftig könnten Algen als Astronauten Sauerstoff spenden - und als Snack dienen. 

Rot und blau funkeln die Leuchtdioden. Grünliches Wasser wabert dazwischen durch ein Röhrensystem in zwei Plexiglasplatten. Ventilatoren surren kaum hörbar. Schläuche führen aus der Box. Sie ist der Prototyp eines Fotobioreaktors - ein Behälter, in dem Mikroorganismen leben und zur Energieproduktion Licht nutzen. Algen sollen dort gedeihen. Damit wollen die Forscher am Institut für Raumfahrtsysteme an der Universität Stuttgart nicht viel weniger als künftige Weltraummissionen revolutionieren. "Die Algen sollen das Kohlendioxid der Astronauten vervespern und Sauerstoff produzieren", sagt Projektleiter Stefan Belz. Und damit nicht genug: Sie könnten auch als Nahrungsmittel dienen.

Fisch-Einkaufsratgeber nach Greenpeace 2016 FOTO: Vadym Zaitsev/ Shutterstock.com

Die Forschung mit sogenannten Lebenserhaltungssystemen ist erst wenige Jahre alt, so Norbert Henn vom Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Zuvor ging es jahrzehntelang um das Studium des Verhaltens von Pflanzen unter Schwerelosigkeit und Strahlung. Seit den 1970er Jahren sei dem Thema bei Fluggelegenheiten wie Höhenforschungsraketen, Satelliten und Parabelflügen viel Beachtung geschenkt worden. Neuerdings gehe es auch um Sauerstoff und Nahrung für Raumfahrer. "Man fand, dass biologische Systeme eine lohnende Ergänzung zu chemisch-physikalischen Lebenserhaltungssystemen sein können."

Grundlegende Probleme sind Platz- und Ressourcenmangel im All sowie hohe Ausgaben: Bis zu 27 000 Euro koste der Transport pro Kilo Ware zur Raumstation ISS, sagt Jens Bretschneider von der Uni Stuttgart. Daher tüfteln Wissenschaftler an Möglichkeiten, Wasser, Nahrung und Sauerstoff in geschlossenen Systemen herzustellen. "Wasser ist mit dem Stand der Technik zu 95 Prozent wiederverwertbar", erklärt Bretschneider. Mehrere Tests mit Reaktortypen hat das Stuttgarter Team schon gemacht.

2018 wollen sie ihren Fotobioreaktor auf die Internationale Raumstation ISS schicken. Ein Astronaut soll dann etwa alle zwei Wochen größere Mengen Algen abschöpfen und Nährstofflösung nachfüllen. 150 bis 180 Tage sollen sich die kleinen Lebewesen vermehren und Sauerstoff produzieren.

(dpa)
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