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Medizin
Diese 13 Genmutationen verleihen Superkräfte

Diese 13 Genmutationen verleihen Superkräfte
Manche Genmutationen verleihen dem Betroffenen besondere Fähigkeiten (Symbolbild). FOTO: Shutterstock/Yuganov Konstantin
Düsseldorf. Außergewöhnliche Kräfte haben – ein typischer Kinderwunsch. Superheld wird man aber nicht wie im Comic durch Blitzschlag oder Spinnenbiss. Es sind die Gene, die manchen Menschen ungewöhnliche Fähigkeiten verleihen.  Von Tanja Walter

Mehr als 99 Prozent der genetischen Informationen sind bei allen Menschen gleich. In weniger als einem Prozent aber stecken die Informationen, die uns zu etwas Besonderem machen: Haarfarbe, Hautfarbe oder Geschlecht sind darin festgeschrieben. Dieser kleine Teil an Genen bestimmt jedoch auch, ob wir bestimmte Krankheiten haben oder nicht. Dabei sind Defekte auf bestimmten DNA-Abschnitten meist nachteilig für die Betroffenen. Manchmal aber passiert das Gegenteil: Genmutationen verhelfen ihren Trägern zu Fähigkeiten, die sie gegenüber dem Rest der Menschheit mit einem Vorteil ausstatten.

Diese Supergene gibt es wirklich:

  • Super-Sprinter-Gen
    Wir alle haben ein Gen mit dem Namen ACTN3. Wenige Menschen haben es allerdings in einer Abwandlung, fanden Forscher 2008 bei einer Untersuchung von Elite-Sprintern aus Jamaika und den USA heraus. Heute weiß man, dass bei 18 Prozent der Bevölkerung das Nicht-Funktionieren dieses Gens für die Bildung eines speziellen Proteins mit dem Namen Alpha-Actinin-3 sorgt. Dieses Eiweiß kontrolliert Muskelfasern, die für das schnelle Spannen und Entspannen der Muskulatur verantwortlich sind, wie es zum Beispiel beim Sprinten oder Gewichtheben nötig ist. Menschen mit diesem Gendefekt können also in diesen Sportbereichen ungewöhnlich starke Leistungen erbringen. Seitdem man den Defekt kennt, hat man die besondere Eigenschaft bei einigen Profi-Sprintern und Power-Athleten entdecken können.
     
  • Super-Schläfer-Mutation
    Stellen Sie sich vor, Sie würden jede Nacht nur vier Stunden schlafen. Kaum auszudenken, mit welch bleierner Müdigkeit Sie sich dann durch den Tag schleppen müssten. Nicht aber die Träger einer genetischen Mutation auf dem hDEC2-Gen, entdeckten Wissenschaftler aus den USA sowie vom Max-Planck-Instituts für experimentelle Medizin in Göttingen. Menschen mit dieser Mutation sind auch nach wenigen Stunden Kurzschlaf fit für den Tag. Napoleon, Leonardo da Vinci, Voltaire und auch Margaret Thatcher sollen mit bloß vier Stunden Schlaf ausgekommen sein. Forscher hoffen, dass sie eines Tages so viel über die Hintergründe wissen, dass sie Menschen damit helfen können, die unter Schlafproblemen leiden.
     
  • Die Superschmecker 
    Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie selbst diese Superkraft in sich tragen, ist gar nicht so gering: Etwa ein Viertel der Bevölkerung ist mit einem Super-Geschmackssinn ausgestattet. Dieser geht zurück auf ein Gen mit dem Namen TAS2R38, das Wissenschaftler auch als Bitter-Geschmack-Rezeptor bezeichnen und das für die Betroffenen Segen und Fluch zugleich ist. Denn Menschen mit diesem Gen nehmen verschiedenste Aromen deutlich intensiver wahr. Bittere Lebensmittel wie Rosenkohl, Brokkoli oder Kaffee schmecken beispielsweise noch bitterer und süße Nahrungsmittel noch süßer.
    In der Evolution brachte diese Super-Schmecker-Eigenschaft Vorteile, die lebensrettend sein konnten. Solche Menschen schmeckten giftige Bitterpflanzen besonders gut heraus und bewahrten sich vor Vergiftungen. Heute sind die Folgen weitaus weniger spektakulär: Gar nicht so unwahrscheinlich ist es, dass man sie in Berufen findet, in denen ein guter Geschmackssinn Voraussetzung ist: in der Sterneküche oder als Sommelier.
    Gut-Schmecker trinken bitteren Kaffee mit Milch und Zucker. Außerdem meiden sie oft scharfe Speisen und fetthaltige Lebensmittel.
     
  • Helden der Fettverbrennung
    Chips schaufeln und Pizza essen, wann immer man es will und ohne zuzunehmen. Für die meisten ein Traum, für wenige Wirklichkeit. So unter anderem für eine pakistanische Familie. Sowohl die Eltern als auch ihre neun Kinder haben einen Gendefekt: Gen APOC3 funktioniert nicht. Die Folgen sind in diesem Fall nicht – wie bei den meisten Gendefekten – furchtbarer Natur, sondern bremsen den Fettstoffwechsel und ersparen damit zusätzliche Pfunde. 
     
  • Lebende Virenabwehrschilde
    MOGS-Gen – allein der Name verspricht Ungewöhnliches. Und es enttäuscht nicht. Denn das MOGS-Gen schafft es, Viruserkrankungen zu verhindern. Herausgefunden haben das englische Wissenschaftler an zwei Kindern, die diesen Erbgutdefekt in sich trugen. Während ihre Altersgenossen regelmäßig an Atemwegserkrankungen und Mittelohrentzündungen litten, ging es ihnen bis auf einige Bakterieninfektionen bestens.
     
  • LRP5 und die unzerbrechlichen Knochen
    Spröde Knochen und Osteoporose sind besonders im zunehmenden Alter ein Problem. Denn die Knochendichte sinkt. Die Folge: schnelle Knochenbrüche, wie man sie vor allem oft nach Stürzen bei Senioren sieht. Nicht aber bei Menschen mit einer bestimmten Mutation auf dem Gen LRP5. Dieses Gen reguliert die Knochendichte. Während einige LRP5-Mutationen für eine besondere Osteoporose-Anfälligkeit sorgen, kann eine andere den Knochenstoffwechsel derart positiv beeinflussen, dass das genaue Gegenteil geschieht: Die Knochen werden besonders stabil, fanden Forscher der Yale University heraus.
    Auch ohne Gentest kann man die entsprechenden Menschen nach Erkenntnis der Forscher an einem breiten Kiefer und einem knöchernem Gebilde am Gaumen erkennen. Die Hoffnung der Wissenschaftler besteht nun darin, die Wirkung der günstigen Mutation nachzuahmen und so eine hohe Knochendichte erzeugen zu können. Ein darauf aufbauendes Arzneimittel wäre für Osteoporose-Kranke oder Patienten mit der sogenannten Glasknochenkrankheit ein Segen. Rund 6.000 Menschen in Deutschland sind davon betroffen.
     
  • Schmerzlos durchs Leben
    Kein Hunger, keine Schmerzen und kein Schlafbedürfnis – das klingt wie ein Superheld aus dem Comic. Diese Eigenschaften aber verursacht ein Gendefekt, der sich Chromosom 6p-Defekt nennt. In der Realität hat er allerdings nicht so viele Vorteile, wie man sich vorstellen würde. Die Fähigkeit Schmerz zu empfinden, schützt uns vor Gefahren. Vor allem Kindern mit diesem Gen-Defekt droht Gefahr, wenn sie beispielsweise die Hand arglos zu lang auf einer heißen Herdplatte liegen lassen. Problematisch sind auch das fehlende Hunger- und Schlafgefühl. Müdigkeit erinnert an die Regenerationszeit, die jeder Organismus benötigt, ebenso wie Hunger an die Nährstoffzufuhr erinnert, die uns vor dem Sterben bewahrt.
     
  • CETP und der Cholesterin-Schutz
    Cholesterin ist als Risikofaktor für Gefäßverkalkung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bekannt. Normalerweise beeinflussen wir den Cholesterinspiegel über die Ernährung. Doch nicht ausschließlich. Forscher entdeckten auch hier ein Gen, das positiv Einfluss auf die Gesundheit nehmen kann. Sein Name: CETP (Cholesterinester-Transferprotein). Seine Aufgabe: die Produktion eines speziellen Proteins. Ist dieses Gen von einer Mutation betroffen, kommt es zu einem Mangel an dem Protein. Für den Körper hat das positive Auswirkungen, denn das Zuwenig ist automatisch mit einem hohen Niveau des nützlichen HDL-Cholesterins verbunden. Es sorgt für einen schnelleren Abtransport des Cholesterins zur Leber und senkt dadurch den Cholesterinwert im Blut. Es hat also eine gefäßschützende Wirkung.
     
  • Super Kaffee-Trinker
    Amerikanischen Forschern verdanken wir die Erkenntnis, dass manche Menschen einfach mehr Kaffee vertragen als andere, ohne nervös zu werden oder Herzrasen zu bekommen. Das hängt zusammen mit Genvarianten der Gene BDNF und SLC6A4. Sie sorgen dafür, dass der Körper das aufgenommene Koffein schneller abbaut. Die Wissenschaftler erklären damit auch, warum einige auch dann gut schlafen, wenn sie abends noch Koffein zu sich nehmen.
     
  • Angeborener Schutzschild gegen Diabetes
    Diabetes tritt oft in Folge von ungesunder Ernährung, Übergewicht und Bewegungsarmut auf. Doch keinesfalls immer. Dass das so ist, könnte auf den Ausfall eines Gens zurückzuführen sein, das normalerweise den Transport von Insulin in den Zellen regelt. Seine Träger profitieren von seiner schützenden Wirkung. Sie haben eine um zwei Drittel geringere Wahrscheinlichkeit an Diabetes zu erkranken. Verschiedene Pharmaunternehmen forschen bereits an Arzneimitteln, die dieses Wissen nutzen.
     
  • Schutz vor HIV
    Einer unter hundert Europäern ist statistisch gesehen mit einer angeborenen Resistenz gegen HIV ausgestattet, fanden amerikanische Forscher heraus. Ihre Besonderheit: eine Mutation im Rezeptor des Gens CCR-5. Ohne ihn kann das HI-Virus nicht in die Wirtszelle gelangen. Eine Infektion bleibt dadurch also aus. Die Experten schätzen, dass rund 800.000 Deutsche auf diese Weise vor dem AIDS-auslösenden Virus geschützt sein könnten, sofern es über Geschlechtsverkehr übertragen wird. Der Schutz vor der Virusvariante "T-tropic-HIV", die in erster Linie durch Blutprodukte und kontaminierte Nadeln übertragen wird, ist trotz Genmutation nicht gegeben.
     
  • Eingebauter Malaria-Schutz
    Die Sichelzellenkrankheit ist für ihre Träger eine Gefahr. Denn die normalerweise runden, glatten Blutkörperchen sind bei ihnen durch einen Gendefekt hart und spitz. Dadurch können sie sich leichter ineinander verhaken und die Blutgefäße verstopfen. Das wiederum führt zu gefährlichem Sauerstoffmangel. Dennoch bringt diese Genmutation, die Forscher zunächst in Ghana fanden, auch eine Veränderung mit sich, für die die Wissenschaft sich in besonderem Maß interessiert: Träger der Sichelzellenkrankheit sind zugleich weniger anfällig für die Tropenkrankheit Malaria. Diese wird durch den Stich einer mit Malaria infizierten Mücke übertragen. Durch ihre Sichelform sind die Blutkörperchen ein schlechteres Ziel für den auslösenden Parasiten.
     
  • Gesunde Gesichtsfarbe per Gen
    Wenn man das gerade getrunkene Glas Wein an der gesunden Wangenröte ablesen kann, könnte ein verändertes Gen vorliegen. ALDH2 nennt sich die Erbanlage. Sie stört die Fähigkeit des Leberenzyms das Alkohol-Nebenprodukt Acetaldehyd in Acetat umzuwandeln. Acetaldehyd sorgt im Körper dafür, dass sich die kleinsten Blutgefäße öffnen, die Organe und Gewebe im Körper mit Blut und damit mit Sauerstoff versorgen. Das wird bei den Trägern der Genmutation dann auch im Gesicht erkennbar. Allerdings sollen Betroffene ein höheres Risiko für Speiseröhrenkrebs haben.
 
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