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Stiftung Warentest
Der Lärmomix: Thermomix im Test zu laut

Thermomix Test von Stiftung Warentest: Viel zu laut - nur Platz 4
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Wuppertal. Die Küchenmaschine des Wuppertaler Unternehmens Vorwerk hat hunderttausende Fans. Die Stiftung Warentest gehört nicht dazu. Sie bewertet andere Hersteller besser - und den Thermomix sogar teilweise als "mangelhaft". Von Florian Rinke

Die Thermomix-Fans müssen jetzt stark sein: Ihr Wundergerät kann zwar eigentlich alles, aber offensichtlich reicht das nicht, um die Stiftung Warentest zu überzeugen. Bei einem Vergleich von Küchenmaschinen landet Vorwerks Vorzeigeobjekt nur auf dem vierten Platz.

Die Stiftung Warentest hatte drei Standmixer und sechs Küchenmaschinen zwischen 95 und 1120 Euro miteinander verglichen. Ein Gerät von Kenwood, die Maschine von KitchenAid oder der kleine Haushaltshelfer von Krups - sie alle schneiden besser ab.

Das Urteil der Warentester ist vernichtend: "So laut, dass es wehtut" schreiben sie über den Thermomix nach dem Besuch einer Kochparty, bei der eine Vertreterin mit dem Gerät kocht. Und in der Tat: Wer mit dem Thermomix Körner schroten will, sollte lieber den Raum verlassen. Für die Stiftung Warentest ein Grund, die Küchenmaschine abzuwerten: "Mangelhaft" seien die Umwelteigenschaften.

Beim Thermomix missfällt den Testern nur der Lärm

Gemeint ist damit aber eigentlich nur der Lärmpegel, sowohl beim Stromverbrauch als auch bei enthaltenden Schadstoffen schneidet der Thermomix gut ab - besser sogar als Geräte auf vorderen Plätzen. Auch die Handhabung wird besser bewertet als bei allen anderen getesteten Geräten, was sowohl an den spülmaschinengeeigneten Töpfen als auch am mitgelieferten Rezeptchip liegen dürfte, der den Nutzer Schritt für Schritt beim Kochen lotst.

Trotzdem reichte es nur für ein "Befriedigend" in den Augen der Tester. Insgesamt schnitten beim Test, der in der aktuellen Ausgabe veröffentlicht wird, drei Maschinen gut ab, vier befriedigend, eine ausreichend und eine mangelhaft.

Immerhin: Die Geräte von Lidl und Aldi, die diese zuletzt zum Kampfpreis auf den Markt brachten, bewertete die Stiftung Warentest in einem Schnelltest schlechter.

Ist das nun also die Götterdämmerung, der Anfang vom Ende des bislang scheinbar grenzenlosen Hypes? Eher nicht. Die Lieferzeiten liegen zwar nicht mehr bei 13, sondern nur noch bei sieben Wochen - das liegt eher am Ausbau der Produktionskapazität denn am nachlassenden Interesse der Kundschaft. Auch Apples iPhone hatte die Stiftung Warentest in der Vergangenheit bei Vergleichen nicht zum Sieger gekürt. Das erfolgreichste Smartphone der Welt ist das Gerät trotzdem.

Thermomix = Apple der Küche

Apple ist es gelungen, dem Smartphone ein besonderes Image zu verpassen. Die Entscheidung ist heute weniger, ob man ein Smartphone von Samsung, Huawei oder LG kauft - sondern ob man ein iPhone kauft oder nicht. Und wer einmal im Apple-Kosmos ist, wechselt selten. Denn Apple lockt mit edlem Design, leichter Bedienbarkeit und dem Versprechen, ein nahezu perfektes Zusammenspiel von Hardware und Software zu bieten.

Was das mit Küchengeräten zu tun hat, die rühren, häckseln und garen können? Viel. Der Erfolg von Vorwerk - alle 30 Sekunden wird ein Thermomix verkauft - beruht auf ganz ähnlichen Kriterien. Auch optisch erinnert der TM5 mit seiner schlichten weißen Verschalung und dem großen Touch-Display stark an die schlichte Eleganz von Apple. Und auch Vorwerk setzt auf das perfekte Zusammenspiel von Hardware (Gerät) und Software (Rezepte). Um den Thermomix herum ist eine Online-Rezeptwelt entstanden, bei Kochbüchern gibt es eine "Gelingt immer"-Garantie.

Doch genau die zweifelt die Stiftung Warentest an: Als man bei Tests tiefgefrorenen Lachs und Brokkoli gegart habe, sei dieser am Ende bei Kenwood, KitchenAid und eben dem Thermomix noch roh und zum Teil in der Mitte noch gefroren auf dem Teller gelandet. "In den Rezeptbüchern stand nicht, dass wir frischen Lachs verwenden sollten", mäkeln die Tester. Ist das nun kleinlich, oder hätten die Hersteller präzisere Angaben machen müssen?

Beim Testsieger Kenwood will man verständlicherweise nicht meckern: "Der Test ist sehr praxisnah durchgeführt worden", heißt es. Auch dass es um die eigene Maschine weniger öffentlichen Wirbel gibt als um den Vorwerk-Konkurrenten, nimmt man gelassen - der Absatz habe sich im Vergleich zum Vorjahr schließlich trotzdem verdoppelt.

Auch Vorwerk nimmt das Ergebnis sportlich: "Für uns und unsere Kunden ist die kritisierte Lautstärke kein neues Thema", heißt es. Auswirkungen auf den Umsatz werde der Test daher auch nicht haben.

Quelle: RP
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