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Übergewichtige Frauen können weniger widerstehen
Warum Diäten beim Abnehmen oft nicht helfen

Abnehmen ohne Diät
Abnehmen ohne Diät FOTO: shutterstock/ TijanaM
Leipzig. Übergewichtige werden oft für ihr Körpergewicht verantwortlich gemacht. Möglicherweise aber sind es bestimmte Hirnareale, die diesen Menschen das Leben schwer machen und anders ticken als bei Normalgewichtigen. In einem großen Forschungsprojekt gehen Wissenschaftler dem Phänomen jetzt nach.

Warum fällt es übergewichtigen Frauen schwerer als ihren normalgewichtigen Geschlechtsgenossinnen einem Stück Schokolade zu widerstehen. Tatsächlich ist es möglich, dass diese Frauen durch ihre Veranlagung ständig zu viel essen. Forscher aus vier Helmholtz-Zentren, 14 Universitäten und Instituten aus Deutschland, Großbritannien und den USA haben sich nun zusammengeschlossen, um diese These genauer zu beleuchten. Fünf Jahre lang werden sie verschiedenen Fragen rund um übergewichtsbedingte Stoffwechselerkrankungen nachgehen.

Beim Dicksein spielt das Hirn eine Rolle

Kleine Kinder sagen auf der Straße oft das unverblümt, was die Großen denken: "Kann die sich nicht das Eis verkneifen, die ist doch schon so dick!" Übergewichtigen Menschen wird meist selbst die Schuld für ihr ausuferndes Gewicht gegeben. "In wieweit die Übergewichtigkeit in der Eigenverantwortung der Betroffenen liegt ist allerdings noch unklar. Einige Studien weisen darauf hin, dass auch Veranlagungen zu übermäßigem Essen führen können", erklärt Privatdozent Dr. Burkhard Pleger, Oberarzt an der Tagesklinik für kognitive Neurologie des Universitätsklinikums Leipzig.

Hirnregionen, die für Belohnung verantwortlich sind und unser Essverhalten beeinflussen, seien bei Übergewichtigen anders strukturiert als bei Normalgewichtigen, erklärt der Neurowissenschaftler. Noch nicht klar ist, ob das viele Essen genetisch angelegt ist, oder die Veränderungen im Hirn überhaupt erst durch das dauernde zu viel der Nahrung ausgelöst werden.

Beobachten Forscher diese Hirnregionen genauer, so zeigen sich überraschende geschlechtsspezifische Unterschiede: Bei Frauen sind Hirnregionen, welche die automatische und zielgerichtete Verhaltenskontrolle unterstützen umso stärker verändert, je größer ihr Körpergewicht ist. "In Verhaltensexperimenten neigen übergewichtige im Vergleich zu normalgewichtigen Frauen eher dazu, kurzfristige Belohnungen zu wählen, auch wenn negative Konsequenzen folgen", erläutert Dr. Annette Horstmann, Neurobiologin in der Abteilung Neurologie des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften, Leipzig.

Frauen können Schokolade weniger widerstehen

Frauen also gönnen sich schneller ein Stück Schokolade – auch wenn sie wissen, dass es für die Figur nachteilig ist. "Dieser Unterschied ist bei Männern nicht zu beobachten", so Horstmann weiter. Die Größenunterschiede der Hirnareale lassen die Forscher vermuten, dass Frauen eine stärkere Willenskraft aufbringen müssen, um ihr Verlangen nach Essen zu regulieren. "Gleichzeitig wäre das eine Erklärung, warum bei vielen Übergewichtigen Diäten keinen Erfolg zeigen", so die Expertin.

Die Situation sei vergleichbar mit den Symptomen anderer Suchterkrankungen: starkes Verlangen, mangelnde Selbstkontrolle und der Bedarf immer größerer Mengen. "Daher ist es notwendig, die Therapie der Fettsucht ähnlich wie die Therapie von Alkohol- und Drogenabhängigen aufzubauen", so Professor Dr. Joseph Claßen, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Leipzig. Der Rat der Experten: Die Therapie der Übergewichtigkeit sollte aus einer psychologischen Betreuung sowie Ernährungsaufklärung und –umstellung bestehen und individuell auf die Probleme der Betroffenen angepasst werden.

(wat/anch/csi)
 
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