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Hashimoto, Darmerkrankungen und Diabetes
Das sind die häufigsten Anzeichen einer Autoimmunerkrankung

Das sind die häufigsten Anzeichen einer Autoimmunerkrankung
Chronische Darmerkrankungen, Diabetes Typ-1 und Rheuma zählen zu den häufigsten Autoimmunerkrankungen. FOTO: Shutterstock/wavebreakmedia
Düsseldorf. Als Schutzschild wehrt unser Immunsystem Krankheitserreger ab. Doch immer häufiger greifen seine Abwehrzellen körpereigenes Gewebe an. Mit fatalen Folgen: Es kommt zu Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto oder Rheuma. Lesen Sie, hinter welchen Symptomen sie sich verstecken und wie man sie behandelt. Von Tanja Walter

Rheuma, Zöliakie, Hashimoto oder Multiple Sklerose – das sind heute auch für medizinische Laien oft keine Fremdwörter mehr. Wissenschaftler beobachten seit Jahren, dass solche Autoimmunkrankheiten zum Massenphänomen werden. In den Industrienationen stehen sie nach Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen an dritter Stelle. "Bei den Frauen gehören Autoimmunerkrankungen zu den zehn häufigsten Todesursachen", sagt die Gesellschaft zur Förderung der Immundiagnostik. Etwa vier Millionen Deutsche leiden daran. Oft beginnen die Erkrankungen bereits im Kindes- und Jugendalter.

Zehn Fakten über die Schilddrüse FOTO: Forum Schilddrüse e.V.

Das passiert bei Autoimmunerkrankungen

Bei den Betroffenen verliert das Immunsystem die Fähigkeit, fremde Strukturen von eignen zu unterscheiden. In Folge dessen greift es körpereigene Zellen und Gewebe an, weil es sie wie Antigene fremder Zellen behandelt. Der Körper beginnt, sich selber zu zerstören. Natürlich gelingt es den Waffen des Immunsystems dabei nicht, das schädliche Antigen zu beseitigen, und es entstehen chronisch entzündliche Gewebeschädigungen.

Bei diesen Prozessen können alle Organe des menschlichen Körpers oder auch das zentrale Nervensystem ins Visier des eigenen Immunsystems geraten. Wie zum Beispiel bei Multipler Sklerose, bei der sich die Hüllschicht der Nerven im Gehirn und das Rückenmark entzünden.

Besonders tückisch sind Autoaggressionskrankheiten, weil Sie oft mit diffusen Symptomen beginnen. Aus diesem Grund ordnet man sie anderen Erkrankungen zu. Gerne werden sie auch schlichtweg übersehen. Darum kann es helfen, die häufigsten Anzeichen von Autoimmunkrankheiten zu kennen.

Die wichtigsten Infos zu Morbus Crohn

Das sind die häufigsten Symptome

  • Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Schwächegefühl oder ein Zittern
  • Gewichtsverlust, Schlaflosigkeit, Hitze-Intoleranz oder ein schneller Herzschlag
  • Wiederkehrende Hautausschläge, Nesselsucht oder Sonnenempfindlichkeit
  • Konzentrationsprobleme
  • Müdigkeit, Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit
  • Haarausfall, weiße Flecken auf der Haut oder Schleimhäuten
  • Bauchschmerzen, Blut oder Schleim im Stuhl, Durchfall, Geschwüre im Mund
  • Trockene Augen, Mund oder Haut
  • Taubheit oder Kribbeln in Händen oder Füßen
  • Bei Frauen: mehrere Fehlgeburten

Das sind die häufigsten Autoimmunkrankheiten

Wenn Sie über einen längeren Zeitraum mehrere dieser Symptome an sich beobachten, könnten das ein Hinweis auf eine von heute insgesamt 60 bekannten Autoaggressionskrankheiten sein. Am häufigsten kommen Gelenkrheuma, entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis uclerosa oder auch Diabetes Typ-1 vor.

Nur in wenigen Fällen zeigen sich die Erkrankungen ganz direkt, wie zum Beispiel beim kreisrunden Haarausfall. Meist verlaufen sie über lange Zeit hinweg stumm. Bei der Hashimoto Thyreoiditis ist das so. Zunächst attackiert das Immunsystem die Schilddrüse unbemerkt. Erst nach einiger Zeit werden dann die Auswirkungen dessen sichtbar: Die entzündete Schilddrüse stellte die Hormonproduktion zusehends ein. Der Stoffwechsel läuft nicht mehr richtig und der hormonelle Regelkreis spielt verrückt.

Auch bei der rheumatoiden Arthritis richten sich die Abwehrzellen des Körpers gegen körpereigenes Gewebe. Sie greifen die Gelenkinnenhäute an. Auch hier kommen die ersten Symptome schleichend. Die Gelenke an Fingern oder Füßen schwellen an und das Bewegen der mittleren und kleinen Finger schmerzt. Daneben zeigen die Betroffenen unspezifische Symptome wie allgemeine Schwäche oder das Gefühl schneller Ermüdung.

Ein bisschen mehr als "Ursache unbekannt"

Wie viele Autoimmunerkrankungen verläuft auch Rheuma in Schüben und schreitet von Mal zu Mal weiter fort. Zunächst sind nur die Gelenke befallen, später auch Knochen und Knorpel und schließlich sogar das Nervengewebe oder Organe wie die Lunge oder das Herz. Bislang sind nur wenige Hintergründe zu den dort ablaufenden Entzündungs- und Immunreaktionen bekannt. So sind meist die beteiligten Antikörper identifiziert, die körpereigenes Gewebe mit Krankheitserregern verwechseln. Doch man weiß zu wenig über die genauen Ursachen und Mechanismen. Dadurch lassen sich in einigen Fällen zwar Krankheitsverläufe vorhersagen, nicht aber stoppen oder umkehren.

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Auch über die Auslöser weiß man nur wenig. Vermutlich spielt die erbliche Veranlagung eine wichtige Rolle. Für einige Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, Hashimoto oder Multipler Sklerose ist sie bereits wissenschaftlich nachgewiesen. Daneben verdichten sich aber auch die Hinweise darauf, dass Umweltfaktoren, Ernährung oder der Lebensstil sich ungünstig auf das menschliche Abwehrsystem auswirken. Zudem weist die Deutsche Gesellschaft für Autoimmunerkrankungen auf den Einfluss von Virusinfekten, Medikamenten oder immunologischen Sondersituationen hin. Nach diesem Verständnis könnte zum Beispiel eine Schwangerschaft ein Auslöser für die Fehlprogrammierung des Immunsystems sein.

So therapiert man Autoaggressionserkrankungen

So unterschiedlich wie die Krankheitsbilder und Ursachen sind auch die möglichen Therapieoptionen. Grundsätzlich zielt man darauf ab, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und die Patienten möglichst beschwerdefrei zu machen. Dabei kommen häufig so genannte Immunsuppressiva zum Einsatz. Sie reduzieren die Aktivität des Immunsystems und dämpfen so die Folgen der Attacken. Auch Kortison erfüllt diese Aufgabe.

Vorsichtige Hoffnung auf Heilung brachten in den letzten Jahren die Forschungsergebnisse einer Forschungsgruppe des Helmholtz Zentrums für Infektionsforschung. Gemeinsam mit australischen Forschern entdeckte sie einen Mechanismus, mit dem man das Immunsystem zurückregulieren könnte. Auf diese Weise lassen sich vielleicht irgendwann Autoimmunkrankheiten stoppen.

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