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Allergien
Was gegen Hausstaubmilben hilft

Tipps bei Hausstaubmilbenallergie
Tipps bei Hausstaubmilbenallergie FOTO: RPO
Düsseldorf. Wer an einer Hausstaubmilben-Allergie leidet, sollte sein Bett sanieren. Wer hier konsequent vorgeht, kann die Belastung durch den Feinstaub der Plagegeister deutlich mindern. Von Wolfram Goertz

Allergiker träumen davon, dass in ihrem Schlafzimmer eine Feinstaub-Plakette hängt: als Auszeichnung für eine geringe Belastung durch Allergene. Für mit 60 Grad gewaschene Bettwäsche. Für Schutzbezüge. Für reichlich Belüftung. Uneins sind sich Allergiker darüber, ob im Schlafzimmer ein Teppichboden liegen darf oder nicht. Wenn ja, dann brauchen sie einen Staubsauger mit speziellem Hepa-Filter. In jedem Fall streiten sich die Betroffenen darüber, ob sie sich auch abends duschen sollten.

Natürlich hat sich - der Leser ahnt es schon - die Hausstaubmilbe ins Leben dieser Menschen gekrallt. Sie gilt vielen als harmlos. Leise und genüsslich verrichtet sie ihr Werk im Untergrund. Allergiker jedoch hassen sie wie die Pest. Milben verbreiten sich nämlich rasend schnell und scheiden Kot aus, der zu Staub zerfällt - zu Feinstaub. Und der dringt durch fast alle herkömmlichen Bettbezüge, wirbelt hoch und schwebt in der Luft.

Dagegen kann der Allergiker fast gar nichts unternehmen, denn er sorgt selbst für das perfekte Milieu. In der dunklen Matratze hinterlässt er morgens nach dem Aufstehen eine hohe Luftfeuchtigkeit und spendiert den Tierchen ausreichend Futter: Von gut einem Gramm der Hautschuppen, die jeder Mensch täglich absondert, können zahllose Milben satt werden. In einer Matratze tummeln sich zwischen 8000 und 25.000 Hausstaubmilben pro Quadratmeter. Da wird ordentlich was umgesetzt.

Der wissenschaftliche Name der Milben-Spinnentiere lautet Dermatophagoides: Hautfresser. Hausstaubmilben ernähren sich tatsächlich von abgefallenen Hautschuppen. Lieber als an frischen labt sich die Milbe allerdings an alten Schuppen, die von Hautfett-Feuchtigkeit durchtränkt sind. Das ist übrigens ein Grund dafür, dass abendliches Haarewaschen das Wohlfühlklima und den Appetit der Milben ein wenig stört. Ihre Produktivität mindert das jedoch nicht. Eine weibliche Hausstaubmilbe lebt etwa 30 bis 100 Tage lang und legt in dieser Zeit zwischen 40 und 80 Eier.

Symptome: Wenn die Nase läuft und die Augen tränen

Die Symptome einer Hausstaubmilben-Allergie sind ganzjährig anzutreffen und saisonal erhöht: vor allem morgens eine laufende und dann wieder verstopfte Nase, störender Niesreiz, verquollene, tränende, juckende Augen. Empfindliche Naturen spüren schon abends beim Betreten ihres Schlafzimmers, dass die Luft dort eine andere ist. Und die folgende Nacht kann für manche überaus unangenehm werden, weil sie nur erschwert durchschlafen können. Im Laufe des Tags bessern sich dann die Symptome.

Das sind keine Ausnahmefälle, im Gegenteil. Fast ein Drittel der 30 Millionen Allergiker in Deutschland reagieren laut Deutschem Allergie- und Asthmabund auf Hausstaubmilben. Dabei gibt es jahreszeitliche Schwankungen. Optimale Lebensbedingungen für die Tiere entstehen bei einer Raumtemperatur ab 25 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 65 Prozent. Folglich vermehren sich Hausstaubmilben hierzulande zwischen Mai und Oktober am effektivsten. Sinkt mit Beginn der Heizperiode im Spätherbst die Luftfeuchtigkeit, stirbt ein Großteil der Milben ab und verursacht dadurch - angehäufter Kot plus frei werdende Allergene aus dem Körperinneren der Milben - den Gipfel der Beschwerden. Das ist jetzt.

Andere Erkrankungen wie etwa Atemwegsinfekte können eine Hausstaubmilben-Allergie überdecken. Sie wird dann bei Kindern von den Eltern oft nicht erkannt. Wenn Kinder ab dem zweiten Lebensjahr sehr häufig an Erkältungen leiden, könnte ihre erhöhte Anfälligkeit auch mit einer Allergie zusammenhängen, da allergische Reaktionen die Schleimhäute für Infekte anfälliger machen. Und später im Leben droht die Gefahr, dass sich bei Allergikern der "Etagenwechsel" einstellt: Dann greift die Allergie auf die unteren Atemwege über, und allergisches Asthma ist die Folge.

Wie sich Allergiker am besten Linderung verschaffen

Tatsächlich ist die Sanierung des Schlafzimmers der erste und beste Weg, den Allergiker einschlagen sollten. Alte Matratzen sind fabelhafte Ökosysteme für Milben; sie sollten nach fünf bis sechs Jahren ausgewechselt werden. Das Absaugen bringt nur wenig, weil die Kraft oft zu gering ist, um die verkrallten Viecher aus dem Gewebe zu ziehen. Die Kosten für spezielle Überzüge werden, sofern die Milben-Allergie vom Arzt zweifelsfrei nachgewiesen wurde, gegen Rezept von den meisten Krankenkassen erstattet. Kopfkissen und deren Bezüge sollten regelmäßig bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. Und nach dem Aufstehen sollte gelüftet und die Bettdecke hochgeschlagen, besser noch in einen anderen Raum gebracht werden. Dies müssen unbedingt die nichtallergischen Familienmitglieder machen; das betrifft auch das Staubsaugen.

Diese Form der Reinigung einer Wohnung ist übrigens eine eigene Wissenschaft. Viele Staubsauger saugen zwar den groben Schmutz mehr oder weniger gut auf, pusten aber den Feinstaub durch die Filter wieder in die Raumluft, vor allem, wenn das Gehäuse der Sauger selbst nicht ganz dicht ist. Die Bezeichnung "Mikrofilter" ist meistens irreführend, denn Feinstaub ist eben nicht Feinstaub. Nur spezielle Hepa-Filter schaffen es, die Allergene des Milbenkots zuverlässig im Innern des Geräts zu behalten.

Ein Streichelzoo mit Zwillings-Kuscheltieren

Kinder sind ein Fall für sich, denn ihre Kuscheltiere sind optimal auch für Milben. Wichtig ist es, die Stofftiere zur Milbenabtötung regelmäßig bei mindestens 60 Grad zu waschen. Man kann sie auch zwölf Stunden in die Tiefkühltruhe legen und danach bei reduzierter Temperatur waschen. Das Waschen ist dabei ganz wichtig, denn die Tiefkühlung tötet zwar die Milben ab, doch erst durch das Waschen werden die Allergene entfernt. Kluge Eltern kaufen vom Lieblingsstofftier zwei Exemplare, damit das Kind den Austausch (hoffentlich) nicht bemerkt.

Hochgebirgsaufenthalte empfinden viele Allergiker als kolossale Linderung. Eine Studie der Universität Amsterdam fand zudem heraus, dass ein Höhenaufenthalt in Gegenden über 1200 Metern auch Menschen mit asthmatischen Beschwerden hilft, unabhängig davon, ob sie durch eine Allergie gegen Milbenallergene ausgelöst sind. Bringen alle Therapien nichts, wird der Allergologe eine Hyposensibilisierung als Injektionstherapie überlegen. Dies gilt mittlerweile als erprobter Ansatz bei schweren Fällen.

Völlige Milbenfreiheit ist illusorisch. Aber wer konsequent gegen die Plagegeister und ihren Feinstaub vorgeht, hat viel gewonnen. Seine Nase zeigt ihm schon schnell, ob der Weg der richtige ist.

Quelle: RP
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