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Gesund schlafen
Wie Sie die richtige Matratze für Ihren Rücken finden

Das sagt Ihre Schlafposition über Sie aus
Das sagt Ihre Schlafposition über Sie aus FOTO: Shutterstock.com/ Twin Design
Düsseldorf. Teure Matratzen sind besser als preisgünstige? Die Zahl der Zonen entscheidet über den Schlafkomfort? Über unsere nächtliche Schlafunterlage gibt es etliche Mythen. Viele davon stimmen gar nicht, etwa die sogenannten Härtegrade. Das Wichtigste zum Matratzenkauf. Von Wolfram Goertz

Bei der Matratze handelt es sich um einen Gegenstand unseres Alltags, um den sich zum Teil gigantische Mythen ranken. Andererseits wird er mit einer Nebensächlichkeit behandelt, als sei die Matratze ein Stuhl oder ein Schrank. Nicht selten wird sie über Jahrzehnte nicht ausgetauscht, nicht gedreht, nicht gewendet. Und dann wundern sich die Leute, dass sie unter chronischen Rücken-, Schulter- und Nackenbeschwerden leiden. Oder Allergien entwickeln.

Wenn sie jedoch den Plan fassen, sich eine neue Matratze zu leisten, dann geraten sie in den Dschungel der Werbung. Kaltschaum besser als Latex? Was ist mit einfachem Federkern? Schlägt das Wasserbett das Boxspringbett? Worauf liegen Übergewichtige am besten? Wie viele sogenannte "Komfortzonen" braucht ein gutes Bett? Braucht es überhaupt welche?

Die Stiftung Warentest hat neulich alle diese Aspekte gebündelt und in einen großen Matratzentest einfließen lassen, der einige überraschende Ergebnisse hervorbrachte. Teure Matratzen sind nicht zwingend besser als billige; Discounter-Matratzen waren nicht schlechter, zuweilen sogar besser als die aus dem Fachgeschäft. Gute Beratung durch geschultes Personal ist ein wichtiger Faktor, man sollte sich allerdings nichts aufschwatzen lassen. Und die auf den Matratzen aufgedruckten Härtegrade stimmen oft nicht. Probeliegen aber ist nie verkehrt.

Es gibt kein Allgemeinrezept Im Prinzip gibt es kein Allgemeinrezept für den optimalen Schlafkomfort und die Matratze, die ihn garantieren soll. Allergiker wissen sowieso, dass für sie bestimmte Regeln gelten; fast genauso wichtig wie die richtige Matratze ist der häufige Wechsel der Bettwäsche und des Matratzenbezugs; manchmal entstehen Allergien auch erst im Bett. Durch regelmäßiges Waschen eines Matratzenbezugs bei 60 Grad werden vor allem Hausstaubmilben abgetötet und allergener Milbenkot aus der Matratze herausgewaschen. Die Bezüge sollten regelmäßig (also alle zwei bis drei Monate) gewaschen werden.

Härtegrade oft uneinheitlich

Matratzen weisen laut Aufdruck des Herstellers sehr unterschiedliche Härtegrade auf: von H1 bis H4, also von sehr weich bis sehr hart. Leider gibt es für Härtegrade keine festgelegten Normen. Stiftung Warentest ist mit einer 140-Kilo-Gramm-Walze über etliche Matratzen gebrettert und hat festgestellt: Die Härtegrade sind in sich überhaupt nicht einheitlich. In jedem Fall ist der Härtegrad vom Gewicht und der Größe des Schläfers abhängig. Gerade für Paare mit unterschiedlichem Gewicht oder Größe können daher zwei einzelne Matratzen besser geeignet sein als eine gemeinsame. Wer ganz sicher gehen will, kann in ein Fachgeschäft gehen, das von der "Aktion gesunder Rücken" zertifiziert wurde.

Eine Matratze sollte unterschiedliche Zonen haben, doch sieben, der angebliche Optimalfall, müssen es nicht sein. Sie sollte im Schulter- und Beckenbereich nachgeben. Wer auf dem Rücken schläft, muss spüren, das das Gesäß einsinken kann. Wer auf der Seite liegt, sollte merken, dass die Taille an der Matratze anliegt und sanft gestützt wird; Schultern und Becken sollten so einsinken, dass die Wirbel am Rücken eine gerade Linie bilden. Das gilt übrigens in besonderem Maße auch für Kopfkissen: Es hat die richtige Größe und Kontur, wenn auch die Nackenwirbel auf Höhe der Wirbelsäule liegen.

Was Matratzen überhaupt können

Und was sind die Unterschiede der Matratzen-Typen? Latexmatratzen werden aus Naturlatex oder aus künstlichem Latex hergestellt und bieten eine gute Punkt-Elastizität. Sie sind allerdings weniger atmungsaktiv als gute Kaltschaummatratzen, weshalb auf eine ausreichende Belüftung zu achten ist; ansonsten drohen Schimmel und Milbenplage. Die Bezeichnung "Kaltschaum" gewährt in der Regel hochelastische, meist auch schadstoffgeprüfte Materialien. Die Dicke der Kaltschaummatratze hängt mit dem Federungskomfort zusammen: Je dicker sie ist, desto mehr Elastizität spendet sie.

Die Federkernmatratze zeichnet sich durch ein kluges System von Stahlfedern aus, die sich flexibel voneinander bewegen. Das umgebende Feinpolster kann aus Wolle, Schaumstoff, Seide oder Baumwolle gefertigt sein. Federkernmatratzen sind besonders günstig durch ihr Raumklima; sie bleiben nämlich relativ kalt. Doch nur wirklich hochwertige (Tonnen-)Taschenfederkernmatratzen weisen jene Punkt-Elastizität auf, die von anderen Matratzen erreicht wird.

Boxspringbetten heißen so, weil sie unter variabler Matratze einen kompakten Unterbau besitzen; das macht das Aufstehen vor allem für ältere Menschen sehr angenehm. Gleichwohl gab es in jüngerer Zeit häufig Beschwerden, dass die Haltbarkeit von Boxspringbetten in keinem Verhältnis zum Kaufpreis stehe. Und durch den fehlenden Lattenrost werde die Mischung aus Nachgiebigkeit und Stütze, die von Orthopäden stets gefordert wird, ebenfalls nicht immer erreicht,

Und das Wasserbett? 

Wasser gewährt angeblich die druckfreie Lagerung von Wirbelsäule, Schulter- und Hüftknochen - so werben die Hersteller. Kaum ein Bettsystem ruft aber - auch aus medizinischer Sicht - so kontroverse Meinungen hervor wie das Wasserbett. Meinen die einen euphorisch, sie schliefen darin wie in Mutters Schoß, so stellt sich bei anderen schon beim Gedanken an die mehr oder weniger schaukelnden Matratzen leichte Seekrankheit ein.

Fest steht: Wichtig für die Regeneration der Wirbelsäule mit ihrer Stützmuskulatur ist die entlastende Lagerung in den Schlafphasen. Beheizte Wasserbetten fördern durch Wärme die Entspannung der Muskeln, indem sie deren Durchblutung fördern und trotzdem den Kreislauf entlasten. Wer unter Rückenschmerzen durch Verspannungen leidet, kann im Wasserbett unter Umständen Linderung erfahren. Auch bei Rheuma-Erkrankungen und bei Arthrosen kann ein Wasserbett sinnvoll sein.

Aber es gibt ja nicht nur Krankheitsbilder, die Wärme benötigen. Wer im Bett oft schwitzt, für den ist ein Wasserbett nicht sinnvoll. Zudem fehlt dem Wasserbett die - wie der Düsseldorfer Orthopäde Paul Dann sagt - "orthopädische Stützung, die nur durch einen Gegendruck von unten, also durch einen entsprechenden Lattenrost und hochelastisches Material in der Matratze, erfolgen kann". In einem Wasserbett finde lediglich eine "Verdrängung des Wassers ohne elastischen Gegendruck" statt.

Wie finde ich einen guten Berater? 

Einen guten Matratzenverkäufer, der vorrangig am Schlafkomfort seines Kunden interessiert ist und nicht am Umsatz, erkennt man daran, dass er nicht - nach dem allenfalls wohlwollenden Test preisgünstiger Modelle - zielstrebig auf die angeblich beste und meist teuerste Matratze zusteuert. Wichtig ist, dass der Kunde unbehelligt von verkäuferischer Souffleurs-Tätigkeit mehrere Matratzen ausprobieren kann und eine fachliche Beratung nur bekommt, wenn er darum bittet. Gute Verkäufer haben Ahnung von Anatomie und weisen auf die Vorteile hin, die auch preisgünstige Modelle besitzen. Wer gut verhandelt, kann auf einer Matratze daheim über mehrere Tage zur Probe liegen.

Quelle: RP
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