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Nicht nur durch Allergene
Birkenpollen reizen durch 1000 verschiedene Substanzen

Birkenpollen 2016 reizen durch rund 1000 verschiedene Substanzen
FOTO: dpa/Patrick Pleul
Düsseldorf . Birkenpollen hängen im Frühjahr in langen orange-gelben Fäden von Bäumen und machen Allergikern das Leben schwer - und zwar ganz anders als Wissenschaftler bislang dachten. 

Schniefen, Triefen, Jucken - Menschen mit Pollenallergie geht es in den Frühlingsmonaten gar nicht gut. Einer der wichtigsten Allergieauslöser sind Birkenpollen. Sie reizen Augen und Nase durch die darin enthaltenen Allergene. Jene Stoffe also, die Überempfindlichkeitsreaktionen in den Schleimhäuten auslösen. In Birkenpollen heißt das Allergen Bet v 1.

Weil die Birkenpollen in der Nase aber nicht nur Allergene freisetzen, wollten Wissenschaftler der Technischen Universität München herausfinden, welche Rolle die anderen rund 1000 Stoffe für Allergien spielen. 

Dafür filterte das Team um Claudia Traidl-Hoffmann die Stoffwechselprodukte von Birkenpollen, bis nur noch nicht-allergene niedermolekulare Substanzen in dem Extrakt enthalten waren. Das sind Stoffe mit besonders kleinen Molekülen. Anschließend brachten die Forscher verschiedene Kombinationen aus Bet v 1 und niedermolekularen Substanzen mit dem Prick-Test auf der Haut von Allergikern auf. Manche Substanzen wurden auch in die Nase gegeben. Das Ergebnis war erstaunlich: 

In allen Tests war die Reaktion der Allergiker deutliche stärker, wenn nicht nur das Allergen, sondern auch die anderen Substanzen der Birkenpollen verabreicht wurden. Auf der Haut traten dann besonders starke Rötungen und Quaddeln auf, in der Nase verursachte die Mischung starke Sekretbildung. Substanzen die nur niedermolekulare Stoffe und gar keine Allergene enthielten, zeigten allerdings keine Wirkung. 

Die Erkenntnis, dass auch nicht-allergene Substanzen in den Pollen Einfluss auf die allergische Reaktion des Körpers haben, könnte Pollen-Therapien in Zukunft grundlegend verändern. Bislang wird in der spezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung) der Pollen mit all seinen Bestandteilen genutzt - wodurch auch niedermolekulare Stoffe in den menschlichen Organismus geraten. 

Denkbar wäre in Zukunft ein biotechnologisches Verfahren mit dem gezielt nur die Allergene verabreicht werden können. So könnte sich der Körper nur daran gewöhnen und müsste nicht zugleich mit anderen entzündungsfördernden Stoffen kämpfen. 

(ham)
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