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Schnupfen, Husten, Halsschmerzen
Wie lange ist man mit einer Erkältung ansteckend?

Erkältung: Wie lange ist man ansteckend bei Schnupfen, Husten, Halsschmerzen?
Erkältete Familie beim Rudelschneuzen (Symbolbild). FOTO: Shutterstock/Andrey_Popov
Düsseldorf. Dezimierte Kollegenkreise, halb leere Schulklassen: Die Grippe- und Erkältungswelle schraubt überall den Krankenstand nach oben. Aber wie lange muss man eigentlich Abstand halten von Menschen, die husten und niesen? Von Tanja Walter

Zwei- bis dreimal pro Jahr schlagen statistisch gesehen die Erkältungsviren bei jedem Erwachsenen zu. Wenn alles keucht und schnieft, scheint die Hoffnung aussichtslos, selbst gesund zu bleiben. Vor allem in der Karnevalszeit. "Die ist ein Eldorado für Viren", sagt Virologe Ortwin Adams von der Universität Düsseldorf. In Kneipen oder Festsälen stehen die Menschen eng beisammen, sie schunkeln und bützen – da werden Erkältungs-, aber auch Influenzaviren hemmungslos weitergegeben.

Handhygiene und Abstand halten 

Sicher sind aber auch Karnevalsmuffel nicht. In gemeinsamen Büros, in Bahnen und Bussen oder im Kino – überall lauern die winzigen Angreifer. Und nicht nur beim Niesen fliegen Erreger in den Raum. "Auch durch lautes Sprechen fliegen die Viren über einen Meter weit", sagt Adams. Influenzaviren brauchen sogar nur winzigste Kleinpartikel, um über die Luft zum nächsten zu gelangen. Wer es schafft, körperlich Distanz zu halten, der kann sich die Viren immer noch über Oberflächen holen. "Darum ist die Handhygiene so wichtig", sagt der Virenexperte. 

Die Frage ist nur: Wie lange sind denn Erkältete ansteckend? Eine allgemeingültige Erklärung gibt es dafür allerdings nicht. Beispiel Rhinoviren: Sie sind für Schnupfen verantwortlich. "Alleine in dieser Gruppe gibt es über 150 verschiedene Typen", sagt Adams. Jede Saison dominieren davon ein Dutzend anderer. Gemeinsam mit den Adenoviren, von denen es auch mehr als 50 verschiedene Unterarten gibt, zählen sie zu den typischen Auslösern einer gemeinen Erkältung.

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Sie alle sind unterschiedlich stark ansteckend und übertragen sich auch verschieden schnell. Bereits bevor wir selbst mit einem dicken Schnupfen im Bett liegen, haben wir zahlreiche andere angesteckt. Als Faustregel gilt laut Adams: Je akuter die Symptome, desto ansteckender ist der Kranke. Ein Restbestand an Viren ist bei den meisten Erkältungserregern aber auch dann noch im Körper, wenn die Symptome nach rund einer Woche abklingen, und selbst dann noch, wenn sie bereits verschwunden sind. Die Gefahr, sich dann noch anzustecken, ist jedoch eher gering.

Letztlich ist sie aber nicht nur vom Virentyp abhängig, sondern auch vom Erkrankten selbst. Ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen doktern im Schnitt länger an Erkältungsinfekten herum. Sie haben zudem ein höheres Risiko, eine Doppelinfekton zu erleiden. "In 15 Prozent der Fälle erkranken Menschen gleich an zwei verschiedenen Viren", sagt Adams.

Ansteckend vor dem Auftreten von Symptomen

"Bei der Influenza beginnt die Ausscheidung der Erreger schon einen Tag, bevor der Betroffene Symptome zeigt", sagt der Virologe. Anstecken kann man sich also schon dann, wenn man gar nicht damit rechnet.

Den Symptomen der Influenza ähneln auch die einer Infektion mit Respiratorischen Synzytial-Viren (RSV). Sie zeigt sich mit Halsschmerzen, Bronchitis oder Fieber. "RSV ist eigentlich eine Erkrankung, die den Kinderärzten bekannt ist. Allerdings wird dieser Erreger unterschätzt", sagt Adams. In diesem Jahr beobachte man auch bei Erwachsenen einen Erkrankungsanstieg. Auch dieses Virus überträgt sich per Tröpfchen oder über kontaminierte Gegenstände. Im Atemwegssekret bleibt RSV laut Informationen der Uni Heidelberg 20 Minuten infektiös, auf Papiertüchern oder Baumwollstoffen 45 Minuten und auf Kunststoffoberflächen sogar bis zu mehrere Stunden lang. Auch hier sind die infizierten Personen bereits in den ersten zwei bis fünf Tagen vor Auftreten der ersten Symptome ansteckend.

Ein großer Traum: Impfen gegen Erkältung

Trotz dieses Wissens lässt sich jedoch noch lange nicht alles in Sachen Virenerkrankungen vorhersagen. Ein Grund dafür: Viele Viren sind sehr anpassungsfähig. So zum Beispiel die Rhinoviren. Sie können sich innerhalb kürzester Zeit durch Mutation verändern. Das alleine erklärt, warum es bis auf weiteres aussichtslos ist, auf einen Impfstoff gegen Erkältung zu hoffen. Obgleich daran gearbeitet werde, sagt Ortwin Adams.

Aus diesem Grund gibt es zwar Arzneimittel, die symptomatisch wirken und die Gliederschmerzen lindern oder den Schleim lösen, nicht aber Mittel, die es auf das Virus direkt abgesehen hätten. Selbst wenn es gegen jeden Virentyp ein Mittel gäbe, bestünde das Problem, das Richtige unter hunderten Verfügbarer auszuwählen.

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So bleibt dann nichts anderes, als sich für rund eine Woche geschlagen zu geben und mit Inhaliergerät, Taschentüchern und Hustentee zu Hause zu verbringen.

Sechs Expertenratschläge, um Infekte zu verhindern

Wer nicht kampflos aufgeben möchte, dem bleibt die Möglichkeit, folgende Ratschläge zu beherzigen, um sich die Erreger am besten gleich vom Hals zu halten:

  1. Hände waschen – das schützt besser als Vitamine
    Vitamine sind gesund und tun auch dem Immunsystem gut. Allerdings hat die Forschung gezeigt: Zu Nahrungsergänzungsmitteln zu greifen und Vitamine in Pillen- oder Pulverform einzunehmen, ist weit weniger effektiv, als sich regelmäßig die Hände mit Seife zu waschen, sagt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Der Nutzen von Vitamin C und anderen sogenannten Antioxidantien wie Vitamin A oder E werde von vielen überschätzt.
     
  2. Bloß nicht mit den Fingern ins Gesicht
    Oft passiert es unbemerkt. Wir reiben uns die Augen, packen an die Nase oder stützen den Kopf ab. Dabei bringen wir die Erreger wie mit dem Taxi genau dorthin, von wo aus sie ihren Angriff auf unsere Gesundheit am leichtesten antreten können: auf die Schleimhäute von Mund, Nase und Augen.
     
  3. Weg mit benutzen Taschentüchern
    Wenn die Nase läuft, hilft nur putzen. Danach wandern die Taschentücher allerdings überallhin: in Handtaschen, Hosentaschen oder Ärmel. Dort legt man sich dann selbst ein Virenlager an. Beim nächsten Griff in die Tasche kleben sie an den Händen und verteilen sich weiter. Darum rät das IQWiG: Benutzte Taschentücher schnell entsorgen.
     
  4. Genug trinken
    Besonders in der Heizperiode sollte man täglich genug Flüssigkeit zu sich nehmen. So bleiben die Schleimhäute schön feucht und bilden eine gute Barriere gegen Viren und Bakterien.
     
  5. Meiden Sie alles, was das Immunsystem schwächt
    Rauchen, wenig Schlaf oder Alkohol – sie alle sind Gift für das Immunsystem. Meiden Sie solche Faktoren, um die körpereigene Abwehr nicht zu schwächen.
     
  6. Vorbeugen durch Hygiene
    In asiatischen Ländern normal, hier eher befremdlich: das Tragen von Mundschutzmasken. Für ausreichend hält der Mikrobiologe Roland Lang von der Uni Erlangen aber auch das Händewaschen. Bewährt hat es sich zudem, in die Armbeuge zu niesen oder zu husten, statt sich dabei die Hand vor den Mund zu halten. Denn sein Hinweis: Viren übertragen sich nicht nur per Tröpfcheninfektion, sondern auch per Schmierinfektion, also über kontaminierte Oberflächen.
 
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