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Diese Reservemedikamente liegen in den Panzerschränken der Ärzte

Antibiotika – Medikamente gegen gefährliche Bakterien – zählen zu den größten Errungenschaften der Medizin. Doch immer häufiger versagen sie und können die Erreger nicht mehr abtöten. Denn diese sind mutiert und überstehen den medikamentösen Angriff folgenlos. Noch haben Ärzte und Kliniken gegen schwerste Infektionen Reservemedikamente in der Hinterhand. Lesen Sie hier, welche es sind.

Diese Reservemedikamente liegen in den Panzerschränken der Ärzte

Linezolid ist ein Antibiotikum, das zu einer der neuesten verfügbaren Antibiotikagruppen gehört. Es zählt zur Gruppe der Oxazolidinone, einem chemisch-synthetischen Wirkstoff und wird als Reserveantibiotikum bei MRSA und schweren Lungenentzündungen eingesetzt, die sonst in 40 bis 70 Prozent zum Tode führen. Verursacht wird die Infektion unter anderem durch multiresistente Staphylococcus aureus -, Strepptokokken- oder Enterokokkenerreger.

Diese Bakterien benötigen zum Überleben Eiweiße, deren Produktion der neue Wirkstoff hemmt. Dem Erreger wird so die Lebensgrundlage entzogen und er stirbt ab. Damit unterscheidet sich Linezolid von der Wirkungsweise anderer Antibiotika und soll so besonders in Situationen helfen, in denen gängige Antibiotika wie Erythromycin, Vancomycin oder auch Penicillin versagen.

Mögliche Nebenwirkungen sind: Durchfall, Kopfschmerz, Übelkeit, sowie Geschmacksveränderungen.

Diese Reservemedikamente liegen in den Panzerschränken der Ärzte

Tigecyclin ist ein Antibiotikum, dessen Ausgangswirkstoff chemisch so verändert wurde, dass er auch gegen Tetracyclin-resistente Stämme wirkt. Die deutsche Zulassung bekam es 2005. Gegeben wird es ausschließlich bei komplizierten Haut- und Weichgewebsinfektionen und komplizierten Infektionen innerhalb des Bauchraums, ist jedoch auch bei MRSA wirksam. Das Arzneimittel wird nur nach strikter Risiko-Nutzen-Abwägung verabreicht, denn die amerikanische Food and Drug Association (FDA) weist in einer Stellungnahme auf eine höhere Sterblichkeit unter der Anwendung von Tigecyclin im Vergleich zu anderen Antibiotika hin. Diese ist allerdings umstritten.

Mögliche Nebenwirkungen sind: Übelkeit, Darmprobleme und Erbrechen treten als Nebenwirkung deutlich häufiger auf als bei anderen Antibiotika.

Diese Reservemedikamente liegen in den Panzerschränken der Ärzte

Ceftarolin bekam im Jahr 2012 in Deutschland die Zulassung. Entwickelt wurde es aus einem bereits zugelassenen und lange erprobten Antibiotikums, das wegen Resistenzen nicht mehr wirksam ist. Für das neue Generation des Arzenimittels wurde die Molekülstruktur so verändert, dass die Resistenz nicht mehr greift.

Gegeben wird es bei ambulant erworbener Lungenentzündungen, komplizierten Haut- und Weichteilinfektionen, gegen MRSA und MRSE  – beides multiresistente Streptokokken-Infektionen –, sowie bei gegen das Mittel Vancomycin-resistente Enterokokken, die Darmerkrankungen verursachen.  Das Reservemedikament wird auf Basis eines Schimmelpilzes hergestellt.

Nebenwirkungen traten bei weniger als 5 Prozent der Probanden auf und äußerten sich vor allem durch Übelkeit, Durchfall und Juckreiz.

Diese Reservemedikamente liegen in den Panzerschränken der Ärzte

Ceftobiprol kam 2014 auf den deutschen Markt und ist ebenso wie Ceftarolin auf Basis eines Schimmelpilzes hergestellt, der das chemisch abgewandelt wird. Es wirkt gegen durch verschiedene multiresistente Erreger verursachte Lungenentzündungen wie MRSA oder Wundinfektionen und Blutvergiftungen.

Mögliche Nebenwirkungen sind: Durchfall und Hautausschlag.

Diese Reservemedikamente liegen in den Panzerschränken der Ärzte

Telavancin kam 2014 auf den deutschen Markt und ist auf Basis eines Naturstoffs hergestellt. Es ist zur Behandlung von Erwachsenen zugelassen, die unter einer im Krankenhaus erworbenen Lungenentzündung leiden, welche durch multiresistente Staphylococcus aureus (MRSA) –Keime verursacht sind. In den USA kommt es auch bei der Behandlung schwerer Hautinfektionen zum Einsatz.

Das neue Antibiotikum darf nicht bei Nierenkranken und Schwangeren zum Einsatz kommen. 

Mögliche Nebenwirkungen sind: Pilzinfektionen, Schlaflosigkeit, Geschmacksstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Verdauungsstörungen, Hautausschlag und akutes Nierenversagen.