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Nach den Unwettern
NRW muss mit großer Mücken-Plage rechnen

Die zehn häufigsten Irrtümer über Mücken
Die zehn häufigsten Irrtümer über Mücken
Düsseldorf. Starkregen und schwülwarmes Klima - für Mücken waren die Unwetter der vergangenen Wochen exzellente Voraussetzungen für eine rasante Vermehrung. Experten sprechen daher von einer bevorstehenden Plage. Von Marcel Romahn

Entscheidenden Einfluss auf die Vermehrung der Mücken hat das Wetter besonders in den Monaten April und Mai. "Zu diesem Zeitpunkt sind die Insekten jedes Jahr sehr aktiv und legen viele Eier", sagt Egbert Tannich, Parasitologe am Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. "Dann herrschen Außentemperaturen von 15 bis 20 Grad. Es wird langsam wärmer und es kommt häufiger zu lang anhaltendem Regen - ideale Bedingungen."

Mücken entwickeln sich vorzugsweise in ruhenden Gewässern, also Teichen, Sümpfen, aber auch in größeren Wasserpfützen. "Dort legen sie ihre Eier ab", sagt Tannich. "Im Wasser schlüpfen dann die Larven." Auf trockenen Wiesen könnten Mückeneier teils jahrelang liegen, ohne dass Larven schlüpfen. "Wenn die Wiese jedoch durch Regenfälle geflutet wird, entsteht ein zusätzlicher Lebensraum für die Insekten", so Tannich. "Dadurch schlüpfen dann entsprechend mehr Larven."

Das hilft gegen Mücken FOTO: dpa, bsc wok fpt tmk

Somit bieten auch die Gebiete, die vom Unwetter stark betroffen waren - vorzugsweise Süddeutschland, aber auch NRW - optimale Voraussetzungen für eine deutlich erhöhte Mückenentwicklung. "In Norddeutschland, wo es keine massiven Regenfälle gab, wird man davon nichts merken", sagt Tennich.

Keine vermehrte Infektionsgefahr

Insgesamt 3500 Mückenarten haben Wissenschaftler weltweit ausgemacht. In Deutschland seien inzwischen 50 Arten gefunden worden. "Die jüngsten Arten sind der japanische Busch-Moskito, der sich seit 2008 in Baden-Würtemberg ausbreitet, und in jüngster Vergangenheit die asiatische Tigermücke", so der Experte.

Eine erhöhte Gefahr durch Infektionen, die von Mücken aus anderen Ländern eingeschleppt werden - etwa das Zirka-Virus sowie Westnil-, Dengue- oder Chikungunya-Fieber - sieht Tennich nicht. "Es wird wahrscheinlich mehr Mücken geben", sagt er. "Das heißt jedoch nicht, dass sich dadurch mehr Krankheiten übertragen." Bürger können trotzdem mit dem Einsenden von Mücken-Exemplaren Forschern dabei helfen, Krankheitsrisiken abzuschätzen.

Denn: Die Ausbreitung von Infektionen durch Mücken sei auch von der Anzahl der Infizierten in einem Land abhängig. "Da diese Fälle in Deutschland jedoch sehr gering sind, ist mit einer Verbreitung nicht zu rechnen", sagt Tennich.

Juckende Mückensticke werden also weiterhin das größte Ärgernis bleiben. Die Ratschläge des Wissenschaftlers sind daher simpel: Abends draußen lange Kleidung tragen, nicht kratzen, ausreichend kühlen und keinen Schmutz in die Stiche eindringen lassen.

 

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