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Hilfe zur Selbstdiagnose
So erkennen Sie, was für ein Kopfschmerz Sie plagt

Das sind die vier häufigsten Kopfschmerzarten
Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz und kann aus diesem Grund nicht gleich behandelt werden. FOTO: Shutterstock/Maridav
München/Leipzig. Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Leiden in der Bevölkerung. Ohne genau zu wissen woher sie kommen, greifen viele auf eigene Faust zu Schmerzmitteln. Das kann fatal sein, denn nur wer weiß, welche Kopfschmerzart ihn plagt, kann richtig dagegen vorgehen. Lesen Sie hier, welches die häufigsten Formen sind, wie man sie erkennt und behandelt. Von Tanja Walter

Pro Jahr schlucken die Deutschen mehr als drei Milliarden Einzeldosierungen von Schmerzmittel ohne ärztliche Verordnung. Rund 85 Prozent davon, um dem Hämmern im Kopf Herr zu werden, so Prof. Dr. Hartmut Göbel, einer der führenden Schmerztherapeuten in Deutschland und Chefarzt der Schmerzklinik Kiel. Doch nicht alle werden so den pochenden, hämmernden und in jedem Fall quälenden Schmerz los. Denn in vielen Fällen tritt das unangenehme Symptom nicht als Begleitsymptom eines grippalen Infektes auf, sondern als eigenständige Erkrankungen.

Dann lässt sich das Kopfweh am schnellsten und wirkungsvollsten behandeln, wenn man genau weiß, um welche Art es sich handelt. Nur so kann man bei der Ursache ansetzen. Dazu ist es nötig, die Schmerzen genau zu analysieren und einzugrenzen. So lassen sich die vier Kopfschmerzarten, Spannungskopfschmerzen, Migräne, Clusterkopfschmerzen und solchen durch Medikamentenübergebrauch unterscheiden.

  • Spannungskopfschmerz

Am häufigsten treten Spannungskopfschmerzen auf. Sie sind doppelt so häufig wie Migräne. Zwar beschreiben die Betroffenen diese Form des Kopfwehs als weniger intensiv als Migräneschmerzen, doch sind sie nicht minder belastend. Denn sie erfassen meist den ganzen Kopf dumpf und drückend, als sei dieser in einen Schraubstock eingespannt. In einigen Fällen bestehen sie dauerhaft, in anderen kommen und gehen sie episodenartig. Patienten beschreiben die Intensität der Schmerzen als leicht bis mittelstark.

Weil sich die schmerzende Beeinträchtigung vom Nacken aus bis zur Stirn ausbreitet oder umgekehrt auch bis in den Nacken ausstrahlen kann, nahm man zunächst an, Verspannungen der Nackenmuskulatur seien ursächlich dafür. Klar ist heute, dass das nicht der Fall ist. Die genauen Umstände kann man jedoch immer noch nicht erklären. Ein gängiger Ansatz geht davon aus, dass verschiedene Einzelfaktoren wie Stress, Überforderung, Verspannungen, Schlafmangel oder Zähneknirschen wesentlich an der Entstehung beteiligt sind. Sie, so nimmt man an, wirken sich so sehr auf den Gehirnstoffwechsel aus, dass sie die zermürbenden Schmerzen auslösen können.

Darum besteht die von vielen Ärzten dann gezielt verordnete Therapie aus der Einnahme von Magnesium. Das soll sich positiv auf mögliche Verspannungen auswirken. Als wenig wirkungsvoll hat sich die Einnahme von Acetylsalicylsäure herausgestellt. Eindämmen lässt sich der Schmerz hingegen in der Regel gut durch Schmerzmittel wie Paracetamol, Ibuprofen oder Aspirin, so die Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).

Das Schmerzzentrum Leipzig weist auf gute Erfahrung mit Entspannungsverfahren und viel Bewegung hin. In Einzelfällen kann auch die vorbeugende Einnahme von Antidepressiva in einer sehr geringen Dosierung helfen.

  • Migräne

Beginnen die Qualen anfallsartig und treten eher einseitig auf, kann das ein typisches Indiz für Migräne sein. Betroffene beschreiben die Schmerzen häufig als pochend oder pulsierend. Sie bahnen sich langsam an und piesacken dann die Betroffenen für vier bis 72 Stunden. Zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung leiden unter dieser Art von Kopfweh, das mit Übelkeit, Sehstörungen und sogar Sprachstörungen oder Kribbeln in Armen und Beinen einhergehen kann, sagen die Experten der DMKG .

Hervorgerufen wird es oft durch Triggerfaktoren wie Schlafmangel, Stress, grelles Licht, Alkohol oder auch bestimmte Nahrungsmittel. Die Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass dieser Schmerz durch eine Aktivierung von schmerzverarbeitenden Zentren Im Gehirn zustande kommt. Diese schütten Botenstoffe aus, die bewirken, dass es an den Blutgefäßen der Hirnhäute zu einer Entzündungsreaktion kommt. Durch das Pulsieren erweiterter Blutgefäße dehnen sich die Gefäßwände. Das wird dann als pochender Schmerz wahrgenommen, so die gängige Annahme. Etwa zwei Drittel der Patienten haben weitere Betroffene Angehörige, was darauf schließen lässt, dass es genetische Dispositionen für die quälende Erkrankung gibt.

Ist eine Migräne ärztlich diagnostiziert, empfiehlt der Arzt bestimmte Schmerzmittel, die gleich zu Beginn des Anfalls eingenommen werden können und so den Schmerz rechtzeitig entschärfen. Bei dieser Erkrankung rächt es sich, wenn die Betroffenen die Einnahme wirkungsvoller Medikamente – das sind häufig so genannte Triptane – unnötig hinauszögern.

  • Clusterkopfschmerz

Wer in einem engen Zeitraum häufige Schmerzattacken im Kopf erleidet, der sollte an Clusterkopfschmerzen denken. Sie haben ihren Namen vom Begriff "cluster", das "Haufen" oder "Bündel" bedeutet. Anfallsartig malträtieren furchtbare Kopfschmerzen den Betroffenen. Sie treten plötzlich auf und halten dann zwischen 20 Minuten und drei Stunden an. Statistisch betrachtet trifft das Leiden häufiger Männer als Frauen. Selbst nach dem Abklingen einer solchen Attacke können die Betroffenen nicht sicher sein, dass sich das Unwohlsein in Luft aufgelöst hat. Oft kehren sie innerhalb weniger Stunden oder Tage mit neuerlicher Wucht zurück. Patienten beschreiben den Schmerz wie ein heißes Messer, das sich erbarmungslos in den Kopf und innerhalb kürzester Zeit extrem stark wird. Bis zu achtmal täglich sehen manche mit den furchtbaren Qualen konfrontiert.

Meist treten diese einseitig an den Schläfen auf und strahlen bis auf das jeweilige Auge aus. Das beginnt in Folge dessen zu tränen und kann sogar anschwellen. Weitere Symptome wie eine verstopfte oder fließende Nase, Gesichtsrötungen oder ein hängendes Augenlid können sich hinzugesellen. Ähnlich wie auch Migräne-Patienten klagen die Patienten über Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit. Entgegen der Migräne-Geplagten suchen sie jedoch keine Ruhe, sondern laufen getrieben umher und fühlen sich unruhig.

Auslöser der Clusterkopfschmerzen sind – den Migräne-Auslösern ähnlich – Flackerlicht, Alkohol, laute Geräusche oder spezielle Nahrungsmittel wie Tomaten oder Käse, Zitrusfrüchte oder Gerüche. Herkömmliche Schmerzmittel sind gegen die heftigen Anfälle machtlos, denn sie benötigen einige Zeit bis zur vollen Wirkung. Zu lange für den plötzlich aufkommenden Schmerz. Erleichterung kann Betroffenen hingegen das Inhalieren von reinem Sauerstoff während eines solchen Anfalls bringen. Auch können Triptane in der Behandlung eine Rolle spielen. Präventiv kann die Einnahme von Kalzium-Blockern und Kortison sinnvoll sein.

  • Medikamentenkopfschmerz

Oft nehmen die Betroffenen an, Opfer chronisch widerkehrender Kopfschmerzen zu sein, doch sind sie es nicht. In mehr als Dreiviertel der Fälle, in denen Menschen selbst von chronischer Migräne oder Spannungskopfschmerz ausgehen, könnte ein Entzug das Problem lösen und die Patienten nachhaltig von ihren Schmerzen befreien, sagen europäische Neurologen. Denn der Schmerz, den die Betroffenen spüren, ist durch die Selbsteinnahme von Schmerzmitteln hervorgerufen. Indem sie versuchen, das Pochen und Drücken aus dem Kopf zu bekommen, steuern sie in die nächste Hölle, aus der sie nur durch körperliche Entgiftung wieder hinauskommen. Denn weil der Körper sich an die häufige Einnahme von Schmerzmitteln gewöhnt, reagiert der Körper mit Schmerzen, werden die Medikamente weggelassen. In Folge dessen greifen die Betroffenen schnell wieder zu Tabletten, um die Beeinträchtigung aus dem Weg zu räumen und verstricken sich immer tiefer in einen Teufelskreis. Hilfe bringt in diesem Fall nur die zunächst schmerzvolle und schonungslose Abstinenz.

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