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Nicht nur Alkoholiker betroffen
Warum sich die Fettleber zum Volksleiden entwickelt

Fettleber abbauen - nicht nur Alkoholiker betroffen
Leberversagen und Krebs zählen zu den gefürchtetsten Krankheiten, die aus einer Fettleber entstehen können. FOTO: Shutterstock/CLIPAREA l Custom media
Mönchengladbach/Aachen. Leberentzündung, Zirrhose und Leberkrebs – diese Erkrankungen entwickeln sich aus einer Fettleber, unter der knapp ein Viertel der Deutschen leidet. Hier lesen Sie, warum diese Leberkrankheit so häufig ist und wie man sie stoppen kann. Von Tanja Walter

Anne L. hat keine Schmerzen, als sie zum Vorsorgecheck zum Arzt geht. Was sie nicht spürt: Ihre Leber ist krank und deutlich vergrößert. Die Ursache dafür: Ihr Entgiftungsorgan ist stark verfettet. Was früher nur Alkoholikern zugeschrieben wurde, macht sich als neue Volkskrankheit breit. Zu viele Kohlenhydrate, zu viel Fruchtzucker, zu viel Fett, zu wenig Bewegung – all das setzt dem Stoffwechselorgan heftig zu. Wer mehr Energie aufnimmt als er braucht, der provoziert, dass sich diese nach einiger Zeit auch als Fett in den Leberzellen ansammelt. Oft wird diese Gefahr jedoch unterschätzt. Darum nimmt die Zahl der Betroffenen in Deutschland stetig zu. Schon jetzt ist sie die häufigste Lebererkrankung hierzulande.

NASH – wenn die Leber sich entzündet

In Zusammenhang mit Bluthochdruck, Übergewicht, einer Fettstoffwechselstörung oder Diabetes – die allesamt als Wohlstandserkrankungen bekannt sind – nimmt das Unheil seinen Lauf: Unter der Last der Fetteinlagerung können einzelne Leberzellen zusammenbrechen. "Sie sterben ab. Das löst im umgebenden Gewebe eine Entzündung aus", sagt Hans-Georg Hörster, Gastroenterologe aus Mönchengladbach. So kommt es in einer zweiten Stufe zur Fettleberhepatitis, oder "nicht-alkoholischen Fettleberhepatitis", abgekürzt NASH (non-alcoholic steatohepatitis). Bis zu einem Drittel der Betroffenen bekommt diese gefährliche Leberentzündung.

Im Unterschied zur alkoholischen Fettleber (ASH), die durch Alkohol ausgelöst wird, entwickelt sich NASH als Folge von Über- und Fehlernährung. "Vor allem bei Männern sehen wir eine Zunahme der Erkrankung", sagt Hörster weiter. Der körpereigene Energielieferant und Entgifter kann seine Aufgabe bei der Stoffwechselkontolle nicht mehr richtig übernehmen. Die Blutzucker- und Blutfettwerte beginnen zu entgleisen. Das wiederum lässt das Risiko für Diabetes, Bluthochdruck und das metabolische Syndrom steigen. Es entsteht ein Teufelskreis.

Leberzirrhose und Krebs – die gefürchteten Endstadien

Wird der Verfettungsprozess nicht aufgehalten, vernarbt das Organ zusehends. Die Mediziner bezeichnen das als Fibrose. Dieser Zustand kann in eine Leberzirrhose als drittes Stadium übergehen. "Dabei sind zwei Endstadien besonders gefürchtet: die Leberzirrhose und der Leberzellkrebs", sagt Professor Frank Tacke, Gastroenterologe am Uniklinikum Aachen. "Komplikationen der Fettlebererkrankung machen in den USA bereits den zweithäufigsten Grund für Lebertransplantationen aus. In einigen Jahren wird das auch hier ein riesiges Problem sein." Das lässt Experten wie ihn sorgenvoll in die Zukunft blicken.

Bei der Leberzirrhose kann die Leber als Entgiftungsorgan ihre Aufgabe nicht mehr richtig wahrnehmen und versagt. "Die Betroffenen lagern in Folge dessen Wasser im Bauchraum ein. Manche erbrechen plötzlich Blut, was auf Blutungen von Krampfadern zurückzuführen ist, die sich an der Speiseröhre bilden", erklärt Professor Tacke.

Symptome meist erst, wenn es zu spät ist

Bis es soweit ist, verspüren die Betroffenen oft keine Symptome. Denn meist stellen sich erst in fortgeschrittenen Erkrankungsstadien unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Völlegefühl oder Übelkeit ein. "Wir erleben darum öfter, dass Menschen mit Wassereinlagerungen im Bauchraum eingeliefert werden und erst dann die Diagnose "Leberzirrhose" erhalten", schildert Tacke aus dem Klinikalltag. Das macht die nicht-alkoholische Fettleberhepatitis so gefährlich. Die Leber leidet still, bis es irgendwann vielleicht zu spät ist.

Anne L. hat Glück. Denn sie plagen immer wieder Beschwerden im Verdauungstrakt, die sie beim Check-up anspricht. Diese veranlassen ihren Arzt, ein Ultraschall des Bauchraumes zu machen. Dabei entdeckt der Mediziner die verfettete Leber. Diese lässt sich manchmal bei der körperlichen Untersuchung als vergrößert ertasten. "Bei einer Blutuntersuchung können zudem erhöhte Leberenzymwerte einen Hinweis auf die Schädigung der Leber geben", sagt Tacke.

Warum die Leber noch nicht verloren ist

In diesem Stadium ließe sich noch vieles zum Guten wenden. "Denn die Leber ist regenerationsfähig", sagt Dr. Hans-Georg Hörster. Wer nun auf die Bremse tritt, Kohlenhydrate reduziert und auf Bewegung setzt, der kann erreichen, dass das lebenswichtige Organ wieder gesundet. Mit einer gezielten Ernährungsumstellung und konsequentem Abnehmen kann man erreichen, dass sich der Stoffwechsel wieder normalisiert und sich das geschädigte Organ wieder erholt.

Das hilft der Leber bei der Regeneration

Dabei sollte man statt auf Brot und Kartoffeln eher auf eiweißreiches und fettarmes Geflügelfleisch oder Fisch setzen. Der enthält zudem gesunde Omega-3-Fettsäuren, die auch in Rapsöl zu finden sind. Grundsätzlich jedoch ist beim Fett Zurückhaltung empfohlen. Enthaltsamkeit ist auch bei Fruchtzucker angesagt. Der gilt zwar als gesündere Alternative zum Haushaltszucker, wirkt sich jedoch laut neuerer Studien ungünstig auf den Stoffwechsel aus.

In der Leber dient der freie Zucker zur Bildung von Fettsäuren. Darum gilt die massenhaft in Softdrinks, aber auch fertigen Obst-Smoothies aus dem Supermarkt steckende Fructose als weiterer Auslöser für eine verfettete und auch entzündete Leber. Wer dem großen Organ hingegen Gutes tun will, der sollte sich täglich 30 Minuten bewegen (an mindestens fünf Tagen pro Woche), Risikofaktoren wie Alkohol und Rauchen meiden und sein Körpergewicht auf einen Body-Mass-Index zwischen 18-25 normalisieren. Die Naturheilkunde empfieht Löwenzahn- und Schafgarbentee, die einen entgiftenden Effekt für die Leber haben und so den Heilungsprozess unterstützen sollen. Ihre Wirkung ist allerdings nicht wissenschaftlich belegt, ebenso wie auch die Einnahme von Mariendistel- oder Artischockenpräparaten.

Bei allem guten Willen sollte man beim Abnehmen dennoch Maß halten. "Wichtig ist eine langsame Gewichtsreduktion von einem halben Kilo bis Kilo in der Woche", sagt der Gladbacher Gastroenterologe. Wer mit einer Crashdiät versucht, schnell Pfunde zu verlieren, der riskiert das Gegenteil. Warum, das erklärt Dr. Hans-Georg Hörster: "Bei der Gewichtsabnahme können einige Stoffe entstehen, die in einer solchen Menge entstehen, dass das Organ beim Abbau überfordert ist. Das genau kann dann zur Leberverfettung führen."

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