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Sprechstunde
Krankhaftes Schwitzen

Zehn Prozent der Bevölkerung leiden an übermäßiger Schweißproduktion. Hautärzte nennen das Hyperhidrose.

Unser Leser Klaus S. (24) aus Viersen-Süchteln fragt: "Ich leide unter starkem Schwitzen, und das ist mir sehr unangenehm. Was kann man dagegen tun?"

Gisela Hubbes Schweiß ist für unsere Wärme-Regulation enorm wichtig. Er bildet eine feuchte Schicht auf der Körperoberfläche und sorgt durch Verdunstung für Abkühlung. Außerdem bildet er mit dem Talg aus Talgdrüsen den Hautschutzfilm, der uns vor äußeren Einflüssen schützt. Zwei Millionen Schweißdrüsen sind über den Körper verteilt, am dichtesten besiedelt sind Handteller, Fußsohlen und Achselhöhlen. Unter normalen Bedingungen wird rund ein halber Liter Schweiß pro Tag erzeugt, unter Extrembedingungen wie beim Sport oder an heißen Tagen können es bis zu fünf Liter sein.

Sie sind nicht allein: Zehn Prozent der Bevölkerung leidet an übermäßigem Schwitzen (Hyperhidrose). Dabei unterscheidet man zwischen primärem und sekundärem Schwitzen. Die genetische Veranlagung spielt eine große Rolle. Sekundäres Schwitzen hat seine Ursache im Vorliegen einer Erkrankung. Dies können Hormonstörungen, Wechseljahresbeschwerden, Diabetes und Schilddrüsenleiden sein. Übergewicht und Nebenwirkungen von Medikamenten kommen hinzu.

Findet man keine Ursache, spricht man von primärer Hyperhidrose. In solch einem Fall kann man hier nur die Symptome angehen. Zunächst versucht man es mit einem Antiperspirant, einem Spezialmittel gegen übermäßiges Schwitzen. Dabei spielt der Anteil von Alumiumchlorid in den Deos eine große Rolle. Dieser Wirkstoff soll angeblich Brustkrebs oder Alzheimer auslösen. Beweise dafür liegen nicht vor.

Medikamente, sogenannte Anticholinergika, schränken das Schwitzen ein, haben aber, da sie das vegetative Nervensystem beeinflussen, Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit und Herzrasen. Schweißhände und -füße werden in der Hautarztpraxis mit der Leitungswasser-Iontophorese behandelt. Stellt sich ein Behandlungserfolg ein, übernehmen Krankenkassen einen Teil der Kosten bei der Anschaffung eines Heimgerätes.

Für den Achselbereich kommen operative Verfahren in Betracht, wie etwa die sogenannte Saugkürettage, bei der durch einen Hautschlitz die Schweißdrüsen entfernt werden. Eine effektive, aber nicht sehr preiswerte Maßnahme ist das Injizieren von Botulinumtoxin. Hierbei werden die Kontakte zwischen Schweißnerven und -drüsen vorübergehend unterbrochen. Der Effekt hält zwischen sechs und zwölf Monate an. Man hat beobachtet, dass nach mehreren Sitzungen die Drüsen immer weniger "feuern". Diese Methode ist wenig belastend und zeigt einen sofortigen Effekt.

Quelle: RP
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