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Was Erkältungsviren anrichten können
Trotz Schniefnase zum Sport?
Was Erkältungsviren anrichten können: Trotz Schniefnase zum Sport?
Wegen einer Erkältung zu pausieren, das halten viele für unnötig: Jeder Dritte trainiert weiter und riskiert die Gesundheit. FOTO: TK
Düsseldorf. Schniefnasen und das Gefühl von Reibeisen im Hals sind zu dieser Jahreszeit nicht ungewöhnlich. Sie sind für jeden unangenehm. Doch wegen einer Erkältung auf den Sport verzichten? Ist das nötig?

Mehr als jeder dritte Sportler trainiert trotz einer Erkältung weiter. 60 Prozent von ihnen würden sich dabei auch mit Arzneimitteln auf die Sprünge helfen. Das zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK). Damit riskieren sie ihre Gesundheit. Denn wenn sich die Erkältungsviren im Körper ausbreiten, droht eine lebensgefährliche und fast symptomlose Herzmuskelentzündung.

Nach Schätzungen des Deutschen Grünen Kreuzes wird bei einem bis fünf Prozent aller viralen Erkrankungen auch das Herz in Mitleidenschaft gezogen. Ist das dem Betroffenen nicht klar, kann es durch die Herzmuskelentzündung zum plötzlichen Herztod kommen. Schon viele Spitzenathleten ereilte dieser Tod ahnungslos. Der 29-jährige Starbootsegler Tim Jacobs, der im Mai vollkommen unerwartet verstarb, ist ein prominentes Beispiel dafür.

Nur jeder Zweite macht Sportpause

Besonders die jüngeren Sportler zwischen 18 und 25 Jahren lassen sich laut Forsa-Umfrage durch eine Erkältung nicht bremsen: Nur jeder Zweite legt eine Sportpause ein, um den Infekt komplett auszukurieren. Genauso sieht es bei den Senioren ab 66 Jahren aus. Auch von ihnen gab nur gut jeder Zweite an, erst nach Abklingen der Symptome wieder mit dem Sport zu beginnen.

"Auch bei einem leichten Schnupfen sollte man kein Risiko eingehen und am besten eine sportliche Pause einlegen", erklärt Uwe-Folker Haase, Diplom-Sportwissenschaftler bei der TK. "Stattdessen könnte man einfach mal nur einen Spaziergang an der frischen Luft unternehmen. Wer absolut nicht auf Sport verzichten möchte, sollte auf jeden Fall ein paar Gänge runterschalten und nur leicht trainieren, zum Beispiel mal nur 20 Minuten anstatt einer Stunde Joggen. Bei Fieber und Grippe allerdings sei Sport absolut tabu. Der Körper ist geschwächt, das Immunsystem arbeitet auf Hochtouren. Wer jetzt noch seinen Organismus mit Training belastet, riskiert seine Gesundheit", so Haase.

Medikamente verschärfen Situation

Besonders wenn Medikamente mit ins Spiel kommen, ist Vorsicht geboten. Schmerz- und fiebersenkende Mittel lindern zwar die Symptome, heilen aber nicht. So hat der Patient das Gefühl gesund zu sein, verschleppt den Infekt aber nur – mit teilweise gravierenden Folgen.

Die häufigsten Verursacher von Herzmuskelentzündungen sind ganz normale Erkältungsviren. Und auch Streptokokken, die Haupterreger bei Mandel-entzündungen, können zu Infekten an der Herzinnenhaut oder den Herzklappen führen, wenn die Mandelentzündung nicht konsequent auskuriert wurde. Deswegen ist es wichtig, jede Erkältung ernst zu nehmen und so lange zu pausieren, bis der Organismus wieder ganz fit ist.

Symptome wie anhaltende Müdigkeit, Brustschmerzen bis hin zu Atemnot, Herzrasen oder Herzstolpern können auf eine Herzmuskelentzündung hindeuten. Über Blut- oder Ultraschalluntersuchungen lässt sich beim Kardiologen zweifelsfrei feststellen, ob eine Herzmuskelentzündung vorliegt.

Wann und wie man wieder mit dem Sport beginnt, sollte der Patient am besten gemeinsam mit seinem Arzt entscheiden. Generell gilt: Je schwerer der Infekt, desto länger die Pause. Für Sportler, die ihre Trainingseinheiten langsam wieder steigern wollen, empfiehlt sich auch eine sportmedizinische Untersuchung.

Quelle: wat/anch
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