Schweiß, Stinkefüße und Mundgeruch
Diese Krankheiten erkennt man am Körpergeruch

Diese Krankheiten erkennt man am Körpergeruch
Mundgeruch kann undramatische Ursachen haben, aber auch auf schwere Krankheiten wie Diabetes oder Hepatitis hindeuten. FOTO: Shutterstock/PathDoc
Düsseldorf. Käsefüße, Achselschweiß und Mundgeruch – das stinkt gewaltig. Welche Signale wir an fremde Nasen senden, hängt allerdings nicht nur vom Hygieneverhalten oder vom Schwitzen ab. Denn solcher Mief lässt auch auf Krankheiten schließen, die uns sogar das Leben kosten können. Von Tanja Walter

Körpergerüche müssen nicht zwangsläufig abstoßend sein. Es gibt jede Menge, die uns Aufschluss darüber geben, ob unser Gegenüber gerade sexuell erregt ist oder ob es sich fürchtet. Wie gut das funktioniert, haben Wissenschaftler im Tierreich untersucht: Tiere nämlich geben Duftstoffe ab, die Auskunft über ihr Immunsystem geben. So stellt die Natur sicher, dass sich möglichst Paare mit unterschiedlichster immunologischer Ausstattung finden und so die daraus hervorgehenden Nachkommen bestmöglich vor Infektionen geschützt sind.

Beim Menschen sei das ähnlich, haben Max-Planck-Forscher aus den Instituten in Freiburg und Plön nachgewiesen. Auch unser unsensibler Riechapparat ist zu allerhand in der Lage. Das Manko an der menschlichen Wahrnehmung allerdings ist: Sie ist eher instinktiv. Bewusst nehmen wir nur sehr aufdringliche Gerüche wie Schweiß, Knoblauchduft oder Mundgeruch wahr. Doch auch das Unangenehme zu Erschnuppern, kann Vorteile haben, denn Körpergerüche sind mehr als nur Geruchsbelästiger, sondern mitunter auch Warnhinweise in Sachen Gesundheit.

Warum Schweiß unangenehm riecht

Schweiß ist ein Beispiel dafür. Das, was uns beim Sport, bei Hitze oder auch durch Übergewicht übermäßig aus den Poren rinnt, ist an sich erst einmal geruchsneutral. Denn das austretende, klare Körpersekret, das in dem Fall die Aufgabe erfüllt, den Körper auf eine erträgliche Betriebstemperatur zu kühlen, besteht zu 99 Prozent aus Wasser. Für den bekannten fiesen Schweißgeruch sind zum Teil die Stoffe verantwortlich, die das restliche Prozent ausmachen: Neben Salz sind das vor allem Eiweiß, Aminosäuren, Milchsäure, Harnstoff, Zucker und Fett.

Angewiderte Nasenrümpfer zieht Schweiß nach sich, wenn er von Bakterien auf der Haut bearbeitet wurde. Bei dem Zersetzungsprozess wird unter anderem Buttersäure oder Methylhexansäure frei – die ist also für den ranzigen Geruch bei schwitzenden Menschen verantwortlich. Je länger die Bakterien am Werke sind, desto unangenehmer wird die Geruchsbelästigung.

Welche Krankheiten man im Schweiß riechen kann

Doch Schweiß ist nicht gleich Schweiß, denn in manchen Fällen kann er durch eine besondere Geruchsnote auf Krankheiten aufmerksam machen: Meist harmlos aber auch geruchsverändernd kann Fieber sein. Wenn das Körperabwehrsystem auf Hochtouren läuft und sich der Stoffwechsel verändert, ändert sich auch der Geruch. Schwerwiegender sind Stoffwechselstörungen wie das TMAU-Syndrom, die unter anderem durch nach Fisch riechende Ausdünstungen auffallen. Der starke Fischgeruch, der auch bei ausgeschiedenem Urin wahrgenommen werden kann, entsteht dabei durch mitausgeschiedene, hohe Mengen an Trimethylamin. Dieser Stoff wird normalerweise in der Leber und einen geruchslosen Stoff umgewandelt. Versagt dieser Mechanismus, macht sich das unter anderem über die Nase bemerkbar.

Dauernder Schweißgeruch kann zudem bei Menschen auffallen, die unter krankhaftem und übermäßigem Schwitzen, einer sogenannten Hyperhidrose leiden. Diese Erkrankung kommt schubweise und anfallsartig über die Betroffenen. Sie leiden unter extremen Schweißausbrüchen an den Händen, unter den Achseln oder auch an den Füßen, die durch eine Fehlfunktion der Nerven hervorgerufen wird, die die Schweißdrüsen steuern.

Hormonelle Umstellung erschnuppern

Auf Fehlfunktion kann die Schweißproduktion eines Menschen auch in Lebensphasen der hormonellen Umstellung stehen. In der Pubertät ebenso wie auch in den Wechseljahren kann es durch übermäßige und ungewohnte Schweißproduktion zu intensiven Körpergerüchen kommen. Sehr markant nach Urin riecht mitunter Schweiß, wenn der Betroffene an einer Nierenkrankheit leidet.

Wer anderen näher kommt, wird nicht nur durch Schweißgeruch abgeschreckt. Unerträglicher Geruch aus dem Mund ist Kontaktkiller Nummer zwei. Jeder weiß, dass Knoblauch dem Essen zwar eine außerordentliche Würze verleiht, dem Genießer selbst aber nach dem Verzehr der gut gewürzten Mahlzeit auch selbst ein hartnäckiger Geruch anhaftet. Dieser entsteht dadurch, dass geruchsintensive Inhaltsstoffe über das Blut in die Lunge geraten und dann abgeatmet werden. Der Organismus scheidet dann nicht nur über den Mund, sondern auch über die Poren den nach diesem Körperrundlauf nicht mehr allzu wohl riechenden Duft aus. Auch Nahrungsmittel wie Zwiebeln, Rettich, Kohl, Rucola können solche Geruchsangriffe auf Außenstehende verursachen.

Bei Karies und Parodontose stinkt es aus dem Mund

Neuere wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Quelle für Mundgeruch in 80 Prozent der Fälle im Mund- und Rachenraum liegt, genau genommen schlummert das Problem in Form unzähliger Bakterien auf dem Zungengrund. Dort leben hunderte unterschiedlicher Bakterienarten. Als Übeltäter ausmachen lassen sich die, die Eiweiße zersetzen und dadurch schwefelhaltige Verbindungen ausscheiden, die für dicke Luft sorgen. Tritt das chronisch auf, kann es die Betroffenen sogar ins soziale Abseits befördern. Dabei lässt sich dagegen meist leicht etwas unternehmen.

Denn in den häufigsten Fällen ist Mundgeruch, medizinisch Halitosis genannt, nach Meinung der Experten Ursache mangelnder Mund- und Zahnhygiene. "Speisereste zwischen den Zähnen, Karies, Parodontitis oder eine mit Bakterien belegte Zunge führen zu Mundgeruch", erläutert Prof. Rainer Seemann von der Zahnklinik der Universität Bern. Besonders eiweißhaltige Lebensmittel wie Fisch und Milch hinterlassen schnell eine üble Geruchsfahne.

Gestank nach Verwesung und faulen Eiern

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich also nach deren Verzehr erste einmal die Zähne und den Mundraum gründlich reinigen. Denn die im Mundraum siedelnden Fäulnisbakterien zersetzen bevorzugt solche Nahrung und vermehren sich explosionsartig, wenn sie nur genug gefüttert werden. Die fleißige Arbeit dieser Bakterien beschert und einen Geruchsangriff, der nach faulen Eiern und Verwesung riecht. Dieser bildet sich durch flüchtige Schwefelverbindungen, die sich als Ausscheidungsprodukt ergeben.

Neben mangelnder Mundhygiene und Zahnerkrankungen kann die üble Duftfahne jedoch auch der Hinweis auf Erkrankungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich sein: Nasennebenhöhlen-, Rachen- oder Mandelentzündungen, die gerne in der kalten Jahreszeit die Runde machen, können Mundgeruch verursachen. Dieser hat dann einen eher süßlichen Geruch, den die bestehenden Eiterherde verströmen.

Diabetes und Bronchitis kann man riechen

Weitere Ursachen von Mundgeruch sind zudem orale Pilzerkrankungen, wie sie schon bei kleinen Kindern vorkommen können, informiert Dr. Michael Deeg, vom Vorstand des Berufsverbandes deutscher Hals-Nasen-Ohrenärzte. Ähnlich wie Karies und auch Virusinfekten ist hier das Risiko gegeben, die Krankheit zu übertragen.

Daneben können Erkrankungen des Verdauungssystems, Magenschleimhautentzündung, chronische Bronchitis, Lungenerkrankungen, Hepatitis, Leberzirrhose und Nierenversagen für üble Gerüche aus dem Mund sorgen, ebenso wie auch Diabetes. Bei ihm fällt Außenstehenden häufig ein nach faulen Äpfeln riechender, alkoholartiger Azetongeruch auf. Der kann entweder eine Art Frühwarnsystem für Unterzuckerung oder aber für eine Überzuckerung sein. In Folge eines zu hohen Blutzuckerspiegels und durch den gestörten Fettstoffwechsel kommt es zu einer lebensgefährlichen Übersäuerung des Blutes. Der Betroffene muss dann möglichst schnell mit Insulin versorgt und auf einer Intensivstation behandelt werden, sonst droht ein sogenanntes diabetisches Koma.

Andererseits kann jedoch auch eine Unterzuckerung den unangenehmen Azetongeruch beim Ausatmen verursachen. Dieser Geruch entsteht, wie auch bei diätwütigen Menschen und solchen, die zu wenig essen, wenn der Körper Fette verwertet, weil andere Energiequellen aufgebraucht sind. Das einfachste Mittel in diesem Fall ist, etwas zu essen.

Warum Urin nach dem Spargel-Genuss riecht

Sollte das jedoch Spargel sein, könnte es beim nächsten Toilettengang in neuer Verunsicherung münden. Denn schon 15 Minuten nach dem Genussmahl könnte beim Wasserlassen ein stechend-beißender Geruch aufsteigen. Der wird durch die in den Spargelstangen enthaltenen Asparagusinsäure verursacht. Dabei handelt es sich um eine Schwefel-Verbindung, die im Körper verstoffwechselt wird. Ihre Abbauprodukte werden dann kurzerhand mit dem Urin ausgeschieden. Sorgen sollte man sich darum nicht, denn es ist kein Anzeichen ernster Erkrankung oder gar Vergiftung. Verwunderlich allerdings: Der stechende Geruch tritt nicht bei jedem auf. 40 Prozent der Menschen besitzen das Enzym, das die Aspargusinsäure abbaut nicht. Ihr Urin riecht also auch nach dem besonderen Mahl wie immer.

So riecht ein Mensch mit Leberproblemen

Wer längere Zeit nichts isst, hat hingegen einen oft einen nach Azeton riechenden Atem. "Dieser Geruch entsteht, wenn der Körper Fette verwertet, weil andere Energiequellen aufgebraucht sind. Das einfachste Mittel dagegen ist, etwas zu essen", erklärt Dr. Martin Strauch vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI). Ein unangenehmer Ammoniak-Geruch, der an Urin erinnert, kann hingegen ein Hinweis auf einen Leber- oder Nierenschaden sein.

Auch einige Medikamente, wie zum Beispiel das Schlafmittel Chloralhydrat , Phenothiazine, die als Wirkstoff bei Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Schizophrenie verabreicht werden oder auch das Entwöhnungsmittel bei Alkoholabhängigkeit Disulfiram können diese unangenehme Begleiterscheinung mit sich bringen. Verhältnismäßig leicht zu beheben ist ein trockener Mundraum als Ursache des Übels. Vor allem ältere Menschen leiden aufgrund von Flüssigkeitsmangel darunter.

Zwiebelchen und Käse – der Urduft

Vor lauter Geruchseindrücken beim Annähern an das Gegenüber sollte man jedoch nicht vergessen: Auch wer eigentlich nach nichts riecht, riecht. Denn jeder Mensch hat seinen eigenen, individuellen Körpergeruch. Der ist nicht nur genetisch und sogar Studien zufolge ethnisch vorbestimmt, sondern hängt auch von den Ernährungsgewohnheiten ab.

Zu guter Letzt verströmen zudem beide Geschlechter einen ihnen eignen Duft: Ausgerechnet zwei Schweizer Forscher haben herausgefunden, dass Männern ein Käsegeruch anhaftet, den manche auch als schweißig wahrnehmen. Er basiert auf dem männlichen Sexualhormon Testosteron. Ob Frauen dergleichen Studie nach nun besser duften oder nicht, soll jeder für sich selbst herausfinden. Der feminine, durch Östrogene geprägte Duft enthält einen hohen Schwefelanteil. Das macht die Frauen leicht zwiebelig.

Wann man zum Arzt sollte

Nehmen Sie plötzliche Veränderungen wahr, die nicht erklärbar sind, oder die Sie beunruhigen, suchen Sie einen Arzt auf. Gleiches gilt für riechbare Symptome, die mit weiteren Faktoren einhergehen. Fühlen Sie sich müde und krank oder haben Sie Schmerzen, gehören Sie zum Arzt.

Das sagen Urin, Blut und Speichel über unsere Gesundheit

Wann Körpergeräusche durch Erkrankungen entstehen

Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Diese Krankheiten erkennt man am Körpergeruch


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.