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Leukämie - wenn der Krebs durch die Adern fließt

Rund 11.500 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an Leukämie, auch Blutkrebs genannt. Die Überlebenschancen sind nicht schlecht, wenn rechtzeitig behandelt wird. Von Susanne Hamann

Blutbahnen durchziehen den menschlichen Körper wie Flüsse die Natur. Ohne sie kann kein Organ funktionieren. Entsprechend gefährlich wird es, wenn plötzlich zu viel Geröll mitgeführt wird: Es drohen Verschmutzung und Unterversorgung.

Passiert das im Körper, sprechen Ärzte von Leukämie, der schwersten Form von Blutkrankheit, die auch "Blutkrebs" genannt wird.

Was passiert bei Leukämie?

Im Blut schwimmen verschiedene Zellen, die regelmäßig im Knochenmark nachgebildet werden. Bei einer Leukämie ist dieser Prozess gestört, und es werden unreife, nicht funktionsfähige weiße Blutkörperchen (Leukozyten) gebildet. Außerdem kommt es zu einer rapiden Vermehrung der weißen Blutkörperchen, deretwegen die Krankheit auch Leukämie, also "weißes Blut", genannt wird. In der Folge werden andere Anteile des Blutes - gesunde Leukozyten, rote Blutkörperchen (Erythrozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten) - immer weiter verdrängt. Auch in den inneren Organen können sich die mutierten Leukozyten ansammeln und sie in ihrer Funktion stören.

Welche Symptome zeigen sich?

Es gibt verschiedene Formen von Leukämie, die auch unterschiedlich verlaufen. Guido Westerwelle, der ehemalige Außenminister und FDP-Vorsitzende, beispielsweise, litt an einer akuten Form des Blutkrebses, der sogenannten myeloischen Leukämie (AML). Die Krankheit schreitet binnen weniger Wochen stark voran. Symptome, die fast alle Leukämie-Patienten zeigen, sind extreme Müdigkeit und Blässe. Sie leiden außerdem unter diffusen Schmerzen in Knochen sowie Gelenken, und es kann zu häufigem Nasenbluten kommen. Im Ultraschall zeigt sich oftmals eine vergrößerte Milz, zudem schwellen die Lymphknoten an. Da die weißen Blutzellen auch Teil des Immunsystems sind, wird die Abwehr stark geschwächt. Es kommt zur Anfälligkeit für Infektionen.

Welche Formen von Leukämie gibt es?

Unterschieden wird zwischen chronischen und akuten Verläufen. Bei einer chronischen Leukämie schreitet die Krankheit langsam voran und baut sich über mehrere Jahre auf. Dadurch bleibt der Blutkrebs zu Beginn oft unbemerkt. Zudem wird zwischen der myeloischen und der lymphatischen Leukämie (ALL) unterschieden. ALL tritt allerdings meistens bei Kindern unter fünf Jahren auf und nur selten bei Erwachsenen. Blutkrebs ist die häufigste Krebseerkrankung bei Kindern unter 15 Jahren.

Wie kommt es zu der Erkrankung?

Leukämie ist eine seltene Erkrankung. Rund 11.500 Menschen werden jährlich damit diagnostiziert. Zum Vergleich: Bei etwa 71.000 Frauen wird innerhalb eines Jahres Brustkrebs festgestellt.

Die genauen Ursachen für Leukämie konnten bislang jedoch nicht geklärt werden. Sicher ist, die meisten Patienten sind mittleren Alters, und Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Nur vermutet wird dagegen, dass die Gene eine wichtige Rolle spielen. Experten gehen hier von einer Art zufälligem Fehler bei der Zellteilung aus. Das Deutsche Krebsforschungszentrum benennt auch einige Risikofaktoren. Dazu gehört hochdosierte Strahlung, wie sie etwa bei einer Strahlentherapie auftritt, manche Lösungsmittel wie etwa Benzole sowie einige bei der Chemotherapie verwendete Krebsmedikamente. Eine Vorbeugung ist demnach allerdings kaum möglich.

Wie wird Leukämie behandelt?

Untersucht wird Leukämie durch einen Bluttest und eine Knochenmarksanalyse. Kommt es zur Diagnose Blutkrebs, muss schnell gehandelt werden, damit sich die abnormalen weißen Blutkörperchen nicht zu stark ausbreiten können. Passiert dies nicht, kann es sein, dass Patienten innerhalb weniger Tage sterben.

Die wichtigste therapeutische Maßnahme besteht in mehreren Runden Chemotherapie, mit der die weißen Blutkörperchen zurückgedrängt werden sollen. Reicht das nicht, kann eine Stammzelltransplantation helfen. Eine Garantie bietet diese Behandlung jedoch nicht. Auch Guido Westerwelle wurden gesunde Blutstammzellen eingesetzt. Trotzdem erlag er im Alter von 54 Jahren den Folgen der Leukämie.

Insgesamt sprechen Experten aber von einer positiven Prognose. Laut Krebsregister leben fünf Jahre nach Ausbruch der Krankheit noch rund 50 Prozent der Patienten. Vor allem das Alter scheint entscheidend: Etwa zwei Drittel der Erwachsenen unter 65 Jahren werden wieder gesund, bei älteren Betroffenen die Hälfte.

Quelle: RP
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