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Zuckerkranke sterben dreimal häufiger an Grippe
Diese Krankheiten können Diabetes auslösen
Sieben Fakten zu Diabetes
Sieben Fakten zu Diabetes FOTO: NGZ
München. Diabetes ist keine Infektionskrankheit und damit auch nicht wirklich ansteckend. Dennoch aber spielen Infektionskrankheiten und Ansteckungsrisiken für Diabetiker eine besondere Rolle. Sie können die Erkrankung auslösen, warnen Forscher der Technischen Universität München. Von Tanja Walter

Der Diabetiker hat ein Problem mit Hormon Insulin. Beim Typ 1 Diabetiker fehlt dieses Hormon ganz, beim Typ 2 Diabtetiker kann es nicht richtig wirken. Viren spielen bei dieser Erkrankung auf den ersten Blick keine Rolle. Dennoch existiert eine gefährliche Verbindung zwischen Infektionen und Diabetes. Infektionserkrankungen können Diabetes auslösen, und umgekehrt macht Diabetes die Betroffenen anfälliger für Infektionen, sagen die Experten des Instituts für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München. Etwa sechs von 100 Diabetikern sterben an Infektionskrankheiten. Bei ihnen ist das Risiko an einer Grippeerkrankung zu sterben etwa dreimal so hoch wie bei einem Nicht-Diabetiker.

Das verursacht das hohe Risiko für Diabetiker

Es gibt verschiedene Gründe, die dazu führen, dass Diabeteskranke einem höheren Risiko ausgesetzt sind: „Bei hohen Blutzuckerwerten bindet sich überschüssige Glukose an wichtige Bestandteile des Abwehrsystems, Immunglobuline genannt“, erklärt der Berufsverband der Deutschen Apotheker. Das Immunsystem eines Diabetikers ist dadurch weniger fit. Durch die Erkrankung ist zudem die Durchblutung nicht so, wie sie optimaler Weise sein soll. Darunter leiden vor allem die kleinsten Gefäße. Bei ihnen kommen permanent zu wenige Nährstoffe und weniger Sauerstoff an. Keime können dann hemmungslos ihre Angriffe starten, ohne dass ein Diabetiker dem viel entgegenzusetzen hätte.

Um das Risiko zu minimieren, sollten Diabeteskranke auf gut eingestellte Blutzuckerwerte achten. Denn ist der Blutzuckerwert in Ordnung, funktioniert auch der Stoffwechsel besser. Atemwegserkrankungen und Grippe treten weniger oft auf.

Besondere Impfempfehlung für Diabeteskranke

Dr. Ulrich Seybold von der Klinischen Infektiologie des Klinikums der Universität München rät betroffenen Patienten, sich an die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) zu halten und sich zum Beispiel einer jährlichen Grippeimpfung sowie einer Impfung gegen Pneumokokken, einen Erreger der Lungenentzündung, zu unterziehen.

Manche Erreger wie die Enteroviren stehen darüber hinaus im Verdacht, im Zusammenspiel mit anderen Faktoren Diabetes mellitus auszulösen. So tritt die Autoimmunerkrankung Typ 1 Diabetes gehäuft im Zusammenhang mit vorausgehenden akuten Infektionen auf. Zu ihnen zählen die Enteroviren 68-71, Echoviren, Polioviren und Coxsackieviren, die verschiedene Krankheitsbilder wie z. B. die Sommergrippe oder Magen-Darm-Erkrankungen hervorrufen. Professor Ulrike Protzer vom Institut für Virologie der TU München hofft für die Zukunft im Sinne der Diabetesprävention auf die Entwicklung einer Impfung, die gegen eine breite Gruppe der Enteroviren wirksam wäre.

Risikofaktoren – Zahnfleischentzündung und Übergewicht

Parodontitis erhöht das Risiko für Diabetes Patienten, die an einer Parodontitis leiden, also einer chronischen Entzündung des Zahnfleisches mit Knochenabbau, haben ein doppelt so hohes Risiko, an Diabetes mellitus zu erkranken wie Personen mit gesundem Zahnfleisch. Umgekehrt fördert diese chronische Stoffwechselerkrankung die Entstehung von Parodontitis: So ist das Risiko bei Diabetes-Patienten um das Dreifache erhöht. Wer die Erkrankung des Zahnfleischs behandeln lässt, der kann damit laut Studien seinen Langzeitzuckerwert nachweislich senken, sagt Zahnarzt Dr. Jochen Schmidt aus Prien.

Ähnliche Entzündungsprozesse wie bei einer Infektion laufen beim Metabolischen Syndrom ab: Jahrelange Überernährung kann zu einer so genannten „metabolischen Inflammation“ führen. Überernährung und Adipositas begünstigen laut Dr. Martin Füchtenbusch von der Forschergruppe Diabetes e. V die Entstehung von Typ 2. In Anbetracht der Tatsache, dass jeder vierte Deutsche krankhaft übergewichtig ist, ist die Sorge der Weltgesundheitsorganisation WHO zu verstehen, dass „Wohlstandserkrankungen“ wie Diabetes und Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems noch häufiger werden.

Ungesunde Lebensweise ist ansteckend

Die Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums haben beobachtet, dass das Metabolische Syndrom gehäuft unter Menschen auftritt, die gut befreundet sind. Einen Erklärungsansatz liefert Dr. Andreas Beyerlein vom Institut für Diabetesforschung: „Je enger jemand mit einem Adipösen in Kontakt ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, selbst krankhaft übergewichtig zu werden.“ Freund übernehmen Ernährungsmuster mitunter voneinander und das Übergewicht wird untereinander akzeptiert.

Das ungesunde Ernährungsverhalten setzt den Zünder der Zeitbombe zusätzlich in Gang. Denn ungesunde Ernährungsmuster nehmen langfristig gesehen wiederum Einfluss auf die Darmflora. Menschen, die sich dauerhaft zu kalorienreich ernähren, sorgen dafür, dass sich die vormals ausgewogen mit gesunden Mikroorganismen besiedelte Darmflora nachhaltig verändert. Das bleibt nicht ohne Folgen. Auswirkungen zeigen sich wiederum im Stoffwechsel und beim Immunsystem. Bei der Insulinresistenz reagieren die Körperzellen zunehmend weniger empfindlich auf Insulin, das die Aufnahme des Blutzuckers (Glukose) in den Zellen reguliert. In der Folge entwickelt sich ein Typ 2 Diabetes. Eine Umstellung auf ballaststoffreiche Ernährung kann nach Aussage von Professor Hannelore Daniel vom Wissenschaftszentrum Weihenstephan der TU München die Mikroorganismen im positiven Sinne beeinflussen und damit unter anderem den Glukosestoffwechsel günstig beeinflussen.

Quelle: wat
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