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Tabuthema
Gasalarm im Darm - wann Sie zum Arzt müssen

Blähungen - wann Sie zum Arzt müssen
Übel riechend machen Blähungen nicht nur auf eine falsche Ernährung aufmerksam, sondern können ihre Ursache auch in Erkrankungen haben. FOTO: Shutterstock/kitty
Aachen/Gießen. Jeder hat Gas im Darm. Bis zu vier Liter am Tag entwickeln sich in den Darmwindungen - das kann zu peinlichen Situationen und Druck im Bauch führen. Lesen Sie, wie es zu Gasalarm im Darm kommt und wann Sie damit zum Arzt gehen sollten. Von Tanja Walter

Nach einem üppigem Essen und bestimmten Speisen wundert es keinen, wenn kurz darauf der Darm zu rumoren beginnt. Hülsenfrüchte wie Bohnen oder Erbsen aus Großmutters Eintopf sorgen für eine besonders gasreiche Verdauung. Der Grund dafür: Einige Kohlenhydrate wie Zucker, Stärke oder Rohfasern werden bei einem Fehlen oder Mangel an bestimmten Enzymen im Dünndarm nicht verdaut. Die unverdaute Nahrung gelangt dann in den Dickdarm, wo sich normale Bakterien um die Zersetzung kümmern müssen. Nachteiliger Nebeneffekt: Es entsteht jede Menge Gas.

Nahrungsmittel, die Gas geben

Neben Hülsenfrüchten stehen auch Vollkornprodukte, Kohl, Kraut und Zwiebeln auf der Vermeidungsliste. Zumindest dann, wenn man sicher sein möchte, nicht mit Flatulenzen, wie sie im Fachjargon heißen, aufzufallen. Auch Süßstoffe können zum Übeltäter im Darm werden, denn sie sind in der Lage, Veränderungen der Darmflora hervorzurufen. Selbst Medikamente wie zum Beispiel das Schmerzmittel Diclofenac, Abführmittel oder Blutzuckersenker können als Nebenwirkung Blähungen mit sich bringen.

Was sich bei der normalen Verdauung durch die Nahrung zersetzenden Darmbakterien bildet, wird zum Teil über das Blut in die Lungen transportiert und abgeatmet. Der übrige Teil muss sich allerdings den Weg auf andere Weise nach außen bahnen und bewegt sich gasförmig in Richtung Enddarm. Dort drückt das Gas so lange auf den Darmausgang, bis dieser nachgibt und die Luft entweichen lässt. Mitunter geschieht das mit großem Druck und deutlich hörbar, manchmal auch leise und diskret.

Brennbares zischt mit Hochdruck durch den Darm

Was zu viel ist, ist allerdings zu viel: Gas im Darm kann nicht nur für peinliche Momente sorgen, sondern auch quälende Schmerzen verursachen. Die Gasansammlungen können so arg sein, dass sie bis auf den Brustraum drücken. Erleichterung bringt ausschließlich das, was im Volksmund als "Pups" bezeichnet wird. Während die spezielle Luftmischung die enge Gasse durch den Darm in ungefähr einer halben Stunde passiert, benötigt Nahrung hingegen im Schnitt zwei Tage für den gleichen Weg.

"Da das Gas verschiedene Inhaltsstoffe hat, darunter Stickstoff, Wasserstoff, Ammoniak und Methan, ist es meist nicht geruchsneutral", sagt Prof. Christian Trautwein vom Uniklinikum Aachen. Methan, das unter anderem für das Ozonloch verantwortlich ist, und andere Alkoholverbindungen sind nicht nur übelriechend, sondern auch brennbar. Die menschlichen Abgase sind dabei wie ihre Urheber selbst: höchst verschieden in der Mixtur. "Das hängt mit der unterschiedlichen Darmflora eines jeden zusammen", erläutert der Aachener Experte.

Wenn Nahrungsmittel nicht die Übeltäter sind

Wenn auch Blähungen in der Regel harmlos sind und meist lediglich Ernährungsprobleme dahinter stecken, können sie auch Anzeichen ernsthafter Erkrankungen sein und sich in einer sogenannten Fehlverdauung äußern, bei der statt Enzymem Bakterien die Verdauung übernehmen, sagt der Gastroenterologe und Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Blähungen treten also nicht nur auf, wenn zur falschen Kost gegriffen wurde. "Meist kennt jeder die Nahrungsmittel, nach deren Verzehr er eher mit Darmproblemen rechnen muss", sagt Trautwein. Kommt es jedoch auch zu anderen Gelegenheiten oder andauernd zu den unangenehmen Symptomen, ist Vorsicht geboten.

Wie sehr psychische Faktoren dabei eine Rolle spielen können, zeigen Erkrankungen wie das Reizdarmsyndrom. Menschen, die darunter leiden, schlägt der Stress nicht auf den Magen, sondern auf den Darm. Häufige Stuhlgänge, die wechselnd durchfallartig oder hart sind, Schmerzen, das ständige Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung und abgehende Winde können ein Zeichen des Reizdarmsyndroms sein, von dem nach Angaben der Gastro-Liga rund zehn Prozent der Bevölkerung betroffen sind.

Ebenfalls stressbedingt kann Reflux, also Sodbrennen, auftreten und Blähungen verursachen. Die Ursache hierfür liegt in "Peristaltikstörungen, die entstehen, weil die Nahrung schneller durch den Magen-Darm-Bereich läuft", sagt Prof. Trautwein.

Typisches Zeichen für Unverträglichkeiten

Die unkontrollierte Neigung, dauernd Luft abzulassen, kann auch durch Infektionskrankheiten des Darms ebenso wie Unverträglichkeiten von Laktose, Fruktose, Histamin oder Gluten hervorgerufen sein. Auch Entzündungen der Gallenwege oder Bauchspeicheldrüse führen zu Verdauungsstörungen und in deren Folge Blähungen.

Stellt man beim Stuhlgang glänzende Fettstühle fest, kann das nach Informationen der Gastro-Liga ein deutliches Symptom einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse sein. Durch eine Aufnahmestörung von Fetten und Kohlenhydraten kommt es zu einer Fehlbesiedelung des Dünndarms. Die noch nicht aufgenommenen Nahrungsbestandteile werden im Dickdarm von Bakterien zersetzt. Folgen sind oft Gewichtsabnahme, Schmerzen und Flatulenzen.

Weitgehend unbekannt ist, dass auch eine Herzschwäche Blähungen hervorrufen kann. Ist das Herz nämlich geschwächt, staut sich das Venenblut bis zur Leber und führt zum sogenannten Pfortaderhochdruck. Der wirkt sich auch auf die Verdauung aus. Völlegefühl, Überblähung und mangelnder Appetit können Anzeichen für solche Herzprobleme oder auch Lebererkrankungen sein.

Dann müssen Sie zum Arzt

Besonders Symptome wie plötzlich veränderte Stuhleigenschaften, wie anhaltend weicher oder häufiger Stuhlgang oder Gewichtsverlust gepaart mit Flatulenzen seien Alarmsignale und sollten sofort zum Arzt führen, rät der Aachener Gastroenterologe. Denn in manchen Fällen steckt ein Darmtumor dahinter.

Verschiedene Untersuchungsverfahren helfen oft schnell, die Ursache ausfindig zu machen. "Eine Laktoseintoleranz lässt sich mit einem Atemtest nachweisen, Blut, Entzündungswerte und das Ermitteln von Keimen lassen Rückschlüsse auf andere Erkrankungen zu. Erst wenn der Mediziner hierdurch keine Ursache ausfindig machen kann, kommen weitere Untersuchungen wie ein Ultraschall der Bauchspeicheldrüse in Frage sowie Gastro- oder Koloskopie.

Hilfe aus der Kräuterapotheke

Auch wenn Blähungen lästig und unangenehm sind, sind sie in den meisten Fällen auf falsche Ernährung zurückzuführen und vergehen von selbst wieder, wenn man die Kost etwas umstellt. Wer in die Hausapotheke greifen mag, kann mit Tees aus Pfefferminze, Anis oder Kümmel den Magen-Darm-Trakt kurieren helfen. Sie wirken entkrampfend und besänftigen den Darm, ebenso wie Kräuterauszüge aus Kamille, Angelikawurzel, Mariendistel oder Melissenblätter, die es als Komplexpräparat gibt.

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