| 07.49 Uhr

Forschung
Das Glück liegt in den Genen

Forschung: Das Glück liegt in den Genen
FOTO: Shutterstock.com/ Subbotina Anna
Köln. Was ist Glück? Und wie kann man es beeinflussen? Diesen Fragen gehen Glücksforscher wie die Kölner Juniorprofessorin Maike Luhmann auf den Grund. Eine ihrer wichtigsten Erkenntnisse: Glück ist vererbbar. Von Tim Specks

Maike Luhmann gehört vermutlich zu den glücklichsten Arbeitnehmerinnen der Welt. Dass die 34-Jährige die meisten ihrer Arbeitstage mit einem Lächeln beginnt, liegt jedoch nicht, wie vielleicht naheliegend, an einem besonders üppigen Gehalt oder einem überaus freundlichen Chef. Vielmehr sind es ihre täglichen, beruflichen Aufgaben, die zu ihrem Wohlbefinden beitragen - Maike Luhmann ist Glücksforscherin. An der Universität zu Köln beschäftigt sie sich mit dem Wohlbefinden anderer Menschen und geht der Frage auf den Grund, was uns wirklich glücklich macht: "Daraus habe ich schon einiges für mein eigenes Leben gelernt", sagt sie.

Glück als Zufall

Der täglichen Arbeit der Wissenschaftlerin liegt eine zentrale Frage zugrunde: Was ist überhaupt Glück? "Wir kennen zwei Bedeutungen des Wortes ,Glück'", erklärt Luhmann. "Zum einen etwa in Sätzen wie ,Da habe ich aber Glück gehabt'. Diese Art von Glück ist aber per Definition Zufall und deshalb nicht wirklich erforschbar. Die Glücksforschung beschäftigt sich vielmehr mit dem Lebensglück jedes Einzelnen. Deshalb spricht man in der Wissenschaft nicht von ,Glück', sondern von ,subjektivem Wohlbefinden'."

Mindestens genauso interessant wie die Definition von Glück ist für die Forschung die Tatsache, dass manche Menschen scheinbar glücklicher sind als andere. Die Unterschiede im subjektiven Wohlbefinden Einzelner entstehen im Wesentlichen durch drei Faktoren. Zum einen sind dies die aktuellen Lebensumstände, zum Beispiel die Zufriedenheit in der Partnerschaft. "Das Interessante: Diese Dinge beeinflussen die Unterschiede im Wohlbefinden nur zu rund zehn Prozent", sagt Luhmann. Entscheidender ist die Persönlichkeit, und gerade diese Erkenntnis birgt Faszinierendes. "Auf die Spitze getrieben kann man sagen, dass Glück vererbbar ist. Es liegt in unseren Genen", erklärt die Forscherin.

Herausgefunden hat dies die Forschung durch Zwillingsstudien. "Eineiige Zwillinge, die getrennt voneinander aufwuchsen, zeigten dieselbe Lebenszufriedenheit." Dies lege nahe, dass das subjektive Wohlbefinden vererbbar sei. "Dass die Persönlichkeit unser Wohlempfinden beeinflusst, bedeutet auch, dass glückliche Eltern zumeist glückliche Kinder haben." Apropos: Entgegen einer weit verbreiteten Annahme machen Kinder nicht zwingend glücklich. Im Gegenteil - bei Paaren mit Nachwuchs lässt sich oft eine Abnahme des Wohlbefindens beobachten - vermutlich weil die Beziehung leidet. Auch die Annahme, Geld mache nicht glücklich, trifft nicht vollends zu. "Zumindest im unteren Verdienstbereich machen schon kleine Gehaltserhöhungen glücklich."

Nur wenig Einfluss

Diese Erkenntnisse mögen faszinieren, doch zeigen sie auch auf, wie wenig Einfluss Menschen auf ihr eigenes Glück haben. "Die gute Nachricht ist, dass aber auch das, was wir tun, unser Wohlbefinden beeinflusst", sagt die Glücksforscherin, die sogar ein paar Tipps hat, wie man sein Glück provozieren kann. "Menschen, die regelmäßig aufschreiben, was ihnen Gutes widerfahren ist und dafür Dankbarkeit empfinden, sind glücklicher."

Ist der Mensch also doch seines Glückes Schmied? Ganz so einfach ist es leider nicht. Zwar macht es glücklich, sich Gutes vor Augen zu führen, doch verlieren gute Dinge nach kurzer Zeit ihren Glanz. Dieses Phänomen bezeichnet man als "hedonistische Tretmühle". "Oft befindet man sich in einer Art Hamsterrad. Ein neues Smartphone macht kurz glücklich, doch bald hat man sich daran gewöhnt und kehrt zum ursprünglichen Wohlbefinden zurück", sagt Luhmann. Beruhigend: Dieser Effekt ist auch in die andere Richtung zu beobachten, beispielsweise nach einer Trennung - irgendwann verblasst auch der Herzschmerz wieder. Den ursprünglichen Gemütszustand, also das Level des Wohlbefindens, von dem wir durch positive oder negative Erfahrungen abweichen und auf das wir nach kurzer Zeit zurück gelangen, nennen Glücksforscher "Set Point". "Er ist durch die Persönlichkeit festgelegt. Zwar lässt er sich nicht beeinflussen, doch haben wir durch unsere Taten Einfluss auf die Schwankungen um ihn herum." Doch nicht nur auf das eigene, auch auf das Glück anderer können Menschen Einfluss nehmen - Glück ist ansteckend. Ein gutes Beispiel für die "Contagion" (dt. "Ansteckung"), wie dieses Phänomen genannt wird, sind Ehepartner: Diese nähern sich im Laufe einer Ehe in ihrem Wohlbefinden einander an. "Wird jemand zum Beispiel arbeitslos und deshalb unglücklich, wird es auch der Partner. Interessanterweise ist diese Angleichung nur bei Paaren mit Kindern zu beobachten."

Bedürfnis nach Gemeinschaft

Noch hat die Forschung keine zuverlässige Glücksformel gefunden, sich ihr aber immer weiter angenähert. Eine Theorie besagt, dass das Glück des Einzelnen von drei Grundbedürfnissen abhängt: das Bedürfnis nach Autonomie, also einem selbstbestimmten Leben; das Bedürfnis nach Kompetenz - "es macht glücklich, zu wissen, dass man etwas kann. Das gilt selbst für kleine Kinder", erklärt Luhmann. Zu guter Letzt das Bedürfnis nach Gemeinschaft: Soziale Beziehungen beeinflussen unser Glück. Einsamkeit macht unglücklich.

Egal, wie sehr man sein Glück beeinflusst, ist es am Ende der Tod, der für das größte Unglück im eigenen Leben zu sorgen scheint. Eine Studie mit 16.000 Probanden ergab, dass die letzten Jahre unseres Lebens die unglücklichsten sind. "Seit 1984 wurden die Beteiligten regelmäßig nach ihrer Lebenszufriedenheit befragt. Das Ergebnis: Im Mittel wurden sie in den letzten fünf Jahren vor dem Tod unglücklich, unabhängig von ihrem Alter", so Luhmann. Die positive Konsequenz: "Glück ist keine Sache des Alters."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Forschung: Das Glück liegt in den Genen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.