Aphrodisierend und gesund?
Was an Spargel-Mythen dran ist

Welche Mythen sich um den Spargel ranken
Welche Mythen sich um den Spargel ranken FOTO: dpa, bse soe fux
Viersen. Spargel - Die einen schätzen ihn wegen seiner entgiftenden und aphrodisierenden Wirkung, den anderen schmerzen danach die Gelenke. Wir erklären, was an den wichtigsten Spargel-Mythen dran ist und was ihn wirklich gesund und ungesund macht. Von Tanja Walter

Auf den Feldern bohren sich weiß und jungfräulich die leuchtenden Spargelstangen aus dem Erdreich. Kraftvoll und steil blitzen sie der Sonne entgegen und machen uns Lust auf mehr. Denn die sinnlichen Stengel liefern viel Gutes an Inhaltsstoffen. So wird ihnen auch aphrodisierende Wirkung zugesprochen. Schon im Mittelalter wurde das Gemüse als Potenzmittel genutzt, später hingegen als Mittel zur Empfängnisverhütung. Doch so schön sich die Mär von der sich steigernden Leidenschaft auch anhört. Der herausragende Stengel aus dem Erdreich kann das nicht leisten.

Steigert das Gemüse die Libido?

"Spargel enthält Vitamin E. Das ist das Vitamin, dem die Libido steigernde Wirkung nachgesagt wird", sagt Oecotrophologin Heike Meier. "Doch allein aus ernährungsphysiologischer Sicht könnte man über dieses Gemüse gar nicht genug Vitamin E aufnehmen, damit es Wirkung zeigen könnte." Bis auf seine an einen Phallus erinnernde Form haftet dem Spargel wenig Elektrisierendes an. Der Mythos ist damit zwar gebrochen, aber die Lust auf das Gemüse nicht.

Zu über 90 Prozent besteht es aus Wasser und enthält jede Menge Ballaststoffe, die für eine ausgewogene Ernährung wichtig sind, Verstopfungen vorbeugen und den Körper entgiften helfen. Unscheinbar verborgen sind in den strahlend weißen, grünen oder violetten Stangen zudem das Mangelvitamin Folsäure und reichlich Vitamin C. Das stärkt ein funktionierendes Immunsystem, während Folsäure vor allem für Schwangere und Stillende gut ist. Ein ausgewogener Folatspiegel senkt nämlich unter anderem das Risiko für Fehlgeburten. "Mit einem Pfund kann man einen guten Teil des Tagesbedarfs an diesen Vitaminen decken", erklärt die Ernährungsberaterin aus Tönisvorst. Als außergewöhnlichen Inhaltsstoff enthält Spargel die Asparaginsäure. Diese regt die Nierenfunktion an und wirkt dadurch entwässernd. Doppelt gut für die schlanke Linie sind die schmalen 85 Kilokalorien, die in 500 Gramm Spargel stecken. Ein perfektes Gemüse also für alle, die auf ihre Figur achten, vorausgesetzt sie überschwemmen die Stangen nicht mit kalorienreichen Soßen oder Butter.

Gutes für Herz und Nerven

Kalium und Kalzium, die als Mineralstoffe dem Frühlingsgemüse Pluspunkte bringen, sind vorteilhaft für das Herz-Kreislaufsystem. Damit unser Herz munter weiterschlägt und unsere Muskeln richtig funktionieren, brauchen wir vor allem den Mineralstoff Kalium. Im Zusammenspiel mit Kalzium sind die beiden Spurenelemente auch die Reizübertragung im Nervensystem wichtig, damit schlicht und ergreifend die Nerven arbeiten können. Günstig wirkt sich Spargel durch seinen geringen Natriumwert auf die Gesundheit aus. "Wir nehmen ohnehin über unser Kochsalz schon zu viel Natrium auf", sagt Heike Meier. Das zeigt sich im Blutdruck. Der schnellt bei starkem Konsum in die Höhe und steigert die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Gicht oder nierenkrank – hier hat die Leidenschaft ein Ende

Der Verzehr des knackigen Gemüses kann auch schaden. Denn während sich viele leidenschaftlich in die Saison bis zum 24. Juni stürzen, um das edle Gemüse möglichst oft  zu genießen, sorgt es bei anderen für schlimme Schmerzen. In den blassen Stangen steckt Purin, das in Harnsäure verwandelt wird. Bei Menschen, die unter Gicht leiden, kann das einen heftigen Schub auslösen. Sie können die großen Mengen an Harnsäure nicht komplett über die Nieren ausscheiden. Harnsäurekristalle setzen sich ab und verursachen zwischen den Zehengelenken und an den Fingern die typischen Gichtschmerzen und Schwellungen.

Ungünstig auswirken kann sich das junge Gemüse bei Nierenkranken. Durch das im Spargel enthaltene Asparagin steigt der Harnsäurespiegel an und reizt die Nieren der Betroffenen zusätzlich. Schlecht ist für Patienten mit fortgeschrittener Nierenschwäche auch der hohe Kaliumgehalt. "Menschen, die Probleme mit Nierensteinen haben, kann ich nicht empfehlen, ausgiebig Spargel zu essen", warnt Oecotrophologin Meier. Der Grund dafür liegt in der Oxalsäure, die in diesem Frühlingsgemüse steckt. Besonders derjenige, der weiß, dass er zu Kalziumoxalatsteinen neigt, sollte auf die zusätzliche Oxalsäure verzichten.

Zunutze machen können sich Frauen, die unter dem prämenstruellen Syndrom leiden die entwässernde Wirkung des Spargels. Für sie hat Heike Meier noch einen Tipp: "Es lohnt sich auszuprobieren, ob durch den Verzehr von Spargel die eingestauten Wassereinlagerungen verringert werden".

(wat)
 
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