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Knie, Hüfte, Galle
Die besten Kliniken der Region

Fünf Fragen zum künstlichen Hüftgelenk
Fünf Fragen zum künstlichen Hüftgelenk FOTO: dpa
Düsseldorf. Bei planbaren Operationen können Patienten das Krankenhaus aussuchen. Hinschauen lohnt, denn die Unterschiede sind groß, wie der aktuelle Krankenhaus-Bericht der AOK Rheinland/Hamburg zeigt. Beim Einsatz einer neuer Hüfte liegen die Komplikationsraten zwischen zwei und 40 Prozent. Unikliniken schneiden nur mäßig ab. Von Antje Höning

Der Einsatz einer künstlichen Hüfte gehört heute zu den häufigen Eingriffen im Krankenhaus. Doch die Unterschiede in der Qualität der Behandlung sind groß: Während in den besten Kliniken im Rheinland nur bei zwei Prozent der Fälle Komplikationen auftreten, hat die schlechteste Klinik Komplikationsraten von 40 Prozent. Das hat eine Untersuchung ergeben, die die AOK Rheinland/Hamburg gestern vorstellte.

Wie wurde das Ranking ermittelt?

Die Krankenkasse hat, unterstützt von ihrem wissenschaftlichen Institut Wido, für verschiedene Eingriffe die Krankenverläufe von je mindestens 9000 AOK-Patienten verfolgt, die zwischen 2008 und 2011 operiert wurden.

Die Kasse ermittelte, wie oft es im ersten Jahr nach der OP zu Komplikationen wie Thrombosen oder chirurgischen Problemen (Brüchen) kam und ob Folgeoperationen notwendig wurden. Dabei wurde berücksichtigt, dass eine Klinik, die etwa viele Ältere aufnimmt, grundsätzlich ein höheres Komplikationsrisiko hat. Durch eine entsprechende Gewichtung ergäbe sich ein "fairer Vergleich", so die AOK.

Das Ergebnis für Gallenblasen?

Wer sich wegen Gallensteinen die Gallenblase entfernen lassen muss, kann im Rheinland zwischen 27 Häusern wählen, die zu dem oberen Fünftel im Bundesgebiet zählen. Eine Auswahl aus der Region zeigt unsere Grafik. Da die AOK kein Ranking innerhalb der Spitzengruppe ausweist, sind die Kliniken in der alphabetischen Reihenfolge der Orte angegeben. 86 Häuser zählen zum Mittelfeld, 21 Kliniken zu den 20 Prozent schlechtesten in Deutschland. In einzelnen Krankenhäusern liegt die Komplikationsrate bei 23 Prozent.

Das Ergebnis für Hüft-OPs?

Wer unter Verschleiß des Hüftgelenks (Arthrose) leidet und eine neue Hüfte braucht, kann für die sogenannte "elektive Erstimplantation" zwischen 21 Top-Häusern im Rheinland wählen. 15 Kliniken gehören zu den schlechtesten in Deutschland. Im Bundesgebiet trat im Schnitt bei gut jedem zehnten Patienten eine Komplikation auf.

Das Ergebnis für Knie-OPs?

Auch beim Einsatz künstlicher Kniegelenke, die wegen Arthrose notwendig werden, schwankt die Qualität erheblich. Im Schnitt kam es bei neun Prozent zu Problemen. In mancher Klinik kam es zu keiner Komplikation, in anderen bei jedem fünften Patienten. Für diesen Eingriff gibt es im Rheinland nur zwölf Top-Kliniken.

Uni-Klinik, kleine Klinik? Über die Qualität einer Klinik entscheidet offenkundig nicht die Größe des Hauses, sondern die Erfahrung seiner Operateure und die Qualität der Pflege. Zu den Top-Kliniken zählen laut AOK kleine und große. Auffällig ist jedoch, dass die Universitätskliniken nur mäßig abschneiden. Die Uniklinik Köln gehört bei den planbaren Hüft-Operationen laut AOK sogar zu dem schlechtesten Fünftel im Bundesgebiet. Die Uniklinik Düsseldorf landet bei den drei Eingriffen nur in der Mittelgruppe. Dazu erklärte der Ärztliche Direktor Wolfgang Raab: "Die betrachteten Eingriffe stehen nicht im Fokus unserer Orthopädie und Unfallchirurgie. Bei anderen Rankings landet die Uniklinik Düsseldorf regelmäßig auf vorderen Plätzen."

Was können Patienten tun?

Wer vor einem planbaren Eingriff steht, sollte sich gut über die Erfahrung der Klinik informieren. Hinweise dazu liefern die Qualitätsberichte der Krankenhäuser, in denen etwa Fallzahlen stehen. Gute Vergleiche ermöglichen die Krankenhaus-Reports oder Navigatoren der verschiedenen Kassen. Die AOK etwa hilft unter www.aok-gesundheitsnavi.de. Dabei kann der Patient wählen, für welchen Eingriff und in welchem Umkreis seines Wohnortes er suchen möchte.

Was tun die Krankenkassen?

Matthias Mohrmann, Vorstand der AOK Rheinland/Hamburg, ärgert sich darüber, dass viele Kliniken nicht aus den Vergleichen lernen. "Wir haben seit 2007 mehrfach die Qualität bei häufig vorgenommenen Operationen untersucht. Eine Abnahme der Komplikationsfälle ist nicht festzustellen." Nun will die Kasse im Interesse ihrer Patienten energischer vorgehen: "Künftig wollen wir unseren Kliniken vor der Operation eine Empfehlung über ein Krankenhaus in ihrer Nähe mit nachgewiesener hoher Qualität geben." Der Patient habe aber weiter die freie Wahl.

(RP/anch/csi)
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