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Magen-Darm-Zeit
Diese Durchfallerreger verbreiten sich jetzt in NRW

Diese Durchfallerreger verbreiten sich jetzt in NRW
Noro- oder Rotaviren sind in den Wintermonaten für die meisten Magen-Darm-Infektionen verantwortlich. FOTO: Shutterstock/anucha maneechote
Düsseldorf. 1.665 Menschen sind in den vergangenen vier Wochen in Nordrhein-Westfalen durch das Norovirus erkrankt. Betroffen sind vor allem Duisburg, Dortmund und auch Viersen. Hier lesen Sie, welches die häufigsten Auslöser sind und wie Sie sich davor schützen können. Von Tanja Walter

Von einem Moment auf den anderen ist es da: Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen, Kopfweh und Bauchschmerz. Das Schlimmste aber sind die schwallartigen Brechattacken und heftige Durchfälle. Der Übertäter ist nicht mehr als 35 Nanometer groß. Sein Name: Norovirus.

1.665 Menschen in NRW erkrankten an Norovirus

Regelmäßig zur Winterzeit breitet sich das Virus im Land aus. Wer nun jetzt schon genervt oder verschreckt ist von häufiger vernommenen Magen-Darm-Meldungen im Umfeld, der sollte wissen, dass das erfahrungsgemäß nur der Anfang ist. 1.665 Menschen in Nordrhein-Westfalen wurden in den letzten vier Wochen vom Norovirus überrascht.

Und auch wenn Experten wie Ulrich Tappe vom Berufsverband niedergelassener Gastroenterologen von einem "gewöhnlichen saisonalen Infekt" sprechen, ist diese Zahl im Vergleich zu den Vorjahren hoch. Das Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen dokumentiert für den gleichen Zeitraum im Vorjahr lediglich 626 Fälle, im Jahr 2014 sogar lediglich 463.

In diesen Städten breitet sich der Erreger bereits aus

Vor allem die Städte Duisburg, Dortmund oder Viersen sind bislang betroffen. Laut der Statistik des Landeszentrums Gesundheit sind es 101 Fälle in den letzten vier Wochen in Duisburg, 89 in Dortmund und 64 in Viersen. Nach Einschätzung der Experten sei dies jedoch nicht besorgniserregend, sondern entspreche derzeit noch der üblichen saisonalen Erkrankungshäufigkeit. Düsseldorf und Neuss liegen mit rund 50 Fällen im Mittelfeld und Mönchengladbach steht vergleichsweise gut da – hier sind es 30 Fälle, in Mettmann, Heinsberg und Kleve sogar noch weniger.

Tatsächliche Zahlen deutlich höher als Statistik vorgibt

Allerdings hat diese harmlos wirkende Statistik einen Haken: "Tatsächlich sind die Zahlen meist deutlich höher", sagt ein Sprecher des Landeszentrums für Gesundheit. Das zeigt die Nachfrage bei den örtlichen Gesundheitsämtern: In Viersen beispielsweise stieg die Zahl der Noroinfektionen von 23 Fällen im Oktober sprunghaft auf 144 Fälle im November an. Auch in Düsseldorf ist ein Anstieg zu beobachten. "Man muss von einer großen Dunkelziffer ausgehen, da nicht jeder Patient zum Arzt geht und nicht bei jedem ein mikrobiologischen Nachweis geführt wird", sagt Klaus Göbels, Leiter des Gesundheitsamtes Düsseldorf.

Beim Landeszentrum schlagen sich diese Zahlen erst zeitversetzt nieder. "Wir erfassen nur die Fälle, die vom Labor bestätigt werden", heißt es von dort. Eine Laboruntersuchung lassen die Ärzte jedoch in der Regel nicht machen, da "die meisten Magen-Darm-Erkrankungen selbstlimitierend sind" sagt Tappe. Sie vergehen also nach kurzer, heftiger Zeit von selbst wieder. Da die Ergebnisse aus dem Labor erst eintreffen würden, wenn ohnehin alles überstanden ist, macht die Untersuchung nur Sinn, wenn die Beschwerden über zwei bis drei Tage hinweg andauern.

Dann sollten Sie zum Arzt

In der akuten Phase eines Magen-Darm-Infekts kann man also getrost mit Abwarten und Tee trinken verbringen. Zum Arzt sollte man gehen, wenn man neben Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall weitere Symptome wie "zum Beispiel Blut im Stuhl, hohes Fieber oder Kreislaufprobleme durch den Flüssigkeitsverlust hat", sagt Tappe. Das kann in schlimmen Fällen sogar einen Krankenhausaufenthalt notwendig machen. Säuglinge unter sechs Monaten sollten immer beim Arzt vorgestellt werden, da bei ihnen der Flüssigkeitshaushalt schnell entgleist und sie austrocknen können. Auch für Menschen mit schweren Erkrankungen ist der Besuch beim Doc wichtig.

So steckt man sich an

Neben dem Norovirus, das die häufigste Ursache virusbedingter Magen-Darm-Infekte ist, endet auch der Angriff durch Rotaviren für die meisten vor oder auf der Schüssel. Denn beide Erreger sind extrem ansteckend – ihre Inkubationszeit beträgt zwischen sechs Stunden und ein bis drei Tagen. Für eine Infektion mit dem Rotavirus reichen bereits zehn bis 100 Viren aus. Sie tummeln sich ähnlich wie auch beim Norovirus zu Hauf in Erbrochenem, kleben an Gegenständen, Türklinken und Lichtschaltern, überleben in Teppichböden oder schleudern in Tröpfchen durch die Luft. In Gemeinschaftseinrichtungen wie Altenheimen, Kindergärten und Schulen liegt damit für sie der rote Teppich aus. Nach Informationen der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) überstehen die winzigen Biester sogar Temperaturen von minus 20 bis plus 60 Grad Celsius.

So können Sie sich schützen

Stellt sich die Frage: Wie kann man sich schützen? Mit Blick auf das Rotavirus ist das zumindest bei Säuglingen zwischen sechs und 32 Wochen leicht durch eine Schluckimpfung möglich. "Erwachsene haben nach einer Erkrankung einen gewissen Schutz davor", sagt Tappe. Anders sieht das bei Infektionen mit dem Norovirus aus. Es verändert ähnlich wie die Influenza-Erreger ständig seinen Charakter. Dadurch ist man laut Tappe nach einer Infektion höchstens für eine Saison geschützt.

Aus diesem Grund empfiehlt sich vorbeugend eine gewissenhafte Handhygiene. Waschen mit Seife und das Benutzen eines Einweghandtuchs oder eines eigenen Abtrockentuchs ist das Mindeste. "Pflegende Angehörige sollten beim Waschen von Kleidungsstücken und Handtüchern oder beim Toilettenputzen unbedingt Einmalhandschuhe nutzen", sagt Andreas Stallmach, Leiter der Abteilung für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie am Uniklinikum Jena.

Das Hantieren mit Desinfektionsmitteln im eigenen Haushalt bringt dagegen weniger als erhofft. Der Grund: "Man müsste schon zu einem Zeitpunkt desinfizieren, zu dem man noch gar nichts von der Infektion eines Angehörigen weiß", sagt Tappe. Wenn die Erkrankung augenscheinlich wird, ist es meist zu spät. Forscher konnten darüber hinaus zeigen, dass Seife und Wasser wirksamer im Schutz gegen Noroviren sind als die Desinfektion. Wer dennoch auf solche Produkte setzt, sollte darauf achten, dass sie gegen den akuten Erreger wirksam sind. Neben Viren können auch Bakterien oder Parasiten Magen-Darm-Erkrankungen auslösen.

Selbst wenn die Erkrankung scheinbar ausgestanden ist, tut man gut, sich in Zurückhaltung zu üben und über das Abklingen der Symptome hinaus zwei Tage zu Hause zu bleiben, empfiehlt Stallmach. Ansonsten bestehe das Risiko, dass sich Noroviren weiter ausbreiten. Der Körper scheidet die Viren nämlich sogar noch über ein bis zwei Wochen aus.

Welche Durchfallerreger uns sonst das Leben schwer machen, lesen Sie in dieser Übersicht.

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