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Eins werden mit sich und der Welt
Was Menschen an Yoga fasziniert
Sieben Fakten über Yoga
Sieben Fakten über Yoga FOTO: dapd
Düsseldorf (RPO). Das Erfolgsgeheimnis vieler Menschen für mehr Zufriedenheit im Alltag heißt oft: Yoga. Rund fünf Millionen Menschen schwören in Deutschland darauf. Tendenz steigend. Was muss man als Anfänger beachten?

Ein stressiger Alltag macht nicht nur dem Geist zu schaffen. Häufig ist auch der Körper in Mitleidenschaft gezogen - Verspannungen und Unzufriedenheit sind die Folge. Sich wohler und zufriedener fühlen, entspannt sein und rundherum ein gutes Gefühl für den eigenen Körper haben. Das klingt wie eine kaum zu verwirklichende Wunschvorstellung.

Doch Yoga kann Abhilfe schaffen. Dafür sind nicht einmal komplizierte Verrenkungen nötig, wie sie manchmal in Yogabüchern zu finden sind - etwas Geduld allerdings schon. "Yoga ist ein Übungssystem, das sich mit dem ganzen Menschen beschäftigt", sagt Angelika Beßler vom Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland (BDY). "Es geht darum, zu lernen, ein zufriedenes, glückliches Leben zu führen." Dafür könne jeder selbst etwas tun. Allerdings dürfe niemand erwarten, die Lösung aller Probleme auf einem Silbertablett serviert zu bekommen.

Körperübungen und Atemtechnik

Vielmehr ist Selbstwahrnehmung ein wichtiger Bestandteil des Yoga. Das lässt sich für Anfänger vor allem durch Körperübungen erreichen, sogenannte Asanas. "Über die Asanas ist es möglich, mich mit meinem äußeren Rahmen zu arrangieren: Wo sitzen Verspannungen? Wie kann ich die lösen?", erläutert Beßler. Ein weiterer Punkt sei der Atem: "Er spiegelt sehr viel schneller als der Körper, wie es mir geht", erklärt sie. "Durch die Atemübungen, die zumeist das Ziel haben, dass der Atem lang, leicht und fließend wird, kann sich der Geist entspannen und ich klarer und bewusster erkennen, was gerade wichtig ist."

Irgendwann kommt dann das Bewusstsein, dass man den ganzen Tag bestimmten Dingen hinterherjagt, ergänzt Evelis Grohmann, für den Deutschen Wellness Verband tätige Yogalehrerin aus Düsseldorf. Und solche "Spannungen im Kopf", Stress in vielen Fällen, gingen eben in den Körper über. Verspannungen sind eine typische Folge - die sich mit Yoga lösen und durch das In-sich-hinein-Horchen vielleicht in Zukunft vermeiden lassen. Denn während der Übungen wird nach innen gespürt, erläutert Grohmann. "Und wenn Sie etwas spüren wollen, müssen Sie innehalten."

Kurs aufsuchen

Wie Beßler und Grohmann rät auch Anna Trökes Yoganeulingen, unbedingt einen Kurs zu besuchen. Die dort vermittelten Übungen sollen helfen, überhaupt erstmal ein Körpergefühl zu entwickeln, erklärt die Buchautorin und Yogalehrerin aus Berlin. "Man sieht sich selbst nicht so gut. Ein Lehrer guckt genau hin und kann ungünstige Haltungsmuster ansprechen." Typische Übungen, die den Anfänger erwarten, sind der Vierfüßlerstand, eine Schulterbrücke in Rückenlage oder die "Kobra" in Bauchlage. Bei der "Berghaltung", einer Gleichgewichtsübung, geht es darum, mit beiden Beinen auf der Erde und damit im Leben zu stehen.

Trökes empfiehlt außerdem, vorher zu fragen, was im Kurs gemacht wird und ob er für Anfänger geeignet ist. Sinnvoll sei zum Beispiel auch, darauf hinzuweisen, dass man sich insgesamt ein wenig steif fühlt oder ein eher sportlicher Typ ist, der sich auspowern möchte. "Wenn der Unterricht gut ist, ist man hinterher regeneriert, nicht erschöpft. Wenn man einschläft, ist man erschöpft." Ist das der Fall, empfiehlt sie, den Kurs zu wechseln. Das gilt auch, wenn der Neuling ein "komisches Gefühl" hat, ergänzt Beßler - zum Beispiel in Bezug auf die Stimme des Kursleiters oder den Übungsraum.

Viel Geduld nötig

"Wer erwartet, ich gehe zehnmal zum Kurs und dann kann ich es, bleibt an der Oberfläche und wird enttäuscht sein", warnt die Vorstandsvorsitzende des BDY. Denn Yoga sei ein lebenslanger Entwicklungs- und Lernprozess, der aus stetem Wiederholen bestehe. Nicht von ungefähr sprechen Experten daher stets vom Übenden.

"Der Umgang mit dem eigenen Körper ist genauso mühsam wie Geige spielen lernen", zieht Trökes den Vergleich. "Lag er sinnbildlich wie eine Geige jahrelang irgendwo herum, muss man erst lernen, dieses Wunderwerk wieder zu nutzen." Sie ermahnt daher angehende Yogis, nicht mit Gewalt alle Übungen sofort beherrschen können zu wollen, sondern "gelassen und liebevoll" mit dem eigenen Körper umzugehen.

Keine Verrenkungen

Ähnlich sieht das Grohmann: "Ein Yogabuch mit fürchterlichen Verrenkungen ist nichts für Anfänger." Sie sollten sich nicht überfordern, sondern eine gute Balance finden zwischen dem, was geht, und dem, was nützt. "Die Übungen sollen ja der Gesundheit und den Selbstheilungskräften dienen." Und zur Selbsterkenntnis gehöre eben auch, zu merken, dass weniger manchmal mehr ist.

Quelle: tmn/jmy/kpl
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