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Frauenkunde
Das hilft, wenn der Intimbereich juckt und schmerzt

Brennen und Jucken im Intimbereich das hilft
FOTO: Shutterstock/Barabasa
München. Es brennt, es juckt - und der Geschlechtsverkehr ist mitunter schmerzhaft: Eine trockene Scheide kann für betroffene Frauen eine echte Qual sein. Doch solche Beschwerden lassen sich oft von vornherein verhindern.

Es ist ein Tabuthema. Über ihre trockene Scheide spricht kaum eine Frau. Die Betroffenen sind in den Wechseljahren - oft aber auch jünger. Bei ihnen kommt es nicht nur beim Sex zu einem unangenehmen bis schmerzhaften Empfinden. Auch im Alltag können Beschwerden wie Jucken und Brennen im Vaginalbereich oder Ziehen im Unterleib auftreten. "Die Ursachen einer trockenen Scheide sollten medizinisch genau abgeklärt werden", rät Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte.

Normalerweise setzen die Schleimhautzellen in der Vagina eine Flüssigkeit frei. Dieses Sekret sorgt in der Scheidenflora für die richtige Umgebung der natürlichen Milchsäurebakterien - diese verhindern, dass sich krankmachende Keime vermehren. Ist die Scheide zu trocken, kommt es häufiger zu Einrissen in der Schleimhaut, die schmerzen und in die Keime eindringen können. "Wenn die Scheide dauerhaft schmerzt oder juckt, muss bei einer gynäkologischen Untersuchung abgeklärt werden, ob eine Infektion mit Bakterien oder Pilzen vorliegt", erläutert Albring. Wenn der Erreger bekannt ist, lässt sich etwa mit Salben gezielt dagegen vorgehen.

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Auch hormonelle Schwankungen können eine trockene Vagina verursachen. So nimmt bei einem Mangel an Östrogenen die Produktion von Scheidensekret ab. "Das ist zum Beispiel in den Wechseljahren, aber auch bei einer Chemo- oder Antihormontherapie nach einer Brustkrebsoperation der Fall", sagt die Frauenärztin Angelika Ruß, Mitglied im Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin. Ob wirklich ein Östrogenmangel Auslöser für die Scheidentrockenheit ist, kann über eine Blutuntersuchung festgestellt werden. "Ist dies der Fall, dann hilft oft eine örtlich angewandte östrogenhaltige Creme", sagt Albring. Diese habe sich vor allem in und nach den Wechseljahren sehr bewährt.

Stress und Ängste können ebenso wie ein exzessiver Konsum von Genussmitteln wie Alkohol und Nikotin ebenfalls zu einer unnatürlichen Trockenheit führen. Und auch bei übertriebener Intimpflege drohen Störungen der Scheidenflora. "Beim Baden oder Duschen ist es völlig ausreichend, den äußeren Bereich der Vagina mit klarem Wasser und hautneutralen Waschlotionen zu reinigen", erklärt Ruß. Intimdeos und Feuchttücher sind in aller Regel verzichtbar.

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Welche Therapie die richtige ist, hängt grundsätzlich vom Befund ab. "In manchen Fällen sorgen allein schon Stressbewältigungstrainings für Abhilfe", sagt Ursula Hilpert-Mühlig vom Fachverband Deutscher Heilpraktiker in Bonn. Manchmal kann auch der Einsatz von Schüssler-Salze in Form von Tabletten und Salbe auf den äußeren Schamlippen zu einer besseren Schleimhautfeuchtigkeit verhelfen.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit sind mit Naturjoghurt oder Aromaölen getränkte Tampons. "Sie werden in einem Zeitraum von sieben bis maximal 14 Tage über Nacht in die Scheide eingeführt", erläutert Hilpert-Mühlig. "Öl- oder Joghurt-Mischungen sowie Schüssler-Salze sollten aber nur im Rahmen einer therapeutischen Beratung angewendet werden", fügt sie hinzu. Auch eine sogenannte mikrobiologische Therapie kann helfen. "Dabei werden die gesundheitsfördernden Eigenschaften ausgewählter Bakterienstämme genutzt, um die Scheidenflora zu regulieren", erläutert Ruß. Die mikrobiellen Präparate können beispielsweise als Kapseln verabreicht werden. Eine Ernährungsumstellung kann mitunter ebenfalls hilfreich sein. "Eine Nahrung mit hohen Anteilen an Omega-3-Fettsäuren trägt dazu bei, dass Schleimhäute nicht austrocknen", erläutert Hilpert-Mühlig. Omega-3-Fettsäuren sind unter anderem in Fisch enthalten.

Um einer trockenen Scheide entgegenzuwirken, sollten Frauen bei der monatlichen Periode öfter auch Binden nutzen. "Die ausschließliche Verwendung von Tampons kann zu einer trockenen Vagina führen, da neben Menstruationsblut auch Scheidensekret aufgesaugt wird", erklärt Ruß. Tampons sollten daher nicht verwendet werden, wenn die Monatsblutung sehr schwach ist. Albring lehnt die Verwendung von Tampons außerhalb der Menstruation grundsätzlich ab. "Wir sehen in der Frauenarztpraxis immer wieder Frauen, die Tampons mit Naturjoghurt oder anderem getränkt haben und denken, dass sie sich damit etwas Gutes tun." Das Gegenteil sei der Fall. Öl und Joghurt gehörten nicht in die Vagina.

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Wer unter einer trockenen Scheide leidet, muss in dieser Zeit nicht unbedingt auf Sex verzichten. "Im einzelnen Fall kann ein Paar beim Geschlechtsverkehr auch einmal Öl als Gleitmittel verwenden", erklärt Albring. Wenn die Frau aber über eine längere Phase eine trockene Scheide hat, dann muss die Frage geklärt werden, warum das so ist. Normalerweise nimmt beim Lustempfinden vor und während des Geschlechtsverkehrs die Produktion von Scheidensekret zu. Fehlt bei der Frau die Erregung, bleibt in aller Regel auch die zusätzliche Sekret-Produktion aus. "Dann sollte ausgelotet werden, ob in der Paarbeziehung alles in Ordnung ist", rät Albring.

(dpa)
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