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Nur eine neue Linse rettet das Sehen
Der schleichende Weg in die Blindheit
So sieht die Welt mit einer Augenerkrankung aus
So sieht die Welt mit einer Augenerkrankung aus FOTO: absv/Friese
Frankfurt a.M.. Der Graue Star kommt schleichend. Erst wenn die Sehkraft erheblich eingeschränkt ist, bemerken viele die Krankheit. Schreitet sie weiter voran, endet sie in der Blindheit. Nur eine OP kann das Augenlicht retten. Von Tanja Walter

Eine Operation wegen des grauen Stars ist der häufigste Eingriff  am Auge. "Jedes Jahr werden in Deutschland rund 800.000 Operationen wegen einer Linsentrübung durchgeführt", erklärt Prof. Dr. Christian Ohrloff, ehemaliger Leiter der Augenklinik des Uniklinikums Frankfurt. Sie werden vorgenommen, wenn der Sehverlust eine kritische Schwelle erreicht hat. Denn behandeln kann man diese Krankheit nicht.

"Katarakta seniles" nennt sich das Augenleiden im medizinischen Fachterminus und lässt bereits Rückschlüsse auf die Entstehungsursache der Krankheit zu. Es ist der Zahn der Zeit, der an der Linse nagt. Mit dem Alter – meist jenseits der 60 – beginnt sie sich bei vielen Menschen aufgrund altersassoziierter Störungen der Linsenernährung zu trüben. Nur in seltenen Fällen leiden schon Kinder oder junge Menschen am grauen Star. "Das in der Regel dann wegen einer genetischen Disposition", erklärt Prof. Ohrloff.

Risiken nicht immer vermeidbar

Doch auch Medikamente können eine Linsentrübung auslösen. Manchmal muss sie billigend bei einer Therapie in Kauf genommen werden. "Bei einem Asthmatiker, der dringend hohe Dosen Kortison benötigt, stellt sich nicht die Frage danach, ob möglicherweise nach einer längeren Behandlungsphase ein grauer Star entstehen könnte", sagt der ehemalige Leiter der Augenklinik und Pressesprecher der Deutschen Opthalmologischen Gesellschaft.

Auch durch Strahlentherapie kann es zum Grauen Star kommen. Die Ursachen im Einzelnen sind jedoch noch nicht geklärt. Doch haben die Forscher viele Faktoren im Auge: So sind wahrscheinlich Veränderungen im Kohlenhydratstoffwechsel und der Energieversorgung des Auges mit an der einsetzenden Linsentrübung beteiligt. "Intensive Bestrahlung mit UV-Licht oder Stoffwechselstörungen kommen als ergänzende Faktoren für die Entstehung des grauen Stars in Frage", erläutert der Augenspezialist.

Die Linse bündelt die aufs Auge einfallenden Lichtstrahlen und sorgt für die scharfe Bildeinstellung auf der Netzhaut. Ist die Linse gesund, ist sie glasklar. Diesen Zustand versuchen Augenärzte operativ mit einer künstlichen Linse nachzustellen, wenn die Trübung der eigenen Linse zu stark wird und der Betroffene sich dadurch irgendwann zu eingeschränkt fühlt. Statistischen Erhebungen zu Folge weisen etwa 70 bis 80 Prozent der über 70-jährigen eine Linsentrübung auf, so die AOK.

Zu Beschwerden muss es nicht zwangsläufig kommen. Da der Sehverlust schleichend verläuft, bemerken viele Betroffene ihn erst recht spät. Ein besonderes Risiko für diesen schleichenden Sehverlust tragen Diabetiker, Patienten, die hohe Dosen Kortison verabreicht bekommen und solche, die bestrahlt werden.

Erste Anzeichen des grauen Stars

Zu Beginn einer Linsentrübung wird diese meist von den Betroffenen gar nicht bemerkt. Hinter einer hohen Blendungsempfindlichkeit am Tag kann eine zart beginnende Linsentrübung stecken, ebenso wie hinter Unscharfem oder verzerrtem Sehen. Wer plötzlich die Welt nur wie durch eine graue Brille wahrnimmt, die Farbwahrnehmung also leidet oder Eindrücke als Doppelbild wahrgenommen werden, können auch das erste Anzeichen für den grauen Star sein.

In manchen Fällen lässt sich die Veränderung an der Linse mit einer neuen Brille verbessern, weil man auf diese Art und Weise die Brechkraft verändern kann. „Wann eine Operation nötig ist, das richtet sich nach den individuellen Ansprüchen“, sagt Pro. Ohrloff aus Erfahrung. So nehmen ältere Menschen den Sehverlust vielleicht länger hin als ein Pilot, der sonst berufsunfähig würde.

Mit der Spaltlampe kann der Augenarzt schmerzfrei erkennen, wie weit die Linsentrübung fortgeschritten ist. Fühlt sich der Patient im Sehen nachhaltig beeinträchtigt, ist die Zeit für den Einsatz einer künstlichen Linse gekommen. Die Katarakt-Operation zählt zu den häufigsten Augenoperationen. Sie ist im augenmedizinischen Bereich eine Routine-OP. Mehr als 90 Prozent aller Patienten können nach Informationen der Deutschen Opthalmoligischen Gesellschaft und des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands nach dem Eingriff wesentlich besser sehen.

OP mit Einschränkung

Leidet der Patient neben dem grauen Star noch an weiteren Augenkrankheiten wie etwa einer Makuladegeneration, einer diabetischen Netzhautkrankheit oder dem grünen Star, ist jedoch absehbar, dass der Patient auch nach der OP nicht mehr zu seiner ursprünglichen Sehfähigkeit zurückfinden wird. In vielen Fällen ist der Eingriff ambulant möglich. Die Augenärzte empfehlen meist zunächst die Operation eines Auges und führen den Eingriff an dem zweiten Auge erst zu einem späteren Zeitpunkt durch.

Umstrittene Hilfsmittel

Sehr Umstritten ist die Wirkung, die bei Sehverschlechterungen diverser Art durch das Tragen einer so genannten Rasterbrille erreicht werden kann. Diese Brillen haben Gläser, auf denen ein kleines, engm,aschiges Punktraster aufgebracht ist. Der Träger schaut wie durch ein dunkles Fliegenschutzgitter. Während Augenärzte dem meist skeptisch gegenüberstehen, schwört mancher auf diese Brillen. "Objektiv gesehen, helfen solche Rasterbrillen nicht", sagt Augenspezialist Prof. Ohrloff. Der Effekt, der sich einstelle entspreche dem des Blinzelns.

Wer einen Gegenstand nicht genau erkennen könne, kneife automatisch die Augen zusammen und focussiere dann anders. Auch was Augengymnastik angehe, sprechen Ohrloff und die meisten seiner augenärztlichen Kollegen  diesen Hilfsmitteln ausschließlich einen subjektiven Nutzen zu, der dem eines Placeboeffektes gleiche. "Allerdings sollte man diese psychologische Komponente nicht unterschätzen", meint der Frankfurter Spezialist. Wer das Gefühl habe, ihm sei geholfen, dem gehe es insgesamt natürlich besser.

Quelle: wat/anch
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