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Urin, Sperma oder Blut
Das verraten unsere Körpersäfte

Urin, Blut und Speichel – das sagen sie über unsere Gesundheit
Urin, Blut und Speichel – das sagen sie über unsere Gesundheit FOTO: Shutterstock/Africa Studio
Düsseldorf. Muss man sich Sorgen machen, wenn der Urin dunkel ist oder anders riecht als sonst? Wie lässt sich erkennen, ob eine Wunde gefährlich infiziert ist? Wann ist mein Blut in Ordnung und was sagt mir das Nasensekret über den Schnupfen? An unseren Körperflüssigkeiten lässt sich vieles in Sachen Gesundheit ablesen. Wir sagen Ihnen, wann Sie genauer hinsehen sollten. Von Tanja Walter

Blut, Urin, Nasensekret und Schweiß sind nur einige der Körpersäfte, mit denen wir selbst täglich zu tun haben, ob wir wollen oder nicht. Und auch wenn die die Vorstellung davon, nach dem Besuch der Toilette einen Blick zurück zu werfen in das Becken auf dem wir uns erleichterten, nicht jedermann zu neugierigen Blicken reizt, so ist es doch nicht unvernünftig, es regelmäßig einmal zu tun. Denn das, was wir durch Nase, Ohren, aus Wunden oder Blase ausscheiden ist mehr als ein Abfallprodukt. Es kann wertvolle Hinweise auf unseren Gesundheitszustand geben und das lange, bevor es schmerzt.

Schon im Altertum wagte der griechische Arzt Hippokrates den Blick auf vier Köperflüssigkeiten, nämlich gelbe und schwarze Galle, Blut und Schleim. Sie, so glaubte man auch noch im Mittelalter, müssten zueinander im Gleichgewicht stehen. War dies nicht der Fall, bestand die Aufgabe des Arztes darin, durch Arzneimittel, Kräuter, Diäten oder chirurgische Maßnahmen dafür zu sorgen.

Peinlich: Die Frage nach der Sekretfarbe

Die Zeiten martialischer Methoden wie Aderlass, dem Purgieren – bei dem Brechmittel verabreicht wurden oder mit Klistieren abgeführt wurde – sind wahrlich vorbei und niemand sehnt sie wieder herbei. Das Untersuchen von Blut und Urin bleibt in der Regel Laboren vorbehalten und findet in klinisch reiner Umgebung statt. Peinlich berührt reagieren viele, wenn der Arzt sie bei einer Erkältung nach der Färbung des Bronchialschleims gefragt werden. Gar nicht unangenehm ist es hingegen oft frisch gebackenen Müttern über die Stuhlkonsistenz und die Anzahl der vollen Windeln ihrer Babys zu sprechen. Sie tun das, was später zu Unrecht in die Tabuecke geschoben wird, denn nicht nur in der Windel steckt so manche Wahrheit.

Die Farbe des Urins, den wir mehrmals täglich absetzen, sagt ebenso viel über unseren Gesundheitszustand wie der versierte Blick eines TCM-Arztes auf den Belag der herausgestreckten Zunge. Denn bis heute ist die Untersuchung von Körpersäften nicht nur in der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM) oder der ayurvedischen Heilkunde üblich, sondern bildt auch in der Schulmedizin eine Methode um Krankheiten auf die Spur zu kommen.

Was die Farbe des Urins uns verrät

Der Gang zu Toilette kann erhellend sein, wenn man die Zeichen zu deuten weiß. Unglaubliche 180 Liter Harn filtern die Nieren Tag für Tag als Primärharn aus dem Blutplasma heraus. Das meiste davon geht zurück in den Körperkreislauf. Die geringe Menge, die über den Tag hinweg über die Blase und den Harnweg ins WC fließt ist das, was der Körper nicht mehr benötigt. Urin besteht zu 95 Prozent aus Wasser und darüber hinaus aus Stoffwechselprodukten wie Harnsäure, Harnstoff und Kreatin, Salzen, Säuren, Farbstoffen, Hormonen und Vitaminen. Diese Auflistung verrät bereits, welchen Indizien sich über den Urin nachgehen lässt. Auch Medikamente werden über die rund zwei Liter Harn ausgeschieden, die jeder Mensch durchschnittlich am Tag lässt. Sie reduziert sich nicht nur durch geringe Flüssigkeitsaufnahme über den Tag, sondern auch durch das Schwitzen.

Doch auch die Farbe variiert. Normalerweise ist er hellgelb. Diese Färbung entsteht durch den Abbau von roten Blutkörperchen mitsamt ihres Blutfarbstoffes Hämoglobin zu Bilirubin. Neigt eine Person zu einer geringen Flüssigkeitsaufnahme oder schwitzt sie stark – wie das beim Sport treiben der Fall ist – intensiviert sich die Farbe im Urin. Dunkler Urin ist also meist ein Hinweis darauf, dass wir mehr trinken sollten. Einzige Ausnahme: Auch der Morgenurin ist dunkelgelb, denn über Nacht nehmen wir keine Flüssigkeit zu uns und scheiden oft auch keine aus. Dadurch konzentriert sich dieser Körpersaft.

Farbveränderungen können aber auch ernste Hinweise auf Erkrankungen sein: Ist der Urin rötlich, kann das auf Blutbeimengungen hinweisen. Diese können beispielsweise durch Blasen- oder Nierenkrebs entstehen. Bemerkt man hingegen beim Wasserlassen Schmerzen, ist eine Blasenentzündung der wahrscheinlichere Auslöser. Eine rot-braune Färbung kann auch auf ein ausgiebiges Brombeermahl am Vortag hinweisen. Wie die aromatischen Beeren gibt es einige andere Nahrungsmittel, die ungewohnt viel Farbe in die Schüssel bringen: auch rote Beete ist dafür bekannt oder rote Vitamintabletten. Nur der Arzt aber kann zweifelsfrei feststellen, was zu der ungewohnten Farbgebung führt.

Tränen – statt Trauerbekundung Krankheitshinweis

Aber nicht nur der Urin gibt Hinweise auf unseren Gesundheitszustand auch Tränen geben verschlüsselt Botschaft. Sie kommen nicht nur aus den Tränendrüsen, wenn wir Schwermut oder Trauer verspüren oder gleich so erheitert sind, dass uns ein Lachkrampf schüttelt. Allergikern tränen die Augen, wenn sie in Kontakt mit ihrem Allergen kommen. Neben dem Hinweis auf eine Überreaktion des Immunsystems kann jedoch auch ein Fremdkörper im Sehorgan den Tränenfluss auslösen. Auf diese Art und Weise versucht sich der Körper selbst des Fremdstoffs zu entledigen. Häufig laufende Augen können zudem ein Hinweis auf die Basedowsche Krankheit sein, einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, die sich über unser Sehorgan zeigt.

Auch das Wegbleiben jeglicher Tränenflüssigkeit kann ein Hinweis auf eine Erkrankung sein, die sich "Trockenes Auge" nennt. Im Normalfall umspült Tränenflüssigkeit, die sich aus Waser, Salzen und Eiweiß zusammensetzt die Hornhaut und hält diese feucht. Ist dieses Gleichgewicht gestört und der Tränenfluss unterbleibt zum Beispiel durch zu langes Tragen von Kontaktlinsen oder eine Entzündung der Tränendrüsen, werden Auge und Hornhaut gereizt. Sie beginnen zu brennen und röten sich. In diesem Fall kann der Augenarzt mit künstlichen Tränen Abhilfe schaffen.

Schockstarre – Blut im Sperma

Milchig-weiß zeigt sich im Normalfall Sperma. Manche beschreiben das aus Sekreten von Nebenhoden, Prostata und Samenblase gebildete Sekret auch als weiß-gräulich. Neben Spermien enthält es Fett und Fruchtzucker und schießt bei der Ejakulation in einer Menge von durchschnittlich sechs Millilitern aus der Harnröhre. Und auch bei dieser Körperflüssigkeit lassen sich aus Farbgebung und Menge Hinweise auf den Gesundheitszustand ablesen.

Nachvollziehbarer Weise versetzt es viele Männer in denen Ausnahmezustand, wenn sei eine rötliche Verfärbung im Sperma feststellen. Denn sie kann Hinweis auf einen Tumor an der Prostata sein. Manche Männer berichten auch über deutliche Blutbeimengungen. In der Regel aber verbergen sich dahinter harmlose Ursachen wie eine Entzündung der Prostata, der Samenwege oder Samenblase. Verursacht werden können Blutbeimengungen zudem durch einen extremen Bluthochdruck, der zum Platzen feinster Äderchen in der Prostata führt und Männer das Fürchten lehrt. Nur selten steckt hinter dem Schreckensfund tatsächlich Krebs. Im häufigeren Fall einer Infektion lässt sich die Erkrankung mit Antibiotika behandeln.

Was los ist, wenn nur wenig Sperma kommt

Neben der Färbung kann auch die Menge des ausgestoßenen Spermas ein Hinweis auf eine Erkrankung sein. Eine Spermamenge, die weniger als zwei Milliliter umfasst, kann auf eine Funktionsstörung des Schließmuskels zwischen Harnblase und Harnblase hindeuten. Diese so genannte retrograde Ejakulation findet dann in der Harnblase statt, statt über den Penis nach außen. Dieses Problem tritt häufiger nach Prostataoperationen auf, kann aber auch medikamentös verursacht sein oder durch Krankheiten wie Diabetes oder Multiple Sklerose.

Daneben deutet eine geringe Samenergussmenge auch auf Störungen an der Prostata oder Samenblase hin. In manchen Fällen hat sie jedoch weniger dramatische Ursachen. Auch Männer, die häufigen Sex haben, haben ein geringeres Ejakulatvolumen. Eher abstinente Männer hingegen meist ein größeres Volumen.

Wenn Sie wissen wollen, was man an Körpersäften wie dem Blut, Scheidenflüssigkeit, Eiter, Nasensekret oder Schweiß in Sachen Gesundheit ablesen kann, lesen Sie hier weiter.

 
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