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17-Jährige erzählt auf YouTube
"So fühlt es sich an, im Koma zu liegen"

Claire Wineland erzählt: Wie es ist im Koma zu liegen
Das Atemgerät ist Claire Winelands ständiger Beglieter. Die 17-Jährige leidet an Mukoviszidose. FOTO: Screenshot The Clairity Project/ Claire Wineland
Düsseldorf . Zwei Wochen lang versetzte man Claire Wineland in ein künstliches Koma, um ihrem Körper die Möglichkeit zu geben, zu heilen. Obwohl sie regungslos im Bett lag, nahm sie in dieser Zeit genau wahr, was um sie herum vorging. Ihre Geschichte erzählt sie in YouTube-Videos. Von Susanne Hamann

Wenn ein Mensch in ein künstliches Koma versetzt werden muss, stellen sich die Angehörigen viele Fragen: Bekommt die Betroffene wirklich nichts mit? Ist es sinnvoll mit dem Patienten zu sprechen, obwohl er tief zu schlafen scheint?

Claire Wineland gibt jetzt ganz persönliche Antworten auf diese Fragen. In ihrem Blog und YouTube-Kanal The Clarity Project, spricht sie regelmäßig über ihre Krankheit und ihre Erlebnisse. "Alles was in der realen Welt passiert bekommst du mit. Du weißt ungefähr, was los ist", sagt Wineland dort. "Aber es geht durch diesen seltsamen Filter im Gehirn - und mit Filter, meine ich die Medikamente, die sie einem für das Koma geben - und dadurch verändert sich alles."

Claire Wineland leidet an Mukoviszidose, einer unheilbaren Stoffwechselerkrankung. Durch sie wird die Produktion von Körperflüssigkeiten so gestört, dass die Sekrete in der Lunge und in anderen Organen zähflüssiger sind als üblich. Dadurch werden die Verästelungen in Bronchien, Lungen und anderen Organen verstopft, es kommt zu Atemproblemen und Organschäden bis hin zu lebensgefährlichen Zuständen.

Für das Mädchen bedeutete das zahlreiche Krankenhausaufenthalte, tägliche Atemübungen, über 30 Operationen - und zwei Wochen im künstlich eingeleiteten Koma. Damit wollten die Ärzte ihrem Körper die Chance geben eine Infektion zu bekämpfen, die sich nach einer wenig erfolgreichen OP in Winelands Lunge ausgebreitet hatte.

Wie Stimmen im Koma verarbeitet werden

In ihrem Video beschreibt sie, dass ihr der Zustand vorkam wie ein Traum, in dem alles zugleich wahr ist und doch nicht. So hörte sie etwa ihre Stiefmutter und Großmutter miteinander reden. Dabei befand sie sich jedoch nicht in einem Krankenhauszimmer, sondern in einer Art Sommercamp, umgeben von vielen Mädchen, die miteinander schwatzten. Wineland erinnert sich in dem YouTube-Video, dass sie das eindeutige Gefühl hatte, auch selbst etwas zu ihnen gesagt zu haben, obwohl das rückblickend natürlich nicht stimmte.

Ob Stimmen vertraut waren oder nicht, hatte ebenfalls einen großen Effekt auf die Erlebnisse des Mädchens. "Wenn ich die Stimmen meiner Eltern oder anderer Personen hörte, denen ich vertraute, dann brachte mich das an einen schönen Ort", beschreibt sie. "Kannte ich die Person aber nicht oder fühlte ich mich mit ihr unwohl, versetzte mich das an einen Ort an dem ich mich verloren fühlte."

Was mit Körperwahrnehmungen passiert

"Ich war noch nie in Alaska, und hatte eigentlich auch noch nie Interesse daran. Aber während ich im Koma war, bin ich immer wieder durch Alaska gereist. Es war wunderschön. Ich habe wunderschöne Landschaften und Tiere gesehen. Es war irrsinnig kalt, aber das war mir egal", beschreibt Wineland.

Während das Mädchen im Geiste durch Alaska streift, erleben die Menschen in ihrem Krankenhauszimmer etwas ganz anderes: Weil Claire sehr hohes Fieber bekam, packten sie die Ärzte rundum in Eispacks. "Aus dem Körpergefühl der Eiseskälte, zog mein Gehirn wohl den Schluss: Eis. Alaska. Das macht total Sinn."

Das Koma, so ist sich Wineland nach den zwei Wochen sicher, ist wie eine Vergrößerung und Intensivierung der eigenen Träume und Wünsche. Ein Spiegel in gewisser Weise, der Wineland gezeigt hat, wer und was ihr wichtig ist. - Und daran will sie sich ab jetzt halten.

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