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Dauerdiät und nichts als Proteinshakes?
So ernährt sich ein Personal Trainer wirklich

RP-Personal Trainer Uwe Felten verrät seinen Ernährungsplan
Düsseldorf . Schlank und durchtrainierte Muskeln - Personal Trainer sehen immer perfekt aus. Nur wie machen die das bloß? Unser Personal Trainer Uwe Felten gewährt Ihnen einen Blick hinter die Kulissen und zeigt im Video, was und wie viel er an einem ganz normalen Tag isst.

Worauf muss ein Personal Trainer bei seiner Ernährung besonders achten?

Felten: Zunächst muss ein Fitness-Trainer, der sehr viel mit Kunden zusammen trainiert darauf achten, dass er leistungsfähig bleibt. Das bedeutet, dass ich an starken Tagen nicht nur mein eigenes Programm trainiere, sondern auch noch zwei bis drei Stunden "mit" den Kunden. Das erfordert zumindest dahingehend etwas Planung, dass ich aufpassen muss, nicht in ein "Hungerloch" zu fallen. Also muss ich eine dauerhafte, über den Tag gleichmäßig verteilte Protein- und Kohlenhydratzufuhr gewährleisten. Dabei achte ich besonders auf die Proteine, denn die Muskulatur ist ja quasi mein Arbeitsmaterial. 

Uwe Felten (43) war in seiner Jugend erfolgreicher Tennis- und Handballspieler. Nach dem Ende seiner Karrieren beschäftigte er sich privat weiter intensiv mit Sporttheorie, Trainingslehre und Ernährung. Aus- und Weiterbildungen absolvierte er an diversen Sport-Instituten. Inzwischen arbeitet er im Newsroom von RP Online mit und ist der Personal Trainer der Rheinischen Post. FOTO: Uwe Felten

Ernährst du dich denn anders, als du es deinen Schülern empfiehlst?

Felten: Die Menschen, die ich trainiere, müssen sich um eine langfristige Versorgung mit Nährstoffen keine Sorgen machen, denn im besten Fall haben sie vom Personal Trainer einen Ernährungsplan bekommen, dem sie stur folgen können. Der ist natürlich nicht so streng wie mein täglicher Plan, weil ich eben wie schon gesagt wesentlich mehr trainiere als jemand, der zwei oder drei Mal in der Woche zu mir ins Training kommt.

Im Video sagst du, dass du fast zwei Jahre gebraucht hast, um deinen perfekten Ernährungsplan auszutüfteln. Das ist ja eine ziemlich lange Zeit.

Felten: Das stimmt, das ist eine lange Zeit. Aber der Körper ist auch ein sehr fein abgestimmtes System. Er funktioniert und bewegt sich zwar innerhalb fester Parameter wie Stoffwechsel, Atmung, Ernährung, Verdauung und Schlaf,  aber innerhalb dieser Leitplanken kann an unglaublich vielen Stellschrauben gedreht werden. Die große Kunst ist es, herauszufinden, welche Schraubendrehung für den eigenen Körper wichtig ist. Bei vielen Dingen merkt man das sehr schnell, zum Beispiel, wenn man mal einen Tag lang komplett auf Kohlenhydrate verzichtet. Dann wird schnell deutlich, wie das Hirn ganz rapide an Leistungsfähigkeit verliert. Viel länger dauert es, bis man die perfekte Menge an Protein, Fett und Kohlenhydraten gefunden hat, die einen ohne Einbrüche und Leistungseinbußen ans Ziel bringen. Das geht nur mit einem Ernährungs- und Befindlichkeitstagebuch. Bei mir hat es so lange gedauert, weil ich vieles ausprobiert habe – auch viele Extreme wie "No Carb" oder "No Fat". Letztendlich hat sich für mich eine modifizierte "Low Carb"-Variante als perfekt herausgestellt. Eine pauschale "Zauberformel", die auf Anhieb für jeden passt, gibt es aber leider nicht.

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Warum hast du dich für diese Ernährungsweise entschieden?

Felten: Weil sie mich eine Balance zwischen recht kraftvoller und doch, wie ich glaube, ästhetischer körperlicher Verfassung und intellektueller Leistungsfähigkeit halten lässt. Neben der Trainertätigkeit arbeite ich schließlich mehrheitlich noch mit meinem Kopf – und der braucht ebenso wie die Muskulatur einen bestimmten Treibstoff. Mein aktueller Plan lässt mich beides sehr gut erreichen. Ich weiß aber auch: ein "Mr. Olympia" im Bodybuilding werde ich mit diesem Plan nicht.

Im Video zeigst du ja sehr genau, was du über den Tag isst und es wird schnell klar, dass du eigentlich die ganze Zeit auf Diät bist. Wie lange machst du das denn schon?

Felten: Inzwischen ernähre ich mich seit ungefähr sieben Jahren so.

Und wie ist die Laune so, wenn man sich seit sieben Jahren auf Dauer-Diät befindet?

Felten: Ach was heißt schon "Dauer-Diät"? Hunger ist auch nur ein Gefühl... (lacht) Nein, im Ernst, an sehr anstrengenden Tagen und dem damit verbundenen höheren Kalorienbedarf kann ich durchaus schon mal knurrig werden. Insbesondere direkt nach schwerem Training, wenn alle Reserven aufgebraucht sind, kann ich schon mal recht, ich sage mal, fokussiert aufs Essen sein (zwinkert). Aber es gibt ein paar Tricks: Pfefferminzdrops zum Beispiel, natürlich ohne Zucker, dämpfen das Hungergefühl ganz gut. Und natürlich auch viel Wasser, wenn es dem Magen suggeriert, dass er voll ist. Und die Laune hebt sich spätestens dann wieder, wenn ich das Ergebnis meines Lebensstils sehe und spüre. Wenn ich merke, wie viel Lebenskraft in mir steckt, wie gesund und leistungsstark ich mich fühle.

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Was isst du, wenn du dir etwas gönnen willst?

Felten: Ich liebe Schokolade – schon immer. Und der Verzicht darauf fällt mir ehrlich gesagt schon manchmal schwer. Wenn ich mir also etwas gönne - was durchaus auch schon mal vorkommt - dann darf es ein gutes Stück Zartbitter sein. Meine zweite große Liebe ist selbstgemachter Nusskuchen.

Gibt es etwas, auf das du in deiner Ernährung komplett verzichtest?

Felten: Ich verzichte - abgesehen von meinen Proteinriegeln - komplett auf Fertigprodukte. Das liegt daran, dass ich hier einfach kaum noch nachvollziehen kann, in welcher Weise das Lebensmittel bearbeitet wurde, was und wie viel an Konservierungsstoffen und so weiter zugesetzt wurde. Ich koche jeden Tag frisch. Und ich verzichte komplett auf Fleisch-, Geflügel- und Wurstwaren.

Letzte Frage: Wie sieht es denn mit Getränken aus. Wer viel trainiert, der muss doch auch viel trinken, oder?

Felten: Ja absolut, trinken ist sogar ein sehr wichtiger Punkt. Ich trinke drei bis vier Liter jeden Tag. Davon sind 75 Prozent Wasser und der Rest ist Cola Zero für den Geschmack. Was soll ich sagen, ein Laster gönn' ich mir... (lacht).

Was Uwe Felten genau an einem ganz normal Tag ist, zeigt er hier im Video.

Das Gespräch führte Susanne Hamann.

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